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Mittwoch, 13.09.2017

Erinnerung an ein Grenzdorf

Vor 70 Jahren standen in Streckenwalde knapp 100 Häuser, heute gibt es nur noch vier. Dorthin führt eine Wanderung.

Die Marienstatue wurde vor vier Jahren vom Bildhauer Michael Beleck restauriert.
Die Marienstatue wurde vor vier Jahren vom Bildhauer Michael Beleck restauriert.

© Bernd Grahl

Fürstenwalde. Zu einer geführten Wanderung durch das deutsch-tschechische Grenzgebiet lädt der Fürstenwalder Bernd Grahl an diesem Sonntag ein. Ziel der Tour ist eine Marienstatue, die an der Weggablung Fürstenwalde, Vetrov/Streckenwald und Krasny Less/ Schönwald steht. Hier findet zum dritten Mal ein Gedenktreffen für das einst von Sudetendeutschen bewohnte Streckenwald statt. Das Grenzdorf ist ein Waldhufendorf, das im Jahre 1437 das erste Mal urkundlich erwähnt wurde, wie in Ortschronik nachzulesen ist, die der damalige Oberlehrer Rudolf Köhler 1930 verfasste. Demnach wurde das Dorf von Sachsen, Thüringen und Franken gegründet. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) standen im Dorf von dreißig Häusern nur noch fünf.

Später wuchs das Dorf. 1833 hatte es 66  Häuser und 444 Einwohner. Diese aufstrebende Entwicklung des Ortes wurde 1856 durch eine große Feuersbrunst unterbrochen, die die Mitte des Dorfes zerstörte. Nach dem großen Brand zählte man noch 57 Häuser, 1945 waren es 91.

Die Streckenwalder waren als rührige Handelsleute bekannt. Sie betrieben Handel mit Borstenvieh und Wacholdersaft. Kinder und Frauen fertigen Flechtarbeiten. Streckenwald besaß fünf Gaststätten sowie einen Gesangverein und eine Feuerwehr.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Bewohner vertrieben. Heute stehen nur noch vier Häuser, drei werden als Wochenendhäuser genutzt, im vierten lebt heute eine tschechische Familie. (SZ/mb)

Geführte Wanderung, 17.9., Beginn: 9.45 Uhr, an der Wanderhütte beim Forsthaus in Rudolfsdorf. Parkplätze sind vorhanden. Die Gedenkstunde beginnt 11 Uhr.