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Freitag, 19.05.2017

Entlastung für Lommatzsch

Die Staatsstraße 32 zieht sich durch die Stadt. Es ist eng, laut und gefährlich. Das soll sich ändern. Allerdings nicht gleich.

Von Jürgen Müller

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Eng, enger, Meißner Platz. Auch der gesamte Schwerlastverkehr in Richtung Autobahn quält sich durch die Stadt. Jetzt soll eine Ortsumgehung gebaut werden. Geplant wird sie schon seit Jahrzehnten. Bis sie fertig ist, vergehen noch Jahre.
Eng, enger, Meißner Platz. Auch der gesamte Schwerlastverkehr in Richtung Autobahn quält sich durch die Stadt. Jetzt soll eine Ortsumgehung gebaut werden. Geplant wird sie schon seit Jahrzehnten. Bis sie fertig ist, vergehen noch Jahre.

© Gerhard Schlechte

Lommatzsch. Es war Anfang der 1990er Jahre, als sich ein junger Straßenbau-Ingenieur mit den Plänen für eine Ortsumfahrung von Lommatzsch befasste. Andreas Reichel plante damals einen Ring um die Stadt, um diese vom Verkehr zu entlasten. Das war schon zu DDR-Zeiten im Gespräch. Doch realisiert wurden die Pläne nie. Sie landeten wieder in der Schublade.

Jetzt, mehr als ein Vierteljahrhundert später, werden sie wieder herausgeholt beziehungsweise erneuert. Wieder ist Andreas Reichel am Werk. Wenigstens ein Teil der damaligen Pläne könnte in absehbarer Zeit realisiert werden. Derzeit plant der Projektverantwortliche im Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), Niederlassung Meißen, die Ostumgehung der Staatsstraße 32 für Lommatzsch. Diese Straße schlängelt sich von Schieritz kommend mitten durch die Stadt, führt über eine enge 180-Grad-Kurve am Meißner Platz weiter Richtung Mertitz. Wenn sich ein Lkw und ein Pkw begegnen, muss einer anhalten. Richtig eng wird es, wenn zwei Lastkraftwagen entgegenkommen.

Die Ostumgehung soll das nun ändern. Es ist eine rund einen Kilometer lange Straße geplant, die am Soldatenfriedhof beginnt und über das Feld bis zur Glashüttenstraße führt. Am Anfang und am Ende soll es jeweils einen Kreisverkehr geben. Das ist jedenfalls die Vorzugsvariante von vier verschiedenen Vorschlägen. Sie wurde bereits zum zuständigen Ministerium bestätigt. „Der Schwerlastverkehr soll raus aus der Stadt. Dadurch gibt es weniger Lärm, weniger Erschütterungen, erhöht sich die Lebensqualität der Anwohner“, sagt Reichel. Doch was des einen Freud’, ist des anderen Leid. „Es wird durch die Ortsumgehung für andere Einwohner zu Beeinträchtigungen kommen, die bisher nicht vom Lärm betroffen sind“, sagt Ronald Faß, Abteilungsleiter Planung im Lasuv. Betroffen sind beispielsweise Anwohner der Bergstraße. Die Beeinträchtigungen hielten sich aber in Grenzen, seien so gering, dass der Bau einer Lärmschutzwand nicht erforderlich sei. Einige Grundstückseigentümer müssten auch Teile ihrer Flächen verkaufen, weil diese für den Straßenbau benötigt werden.

Eine Verkehrszählung vor zwei Jahren hatte ergeben, dass auf der S 32 innerhalb von 24 Stunden rund 2 900 Fahrzeuge unterwegs sind. „Nach diesen Zahlen besteht kein vordergründiger Anlass, sich mit einer Ortsumgehung zu beschäftigen“, so Reichel. Und in der Prognose geht die Belastung bis 2025 sogar noch zurück. Dennoch soll die Umgehung gebaut werden. Denn man müsse auch die besonderen Umstände, die beengten Verhältnisse in der Stadt sehen, so der Straßenbau-Ingenieur. Hinzu komme, dass die Verkehrsbelastung in bestimmten Jahreszeiten durch landwirtschaftliche Fahrzeuge extrem zunehme.

Weil für die Ortsumfahrung Ackerfläche in Anspruch genommen wird, müssen Ausgleichsmaßnahmen her. Das fordert der Naturschutz. Im konkreten Fall soll eine Amphibienschutzanlage gebaut werden. Allerdings nicht in Lommatzsch, sondern in Leutewitz in der Gemeinde Käbschütztal. „Die Naturschutzbehörde fordert das seit Langem. Deshalb haben wir das jetzt als eine der Ausgleichsmaßnahmen angeboten“, so Rainer Miersch, beim Lasuv verantwortlich für Umweltschutz.

Die Fahrbahn der Ortsumgehung soll acht Meter breit werden. Ein Fuß- und Radweg wird gebaut, allerdings nicht separat, sondern er wird integriert, damit Radfahrer den Kreisverkehr gefahrlos mit nutzen könne. Durch den Bau wird die Zöthainer Straßen unterbrochen.

Doch wann wird die Ostumgehung denn nun gebaut? Da hält man sich im Amt bedeckt. Tenor: Bis zum Baubeginn kann es noch drei bis acht Jahre dauern. Die Bauzeit wird dann mit rund einem Jahr veranschlagt. Die bisher geschätzten Kosten liegen bei 2,5 Millionen Euro. Bis zum tatsächlichen Baubeginn dürften die sich allerdings noch deutlich erhöhen.

Derzeit ist das Planfeststellungsverfahren beantragt. Das Vorhaben kann sich verzögern, wenn es zu Klagen kommt oder es Probleme beim Grunderwerb gibt.

„Wir lösen mit diesem Vorhaben nicht alle Verkehrsprobleme in Lommatzsch“, sagt Andreas Reichel. Notwendig ist vor allem die Westumgehung, damit die Königstraße vom Verkehr entlastet wird. Auch diese Umgehung wird seit Jahrzehnten geplant. Bisher hat sie es nicht mal in den sächsischen Verkehrswegeplan geschafft.

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