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Dienstag, 12.09.2017

Fader Bayern-Sieg in Überzahl

Trotz 79 Minuten in Überzahl zeigt der FC Bayern gegen RSC Anderlecht zum Champions-League-Start lange eine wenig souveräne Vorstellung. Der 3:0-Pflichtsieg kann nicht über die Schwächen hinwegtäuschen.

Von Klaus Bergmann und Patrick Reichardt

Niklas Süle (r) von München jubelt noch über ein ungültiges Tor, während James Rodriguez sich schon beschwert.
Niklas Süle (r) von München jubelt noch über ein ungültiges Tor, während James Rodriguez sich schon beschwert.

© dpa

München. Erst nach einem energischen Endspurt ist der FC Bayern mit einem standesgemäßen Pflichtsieg gegen den RSC Anderlecht in die Champions League gestartet. Für den 14. Auftakterfolg am Stück in Europas Fußball-Königsklasse sorgten beim 3:0 (1:0) am Dienstag Robert Lewandowski mit einem nicht unumstrittenen Foulelfmeter (12. Minute), Thiago (65.) und Joshua Kimmich (90.). Lewandowski, der im Vorfeld mit einem vereinskritischen Interview für Wirbel gesorgt hatte, bewies mit seinem 41. Königsklassen-Treffer einmal mehr seinen herausragenden Wert für den deutschen Rekordmeister.

Anderlechts Sven Kums sah für eine Notbremse gegen Lewandowski die Rote Karte, sein Foulspiel erfolgte aber knapp vor dem Strafraum (11.). Trotz der Überzahl ging bei den Bayern vor 70 000 Zuschauern nur selten die Post ab, eine überzeugende Reaktion blieb drei Tage nach der ersten Saisonniederlage in Hoffenheim weitgehend aus. „Wir hätten schon in der ersten Hälfte deutlich mehr drauflegen könnten“, sagte Niklas Süle. „Aber ich denke, von der Idee her war das gut.“

Alexandru Chipciu verfehlte bei einem Pfostenschuss sogar das 1:1 nur knapp (49.). „Dass es nicht ganz einfach war, hat man auch gesehen“, urteilte Süle. Die internationalen Ambitionen des FC Bayern werden schon in zwei Wochen in der nächsten Königsklassen-Partie bei Paris Saint-Germain mit Topstar Neymar auf den Prüfstand kommen.

Nationalspieler Thomas Müller musste am Vortag seines 28. Geburtstags bis zur 78. Minute auf der Bank Platz nehmen, auf die auch sein Weltmeister-Kollege Mats Hummels rotierte. Dafür durfte Real-Leihgabe James Rodríguez sein Startelf-Debüt in einem Pflichtspiel geben.

Der Zehnte der belgischen Liga begann wie erwartet extrem defensiv. Anfangs sah es nach einem Geduldsspiel für die Münchner aus. Der sehr umtriebige Rodríguez, dem aber noch das blinde Verständnis mit den Teamkollegen und die Effektivität fehlten, hatte per Flugkopfball die einzige Chance der ersten Minuten (9.). Die Defensiv-Taktik des früheren Nürnberger Trainers René Weiler ging jedoch nur kurz auf.

Denn nur zwei Minuten später ereignete sich mit der Roten Karte für Kums und dem von Lewandowski sicher verwandelten Foulelfmeter die frühe Schlüsselszene des Spiels. Das Erstaunliche war jedoch, dass die Münchner aus ihrer Überzahl zunächst kein Kapital schlagen konnten. Die Gastgeber agierten oft zu behäbig, es fehlten das Tempo und die Überraschungsmomente gegen den belgischen Meister.

Teilweise war der Bundesliga-Sechste auch zu nachlässig in der Rückwärtsbewegung, was Anderlecht eine erste gute Schusschance durch Adrien Trebel ermöglichte (33.). Bayern-Kapitän Manuel Neuer, der in seinem 100. Europapokal-Spiel meist nur Zuschauer war, hielt sicher. Wenig später konnte Nicolae Stanciu den Ball nicht platzieren (41.).

Der Ancelotti-Elf gelang es nicht, früh ein zweites Tor nachzulegen. Javi Martínez versuchte es nach einer Ecke mit einem Fallrückzieher, den Anderlecht-Keeper Matz Sels hielt (45.+1). Trotz der Unterzahl hatten die Gäste wie beim Pfostentreffer durch Chipciu noch die Chance auf den Ausgleich. Die Bayern agierten vor allem defensiv wenig souverän. Darüber konnten auch die Chancen von Lewandowski (52.) und Königsklassen-Debütant Süle (54.) nicht hinwegtäuschen.

Bei Anderlecht schwanden mit zunehmender Spieldauer die Kräfte, dadurch ergaben sich für die Gastgeber folgerichtig mehr Chancen. Nach einer Flanke von Kimmich traf Thiago zum 2:0, kurz vor Schluss erhöhte Kimmich sogar noch. In der Schlussphase feierte zudem Jérôme Boateng nach langer Verletzungspause ein Kurz-Comeback. (dpa)

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