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Freitag, 13.10.2017

Extrem niedrige Schwelle

RB Leipzigs erstes Gastspiel bei Borussia Dortmund wurde von schweren Ausschreitungen überschattet. Das will die Polizei diesmal rigoros verhindern.

Von Thomas Nowag

Als RB Leipzig im Februar in Dortmund gastierte, war die Polizei überfordert. Vor dem Spiel am Sonnabend sieht sie sich aber besser vorbereitet.
Als RB Leipzig im Februar in Dortmund gastierte, war die Polizei überfordert. Vor dem Spiel am Sonnabend sieht sie sich aber besser vorbereitet.

© dpa

Die Ultras machen mobil, die Polizei rüstet auf. Acht Monate nach den Angriffen Dortmunder Randalierer auf Gästefans von RB Leipzig wird das erneute Duell zum Hochsicherheitsspiel. Doch böse Überraschungen will die massiv verstärkte Polizei um jeden Preis verhindern – ihre Warnung klingt außergewöhnlich scharf.

„Wer Gäste anpöbeln oder angreifen will, wird uns sehr aktiv erleben“, sagte Einsatzleiter Edzard Freyhoff vor dem Großeinsatz rund um das Spiel des Bundesliga-Tabellenführers gegen den Vize-Meister am Samstagabend: „Die Schwelle, ab der wir einschreiten, ist extrem niedrig.“ Polizeipräsident Gregor Lange kündigte an, „Fans aus Leipzig und Dortmund davor zu schützen, von Gewalttätern und Kriminellen, die den Titel Fan nicht verdienen, belästigt und angegriffen zu werden“. Straftäter würden „mit allen Mitteln und hohem Aufwand verfolgt“.

Aus gutem Grunde: In der Vorsaison blieb es nicht bei zahllosen beleidigenden Plakaten und Gewaltaufrufen wie „Bullen schlachten“ auf der Südtribüne, sondern ein Mob jagte die Leipziger vor dem Stadion. Sechs Gästefans und vier Polizisten wurden verletzt, im Nachgang gab es 168 Strafverfahren, von denen bis dato elf mit Strafbefehlen endeten. Die Südtribüne wurde vom DFB für ein Spiel geschlossen.

Ein Teil der – sehr heterogenen – Dortmunder Fan-Szene scheint dennoch nicht auf Deeskalation zu setzen. „Dietrich Mateschitz‘ Projekt ist heute genauso abzulehnen wie damals. Wir dürfen es niemals hinnehmen, dass ein Konzern den Fußball als Werbeplattform für sein Produkt missbraucht, allen Hofierungen und Anbiederungsversuchen zum Trotz“, teilte die Ultra-Gruppierung The Unity in einem gemeinsamen Aufruf mit dem Fanclub-Zusammenschluss „Südtribüne Dortmund“ mit. Denn: „Alles, woraus unser Sport seine Faszination zieht, wird von RasenBallsport mit Füßen getreten.“

Mit einem Fanmarsch solle „ein starkes Zeichen“ gesetzt werden: „Im Westfalenstadion und auf der Südtribüne gilt dieselbe Devise wie in der letzten Saison: Zeigen wir, was den Fußball für uns ausmacht! Zeigen wir, dass man Fanatismus, Treue und eine freie und mündige Fankultur mit keinem Geld der Welt kaufen kann!“

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hofft inständig, dass der Protest diesmal friedlich bleibt. Sicher ist er sich nicht. „Grundsätzlich glaube ich, dass alle gelernt haben aus der Situation. Insofern bin ich verhalten optimistisch, dass wir das ordentlich über die Bühne kriegen“, sagte er den Zeitungen der Funke-Gruppe. Die Polizei wandte sich mit „dringenden Anreiseempfehlungen“ an die Gäste.

Watzke setzt sein Vertrauen ohnehin in die Staatsmacht. „Die Polizei überwacht das Spiel mit deutlich größerer Präsenz als beim letzten Mal“, sagte er. „Damals waren deutlich zu wenig Polizisten im Einsatz.“ Eine genaue Zahl wird nicht genannt, rund 1 000 Beamte sollen es im Vergleich zu 237 im Februar sein. Eine eigens engagierte Sicherheitsfirma soll die RB-Mannschaft beschützen. Zu der könnte unter Umständen auch wieder Timo Werner zählen. Der Nationalstürmer stieg am Donnerstag wieder voll ins Mannschaftstraining bei den Roten Bullen ein. Es sei aber noch unklar, ob der 21-Jährige beim BVB auflaufen könne, sagte Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick. Werner musste zuletzt wegen einer Blockade der Halswirbelsäulen-Muskulatur pausieren.

Dementsprechend zurückhaltend gibt sich Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick. „Ich gehe davon aus, dass wir erst am Freitag sehen werden, ob es Sinn macht, ihn tatsächlich schon wieder zu berücksichtigen“, sagte er dem „Kicker“ (Donnerstag). Nur wenn Werner dem Team helfen könne, mache ein Einsatz Sinn. „Und das kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand seriös abschätzen“, sagte Rangnick.

Zudem müsse Werner selbst das Gefühl haben, für das Spiel bereit zu sein. „Wenn das der Fall ist, kann man darüber nachdenken. Wenn nicht, macht es mehr Sinn, ihn eventuell gegen Porto wieder zu bringen“, erklärte der Sportdirektor. Die Unterstützung durch Leipziger Fans wird aber auf alle Fälle geringer ausfallen als im Februar. Denn sehr viele RB-Fans wollen sich die Reise nach Dortmund nicht mehr antun. 8 000 Karten hat der BVB den Leipzigern zur Abnahme angeboten, etwa 3 000 wurden in Anspruch genommen. Einige von ihnen haben einen Termin mit dem Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau: Der SPD-Politiker hat RB-Fans eingeladen, die im Februar Anzeige erstattet hatten. Es geht ins DFB-Museum. (sid)

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