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Samstag, 07.10.2017

Ein Patzer kostet den Titel

Seit 18 Jahren hat kein Europäer mehr die Mehrkampf-Krone bei Turn-Weltmeisterschaften gewonnen. Ein Russe vergab in Montreal die große Chance.

Von Frank Thomas

Fast-Weltmeister Dawid Beljawski ist traurig.
Fast-Weltmeister Dawid Beljawski ist traurig.

© PICHETT/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Als Dawid Beljawski den sicher geglaubten Titel bei der Turn-WM mit seinem Sturz vom Reck verschenkte, kamen doch wieder die Asiaten zum Zuge. Xiao Ruoteng aus China hat sich in Montreal mit 86,933 Punkten zum Nachfolger des großen Kohei Uchimura zum Mehrkampf-Champion gekrönt. Serien-Weltmeister „King Kohei“, der alle wichtigen Mehrkämpfe seit 2009 beherrscht hatte und sechsmal in Serie den WM-Titel gewann, war wegen einer Fußverletzung im Vorkampf nicht in der Lage, seine Serie auszubauen.

Nur eine Nebenrolle spielte der deutsche Vizemeister Philipp Herder, der bei seinem Debüt in einem WM-Finale eine Lehrstunde erhielt. Obwohl er an vier Geräten stabiler turnte als in der Qualifikation, kam der 24-jährige Physik-Student mit 80,166 Zählern nicht über Platz 18 hinaus. Dabei hatte er nach seinem Sturz am Sprung sogar Schlimmeres befürchtet. „Wenn du auf Platz 22 landest, wird das bitter“, meinte der Berliner, der am Ende mit seiner Vorstellung aber noch ganz zufrieden war: „Ich habe mich wieder gefangen.“

Verwunderung hatte er nach dem Vorkampf ausgelöst, als er behauptete, die Platzierung zwischen 4 und 24 sei eigentlich egal. „Das hat er nur etwas flapsig gesagt. Natürlich kämpfen wir um jeden Platz“, stellte sein Heimtrainer Robert Hirsch, der Sohn von Cheftrainer Andreas Hirsch, klar. „Aber natürlich ist er Realist und weiß, dass er mit der Weltelite noch nicht mithalten kann. Wenn er den Sprung steht, ist er gleich vier Plätze weiter vorn.“

Hirschs Vater hob die enorme Qualität des spannenden Wettkampfes mit ständig wechselnden Spitzenreitern hervor. „Alles bleibt in asiatischer Hand. Meine russischen Kollegen verstehen gerade die Welt nicht mehr“, schilderte Andreas Hirsch. Der Russe Beljawski musste seine Übung am Reck schließlich nur durchturnen, und der erste Sieg eines Russen nach 18 Jahren hätte die asiatische Dominanz erschüttert. Doch der Ex-Europameister patzte, schüttelte nach dem Absturz immer wieder den Kopf und konnte sein Missgeschick auch Minuten später noch nicht begreifen.

(dpa)

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