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Donnerstag, 12.10.2017

„Emma-On-Laden“ vor dem Baustart

Die Genossenschaft Neue Altstadt Kamenz legt beim Seifenladen-Haus noch 2017 los. Das Projekt ist beispielgebend.

Von Frank Oehl

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Torsten Petasch (l.) und Thomas Wolf sind für die Genossenschaft am früheren Seifengeschäft in Kamenz maßgeblich mit beteiligt. Die Rekonstruktion beginnt im Frühjahr 2018.
Torsten Petasch (l.) und Thomas Wolf sind für die Genossenschaft am früheren Seifengeschäft in Kamenz maßgeblich mit beteiligt. Die Rekonstruktion beginnt im Frühjahr 2018.

© Matthias Schumann

Die Fassade des Eckhauses an der Bautzner Straße wird umfassend saniert. Die denkmalgeschützte Inneneinrichtung des Ladengeschäftes bleibt davon freilich unberührt.
Die Fassade des Eckhauses an der Bautzner Straße wird umfassend saniert. Die denkmalgeschützte Inneneinrichtung des Ladengeschäftes bleibt davon freilich unberührt.

© Grafik: Anne Hasselbach

Kamenz. Um die Genossenschaft Neue Altstadt Kamenz und ihr Vorzeigeprojekt im vormaligen Seifen-Niegel-Haus war es zuletzt etwas stiller geworden. Zwar gab es hier und da mal einen Arbeitseinsatz an der Fassade und im Innern, aber im Großen und Ganzen nichts Neues. Nun, die Ruhe vor dem Sturm ist bald vorbei. Noch in dieser Woche rechnet Projektleiter Thomas Wolf mit dem positiven Förderbescheid. Dann kann der Umbau des Hauses, der auch Denkmalsicherung beinhaltet, wirklich starten. Noch in diesem Jahr kommt das Gerüst an die Fassade, damit die Dachrinne und Teile des Daches sofort repariert werden können. Eine Glatteisbahn vor dem Haus wie im letzten Winter soll es im kommenden jedenfalls nicht mehr geben.

Torsten Petasch vom Genossenschaftsvorstand: „Richtig los geht es 2018, damit wir nach einjähriger Bauzeit dann womöglich im Frühjahr 2019 die Einweihung feiern können.“ Der Gesamtumfang des Vorhabens beträgt 550 000 Euro, was aber verständlich ist, wenn man den Gesamtzustand und die Größe des Eckhauses in Betracht zieht. Etwa 65 000 Euro davon werden die Genossenschafter in eigener Regie stemmen, entweder durch finanzielle Leistungen oder durch „Muskelhypothek“, wie es heißt. Möglich wird das Projekt vor allem durch die Vertragspartnerschaft mit dem Christlichen Sozialwerk Kamenz. Das CSW wird im ersten Stock eine Außenwohngruppe betreiben – für fünf Menschen mit geistigen Einschränkungen, die aber – tagsüber betreut – durchaus auch allein klarkommen. Das CSW wird außerdem noch Büroplätze einrichten – rechts neben dem Laden, der in seiner ganzen historischen Schönheit erhalten bleiben soll. Torsten Petasch: „Als eine Art Emma-On-Laden.“ Diese Wortschöpfung ist ernst gemeint. Das CSW könnte die Idee der Genossenschafter aufgreifen, und hier in einer Art Inklusionsprojekt regionale Produkte anbieten, die auch an ein Internet-Angebot gekoppelt sind. Was das im Einzelnen sein kann, darüber werden sich noch die Köpfe erhitzen. Petasch: „Fliegende Händler in Kamenz sind für uns nicht der Weisheit letzter Schluss. Wir wollen stationären Handel – mit Vernetzung!“

Arbeitseinsatz nach den Ferien

Die knapp 40 Mitglieder der Genossenschaft sind von ihrem Vorhaben überzeugt. Und gehen selbst mit Rat und Tat voran. Projektleiter Thomas Wolf: „Nach den Herbstferien findet aller 14 Tage ein Arbeitseinsatz statt.“ Die Entkernung gehe weiter, wobei „externe Helfer“ gern gesehen sind, wie es heißt. Dabei baut man auf das anhaltende Interesse vieler Kamenzer an der Zukunft genau dieses typischen Wohn- und Geschäftshauses. Und zur Einkaufsnacht am 24. November wird das Haus natürlich wieder geöffnet sein. Der Dresdner Grafiker Tobias Wolf wird ausstellen und Druckgrafiken vom Gebäude anbieten. Und damit auch das Credo des Projektleiters Thomas Wolf versinnbildlichen: „In Kamenz geht viel mehr als Meckern. Anpacken ist die Devise!“

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