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Montag, 20.11.2017

Experten zum Einsatz von Antibiotika: „Weniger ist mehr“

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt:

Die Zunahme von Antibiotika-Resistenzen rund um den Globus ist die größte Gesundheitsbedrohung der Erdbevölkerung. Denn die Arzneistoffe zur Bekämpfung von bakteriellen Infektionskrankheiten werden zu schnell und häufig unbegründet eingesetzt. In der Folge entwickeln viele Bakterien Resistenzen gegen immer mehr Arten von Antibiotika, die dann keine Wirkung mehr zeigen. Der Welt-Antibiotika-Tag am 18. November soll die Öffentlichkeit für diese gefährliche Wechselwirkung sensibilisieren.

Medikamenten-Hersteller wie die 1 A Pharma GmbH aus Oberhaching bei München stellt die zunehmende Resistenz gegenüber Antibiotika vor große Herausforderungen. Geschäftsführerin Tanja Dormels erklärt anlässlich des Welt-Antibiotika-Tags: „Für den richtigen Umgang mit Antibiotika ist es wichtig, ein wirklich umfassendes Fachwissen zu haben. Leider gibt es da oft noch große Lücken, die wir dringend schließen müssen.“ Viele Patienten würden zum Beispiel glauben, dass Antibiotika auch gegen Viren wirken. Doch das sei nicht der Fall: „So wirksam Antibiotika gegen Bakterien sind, gegen Krankheiten, die durch Viren ausgelöst werden wie etwa eine Grippe, sind sie völlig wirkungslos“, erklärt Dormels.

Immer mehr Bakterien sind gegen Antibiotika resistent

Das sagt auch Professor Jochen Gensichen vom Universitätsklinikum Jena: „Tatsächlich denken sehr viele Menschen, dass bei Infekten sofort ein Antibiotikum genommen werden muss, selbst bei einem ganz gewöhnlichen Schnupfen.“ Das stimme zwar nicht, würde aber von vielen Patienten erwartet. Hausärzte müssten den Patienten überzeugend vermitteln, wann Antibiotika angezeigt sind.

Antibiotika entsprechend ärztlicher Verordnung einnehmen

Experten sehen auch die falsche Selbsteinschätzung der Patienten problematisch. Laut einer repräsentativen Umfrage sind 58 Prozent der Deutschen der Meinung, dass ihr eigenes Verhalten im Umgang mit Antibiotika die Entwicklung von Resistenzen nicht beeinflusst. Aber wenn die Medikamente nicht entsprechend der Verordnung des Arztes eingenommen werden, was oft der Fall ist, fördert das die Bildung von resistenten Bakterien. Ein weiteres Problem ist es, wenn Antibiotika-Reste statt in der Sammelstelle der Apotheke in der Mülltonne oder der Toilette landen und so ins Grundwasser gelangen. Auch so entwickeln Bakterien Resistenzen.

Tanja Dormels plädiert daher für „einen verantwortungsvollen und vorausschauenden Umgang mit Antibiotika“. Die richtige Anwendung des Medikaments ist besonders wichtig, 1 A Pharma unterstützt deshalb mit namhaften Partnern die Smartphone-App Antibiotica.Coach, die Patienten kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Sie soll Patienten in Zusammenarbeit mit Apothekern auf interaktive Weise helfen, die verschriebenen Medikamente korrekt einzunehmen.

Die Hersteller sehen aktuell die größte Herausforderung bei der Menge der verschriebenen Antibiotika: Tanja Dormels: „So komisch es auch aus dem Munde eines Herstellers klingt, grundsätzlich gilt: Weniger ist mehr! In den nächsten Jahren werden kaum neue antibakterielle Medikamente auf dem Markt kommen. Nur wenn wir es gemeinsam schaffen, die Antibiotika-Resistenzen einzudämmen, werden die heutigen Therapieformen langfristig noch wirkungsvoll sein.“

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