• Einstellungen
Samstag, 12.08.2017

Einzug in Wappler-Halle im Dezember

Die Werkzeugmaschinenfirma investiert rund fünf Millionen Euro in den zweiten Standort. Auch für die Gesundheit.

Von Ines Scholze-Luft

Bild 1 von 2

Freude über den Baufortschritt. Inhaber Jörg Wappler (62) vor dem Neubau des Unternehmens Werkzeugmaschinen Wappler auf der Köhlerstraße in Sörnewitz. Ins Erdgeschoss des Bürotrakts ziehen unter anderem die technischen Büros ein, auch das Projektmanagement. In der oberen Etage, sie entsteht gerade, werden Marketing und Vertrieb untergebracht.
Freude über den Baufortschritt. Inhaber Jörg Wappler (62) vor dem Neubau des Unternehmens Werkzeugmaschinen Wappler auf der Köhlerstraße in Sörnewitz. Ins Erdgeschoss des Bürotrakts ziehen unter anderem die technischen Büros ein, auch das Projektmanagement. In der oberen Etage, sie entsteht gerade, werden Marketing und Vertrieb untergebracht.

© André Wirsig

Filigraner Aufbau. Die Halle des Neubaus zum Richtfest vor einigen Tagen. Jetzt wachsen schon die Wände empor.
Filigraner Aufbau. Die Halle des Neubaus zum Richtfest vor einigen Tagen. Jetzt wachsen schon die Wände empor.

© Archiv/Norbert Millauer

Sörnewitz/Weinböhla. Jörg Wappler sieht die Halle wachsen. Vorm inneren Auge und ganz real. Gerade fährt ein Autodrehkran heran, setzt ein weiteres Teil in die Hallenwand. Von solchen Mobilkränen muss sich das Unternehmen Werkzeugmaschinen Wappler am Stammsitz in Weinböhla helfen lassen, wenn eine Last zu heben ist, die das Potenzial des dortigen Krans, 20 Tonnen Traglast, übersteigt, 32 Tonnen schafft der neue in Sörnewitz. Auch die sogenannte Hakenhöhe unterscheidet sich deutlich: 4,35 Meter in Weinböhla, 6,80 Meter im Neubau.

Immerhin wiegt das schwerste Einzelteil für Maschinen, an denen das Wappler-Team arbeitet, 30 Tonnen. Da ist nicht nur das neue Hebegerät von Vorteil, sondern auch ein spezielles Maschinenfundament nötig – derzeit noch eine Grube in der Mitte der neuen Halle. Hier sollen die Kunden später sehen, wie exakt die Maschinen aufgestellt werden müssen. Das können wir in der alten Halle nicht, sagt Jörg Wappler, Inhaber des Unternehmens.

Es stellt die Werkzeugmaschinen allerdings nicht selbst her, sondern beschafft als für Nord- und Ostdeutschland zuständiger Exklusivhändler des südkoreanischen Konzerns Doosan die CNC-gestützten Maschinen, rüstet sie weiter aus und liefert sie, wie der Kunde sie braucht. Drehmaschinen, Bohrwerke, multifunktionale Drehfräszentren für Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, Automobilindustrie.

Hat das Unternehmen vor zehn Jahren noch etwa 25 Prozent der Maschinen umgerüstet, sind es heute 75 Prozent. Die Ansprüche werden komplexer. Der Kunde will und soll sich auf seine eigentlichen Prozesse konzentrieren. Um dem ebenso gerecht zu werden wie den Vorstellungen von Doosan und eigenen Ansprüchen, entschied sich Wappler, in Sörnewitz neu zu bauen, einen zweiten Betriebsteil. Auf der Niederauer Straße in Weinböhla wäre eine Erweiterung nicht möglich gewesen.

Etwa fünf Millionen Euro investiert das Unternehmen auf dem ehemaligen EWS-Areal an der Köhlerstraße. Mit dem Baufortschritt ist Jörg Wappler sehr zufrieden. Die Bauleute arbeiten schnell und fleißig, sagt er. Da könnte Ende August die Halle, jetzt ein Stahlgerüst, schon weitgehend geschlossen sein. Einzugsziel: Dezember. Dann sind 1 400 Quadratmeter unter Dach und Fach. Ebenso groß ist die Bruttofläche des Bürotrakts auf zwei Etagen, mit Bezugstermin Januar 2018.

Der Besucher kommt über eine flache Treppe auf der Westseite ins Gebäude. Geradeaus der Empfang, rechts Besprechungsraum und Cafeteria. So der Plan. Zu sehen sind derzeit blanke Betonwände, -böden, -decken. Auch im technischen Bürobereich im Erdgeschoss – unter anderem für Serviceleitung und Entwicklungsabteilung. Kein langer Gang mit kleinen Büros links und rechts. Von dieser Struktur will Wappler weg. Hin zu einem offenen Raum mit sogenannten Begegnungszonen für die Projektarbeit mit wechselnden Personen. Die können sich schnell zusammensetzen, ohne am Arbeitsplatz den Nachbarn zu stören. Sondern auf der Couch im Besprechungsraum bei einem Kaffee beraten.

Kommunikation bestimmt die Arbeitsweise, sagt Jörg Wappler. Das Coswiger Modell könnte auch in Weinböhla umgesetzt werden, so viel Platz sei dann da. Von den 37 Mitarbeitern ziehen etwa 20 nach Sörnewitz. Wo die Maschinen sozusagen mit den Automatisierungseinrichtungen verheiratet werden, wo Testläufe stattfinden, sagt der Firmenchef. Weinböhla bleibt Ausstellungsort für Standardneumaschinen und für kleinere Maschinen.

Noch etwas Neues, Besonderes hat Sörnewitz zu bieten. Im Durchgang zwischen Bürotrakt und Halle, im Kopfbau, entstehen nicht nur Technik- und Sanitärbereich, sondern auch ein Gymnastikraum. Hat jemand Rücken, kann er sich beispielsweise an die Sprossenwand hängen. Als weiteres Gesundheitsplus gibt es höhenverstellbare Schreibtische. Bei Bedarf kann auch im Stehen gearbeitet werden.

Überhaupt ist das Thema Personal ein zentrales für Jörg Wappler. Das Unternehmen müsse auch da wachsen. Nicht zuletzt, weil das Gebrauchtmaschinengeschäft an Fahrt aufnehmen wird, ist sich der Firmenchef sicher. Mit Blick darauf und auf den Neubau habe man die Belegschaft bereits erweitert, bei Ingenieuren und Facharbeitern. Das eigentliche Wachstum komme nun mit den Aufgaben. Jörg Wappler kann sich gut vorstellen, dass der Betrieb mal 60 bis 70 Mitarbeiter umfasst.

Vor längerer Zeit habe man noch Leute vom Arbeitsmarkt bekommen. Jetzt setzt Wappler verstärkt auf die eigene Ausbildung. 2017 wurden zwei Lehrlinge übernommen, aber nur einer eingestellt – mehr Bewerbungen gab es nicht. Deshalb will das Unternehmen an der nächsten regionalen Ausbildungsmesse teilnehmen. Um künftige Azubis zu finden, die sicher auch im Sörnewitzer Neubau arbeiten werden.

Desktopversion des Artikels