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Donnerstag, 07.12.2017

Ermittlungen gegen ehemalige Chefin der Döbelner Tafel

Es wurden ehrenamtliche Mitarbeiter bezahlt, die es gar nicht gab. Beim Trägerwechsel im Sommer war das aufgefallen.

Von Jens Hoyer

Gegen die ehemalige Leiterin der Döbelner Tafel wird wegen Untreue ermittelt.
Gegen die ehemalige Leiterin der Döbelner Tafel wird wegen Untreue ermittelt.

© André Braun

Döbeln. Wie die Staatsanwaltschaft Chemnitz auf Anfrage des Döbelner Anzeigers bestätigte, ermittelt die Polizei gegen die ehemalige Leiterin der Döbelner Tafel wegen Untreue. Ihr früherer Arbeitgeber, der Awo-Kreisverband Mulde-Collm, hatte Anzeige erstattet, als im Sommer Unregelmäßigkeiten ans Licht kamen. Der Vorstand des Verbandes habe seine Zustimmung für die Anzeige erteilt, sagte der Vorsitzende Olav Chemnitz.

Konkreter wurde Daniel Schippan, Geschäftsführer des Awo-Kreisverbandes. Der Verband hatte Fördermittel als Aufwandsentschädigungen an ehrenamtliche Mitarbeiter ausgezahlt, die aber zu diesem Zeitpunkt gar nicht bei der Tafel gearbeitet haben. „Von insgesamt zehn Teilnehmern haben zumindest in diesem Jahr vier mitgearbeitet und sechs nur auf dem Papier gestanden“, sagte Schippan. Als Aufwandsentschädigung habe der Verband den freiwilligen Helfern je 40 Euro pro Monat überwiesen. „Die angeblichen Teilnehmer haben das Geld bekommen und der Leiterin übergeben. Sie hat uns gegenüber angegeben, dass sie das Geld für die Tafel verwendet hat. Aber das ist absurd. Es gibt keine Einzahlungsbelege“, sage Schippan.

Kontrollmechanismen seien eingebaut gewesen. Sowohl Teilnehmer als auch Leiterin hätten unterschrieben. Ansonsten sei es schwierig, den tatsächlichen Personalbestand zu prüfen. „Es sind ja nicht alle Helfer gleichzeitig im Haus“, so Schippan.

Im Sommer hatte der Verein Netz-Werk Mittweida die Tafel übernommen. In diesem Zusammenhang sei festgestellt worden, dass einige der angegebenen Helfer gar nicht bei der Tafel beschäftigt waren, sagte Schippan. Die Leiterin war zu diesem Zeitpunkt im Urlaub. Später bei einem Gespräch habe sie die Manipulationen zugegeben. Wie lange das so gegangen sei, das müsse die Polizei bei ihren Ermittlungen herausbekommen, sagte der Geschäftsführer. „Wir waren bestürzt, als wir das erfahren haben. Es gab immer zu wenig Personal für die Tafel. Es ist dadurch auch verhindert worden, dass zusätzliche Helfer gefunden werden“, so Schippan. Die Leiterin hatte auch gegenüber dem Döbelner Anzeiger immer wieder gesagt, dass sie aufgrund der dünnen Personaldecke keinen Urlaub machen kann. „Wir haben die Leiterin immer wieder aufgefordert, ihren Urlaub in Anspruch zu nehmen. Die Arbeit hätten in dieser Zeit Mitarbeiter in Mini-Jobs und Ehrenamtliche übernehmen können. Sie hat das immer boykottiert. Auch das ist ein Indiz, dass da etwas nicht gestimmt hat“, so Schippan.

Vor 15 Jahren hatte der Awo-Kreisverband die Döbelner Tafel in seine Trägerschaft übernommen – die Leiterin war seitdem die einzige Festangestellte. Alle anderen Mitarbeiter wechselten und waren über verschiedene Fördermaßnahmen oder als freiwillige Helfer mit einer Aufwandspauschale beschäftigt. Vor einem Jahr hatte der Awo-Kreisverband beschlossen, die Tafel aufzugeben, der Leiterin war gekündigt worden. Nach heftigen Protesten hatte sich mit Netz-Werk- Mittweida ein neuer Betreiber gefunden. Die Leiterin sollte vom neuen Träger eigentlich übernommen werden, wurde dann aber nicht eingestellt.

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