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Dienstag, 12.09.2017

Einmal China und zurück

Die Firma Obag in Bautzen schickt ihren jüngsten Bauleiter nach Asien. Der kämpft dort nicht nur mit der Sprache.

Von Marleen Hollenbach

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Die Baupläne nimmt Erik Fleischer mit nach Hangzhou, einer Stadt in China. Sächsische Firmen errichten dort ein Haus, das wenig Energie verbraucht. Der junge Bauleiter der Firma Obag in Bautzen spielt dabei eine wichtige Rolle.
Die Baupläne nimmt Erik Fleischer mit nach Hangzhou, einer Stadt in China. Sächsische Firmen errichten dort ein Haus, das wenig Energie verbraucht. Der junge Bauleiter der Firma Obag in Bautzen spielt dabei eine wichtige Rolle.

© Uwe Soeder

Bautzen. Fast 30 Stunden hat die Fahrt gedauert. Mehr als einen Tag war Erik Fleischer unterwegs. Der 26-Jährige musste oft umsteigen, immer wieder warten und schließlich noch drei Stunden mit dem Zug quer durch China fahren. Anstrengend sei die Reise im Juli schon gewesen, sagt er. Doch das hält den jungen Mitarbeiter der Firma Obag Hochbau in Bautzen nicht davon ab, erneut seine Koffer zu packen.

Unterwegs sein, das gehört zum Beruf des jungen Mannes dazu. In seinem Büro an der Paulistraße steht die Luft. Das kleine Zimmer mit dem schwarzen Bürostuhl betritt er nur selten. Gerade hat Erik Fleischer auf einer Baustelle in Meerane nach dem Rechten gesehen. Überall in Sachsen, manchmal auch in Bayern wartet Arbeit auf ihn. Aber eine Baubesprechung in China? Das stand bis vor Kurzem noch nicht in seinem Terminkalender.

Eines Tages aber erzählte ihm der Chef von einem besonderen Projekt, an dem sich die Obag beteiligt und davon, dass er als einer der jüngsten Bauleiter der Firma nach China reisen darf. „Mein Interesse war sofort geweckt, weil ich unbedingt etwas Neues entdecken wollte“, sagt er.

Viele Aufträge

Das Projekt hat das Berufsförderungswerk (BFW) Bau Sachsen initiiert. Zwei Jahre lang beteiligen sich sächsische Firmen am Bau eines Niedrigenergiehauses in der chinesischen Stadt Hangzhou. Dabei verfolgt das BFW zwei Ziele. Zum einen soll das Gebäude den Chinesen als Musterhaus dienen. Deshalb entsteht das Haus auch auf dem Campus einer Berufsschule, also dort, wo zukünftige Fachkräfte ausgebildet werden. „Die Studenten können beim Bau zusehen und so deutsche Qualität bei der Bauausführung kennenlernen. Außerdem werden sie von deutschen Dozenten geschult“, erklärt Projektmitarbeiterin Julia Bauer. Die Chinesen profitieren also vom Wissen der deutschen Firmen. Aber auch die Unternehmen gehen bei dem Projekt nicht leer aus. Sie bekommen die Möglichkeit, sich in China einen Namen zu machen.

Gut möglich also, dass die Obag nach dem Projekt weitere Anfragen aus Asien erhält. Dabei ist das Hochbauunternehmen gar nicht darauf angewiesen. Dass die Baubranche gerade boomt, spürt man auch bei der Firma in Bautzen, die sich auf den Bau schlüsselfertiger Gebäude spezialisiert hat. Aufträge gibt es viele und die Liste der Referenzen ist lang. Beim neuen Heizkraftwerk in Bautzen war die Obag genauso beteiligt wie beim Bau des Kornmarkthauses. 135 Personen gehören inzwischen zum Stammpersonal. Zudem ist das Unternehmen auch auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Bauleiter wie Erik Fleischer werden gesucht, aber auch Maurer, Stahlbetonbauer und Baumaschinenführer.

Einige Herausforderungen gemeistert

Zurück zu Erik Fleischer und der Reise seines Lebens. Bei seinem letzten Besuch wurde die Baugrube gerade ausgehoben. Wie bei jeder anderen Baustelle sprach Fleischer vor Ort mit den Firmen über den Zeitplan und die Kosten. Doch er merkte schnell, dass die Chinesen anders ticken. „Mit Englisch kommt man dort nicht weit“, sagt er. Ein Übersetzer musste helfen. Und auch die Traditionen lernte der junge Mann, der ursprünglich aus Königswartha stammt, schnell kennen. „Wenn dort zum Beispiel Drachenfest ist, geht zwei Wochen lang gar nichts“, sagt er.

Inzwischen steht der Rohbau des Hauses. Für Erik Fleischer Grund genug, jetzt erneut nach China zu reisen. Ein bisschen aufgeregt ist er schon. „Wenn zum Beispiel alles aussieht, wie Kraut und Rüben, dann muss ich erst einmal die Baustelle aufräumen lassen“, sagt er. Und dann ist da noch das Wetter. An das tropische Klima, da ist sich der junge Bauleiter sicher, wird er sich erst wieder langsam gewöhnen müssen.

Doch Erik Fleischer ist keiner, der sich von Problemen die Laune verderben lässt. Schließlich hat er in seinem Leben schon einige Herausforderungen gemeistert. Eigentlich ist er gelernter Tischler. Doch ihm war klar, dass er in diesem Beruf nicht alt werden will. Um voranzukommen, holte er erst das Abitur nach, studierte dann Bauingenieurwesen in Cottbus. „Von 44 Studenten haben am Ende acht den Abschluss geschafft“, sagt er. Wem Uni-Stress und schwere Prüfungen nicht aus der Ruhe bringen, der bleibt auch cool, wenn er plötzlich nur noch chinesisch versteht.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. HochmutAkademischerEinfalt

    "..„Von 44 Studenten haben am Ende acht den Abschluss geschafft“, sagt er. ..." -Von den 8 Absolventen arbeitet jetzt mindestens einer in Sachsen. Und wieviele Bauingenieure unter den Absolventen des BTU Jahrgangs arbeiten später in Brandenburg und verteilen sich nicht auf die anderen 15 Bundesländer? Hat Brandenburg noch eine Technische Universität? Wenn die BTU so elitär ist, warum hat dann nicht Herr Platzeck eine Abordnung zum BER hingeschickt? Von dem eingesparten Geld hätten Sie gleich noch eine Technische Universität von Weltrang gründen können! Und dann wollen die Sachsen/Brandenburger den Chinesen zeigen, wie man baut? Hat Europa nicht schon genug Arbeitsplatzabbau und Produktionsstättenverlagerung erlaubt? Glauben die Leute wirklich, dass sie China im Bereich Bauen(kopieren europäische Altstädte; haben zahlreiche architektonische Superlative) etwas beibringen können? Wir können froh sein, wenn die Chinesen mit dem Projekt Seidenstraße nicht unsere Heimatmärkte zerstören!!!

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