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Samstag, 12.08.2017

EU-Richtlinie bedroht Meissen

Welche Folgen haben Pläne der EU-Kommission, Grenzwerte für Schwermetalle zu verschärfen, für Porzellanmanufakturen? Die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen sieht Probleme auf sich zukommen.

Blick auf die Fassade der Manufaktur
Blick auf die Fassade der Manufaktur

© Claudia Hübschmann

Brüssel/Meißen. Die EU-Kommission hat versichert, dass eine geplante Verschärfung von Auflagen für die Keramikindustrie nicht zum Aus für deutsche Porzellanmanufakturen führen wird. Die Kommission werde sicherstellen, dass eine mögliche Verschärfung von Schwermetallgrenzwerten den legitimen Bedenken der Keramikindustrie Rechnung trägt und gleichzeitig einen hohen Verbraucherschutz gewährleistet, sagte eine Sprecherin am Sonntag. Es sei geplant, mit allen Beteiligten entsprechende Gespräche zu führen.

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte zuvor berichtet, dass die geplante Verschärfung der Grenzwerte für Cadmium und Blei Unternehmen wie die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen in Schwierigkeiten bringen könnte. Beide giftigen Stoffe können in farbigen Glasuren von Keramik zum Einsatz kommen und von dort aus in Lebensmittel gelangen.

Eine Sprecherin der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen bestätigte die Probleme, die eine starke Absenkung der Grenzwerte verursachen könnte. „Das wäre das Aus für unsere Aufglasurmalerei im Bereich Tisch und Tafel“, sagte sie. Damit würde Meissen ein Stück Kulturgut verlieren. Die Aufglasurmalerei sei auch Teil der Ausbildung der Porzellanmaler.

Die Herstellung von Geschirr mache etwa die Hälfte der Produktion von Meissen aus. Allerdings gibt es auch Malerei unter der Glasur, bei der Lebensmittel nicht direkt mit Farbe in Kontakt kommen. Als Beispiel nannte die Sprecherin das Zwiebelmuster. Meissen hofft nun auf eine Ausnahmeregelung für die betroffenen Manufakturen. Denkbar wäre auch, das Geschirr mit Warnhinweisen zu versehen.

Die EU-Kommission äußerte sich zunächst nicht dazu, ob sie solche Lösungen für denkbar hält. Die Beratungen liefen noch, sagte die Sprecherin.

Für niedrigere Grenzwerte für Blei und Cadmium spricht sich unter anderem auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) aus. Es verweist darauf, dass die giftigen Stoffe beim Kontakt mit Nahrungsmitteln aus der Keramik herausgelöst werden können. In EU-Gutachten wird so empfohlen, den zulässigen Wert für Blei auf ein Vierhundertstel der bisherigen Obergrenze zu reduzieren. Derzeit dürfen aus Keramikgefäßen bis zu 4 Milligramm Blei pro Liter an Lebensmittel abgegeben werden. (dpa)

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