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Mittwoch, 06.12.2017 Kommentar

Ein notwendiger Fehler

SZ-Politikredakteur Gunnar Saft über die Verbeamtung von Lehrern in Sachsen

Gunnar Saft
Gunnar Saft

© Robert Michael

Der Beamtenstatus in Deutschland gehört zu Recht auf den Prüfstand. Da ist zunächst die sehr große Zahl an Staatsdienern, die mittlerweile damit bedacht werden, ohne dass sie alle tatsächlich hoheitliche Aufgaben wie bei der Polizei oder in der Justiz wahrnehmen - auch Lehrer müssen heute nicht verbeamtet sein, um ihr Wissen erfolgreich an ihre Schüler zu vermitteln. Der Beamtenstatus ist zudem für viele Bundesländer ein akutes finanzielles Problem, weil die Last der im Vergleich zur Rente üppig ausgestatteten Beamtenpensionen immer schwerer zu stemmen ist.

Den Beamtenstatus nun auch in Sachsen auf einen Teil der Lehrer auszuweiten, ist daher eigentlich ein Fehler. Im aktuellen Fall leider aber ein notwendiger. Weil außer Berlin alle anderen Bundesländer an ihren verbeamteten Lehrern ungebrochen festhalten, steht der Freistaat in Zeiten einer akuten Personalnot an den Schulen weiter im Abseits. Er kann den Pädagogen bislang nicht bieten, womit sie anderswo gezielt umworben werden. Am Ende entscheiden sich die meisten Anwärter gegen einen Job an einer sächsischen Schule.

Genau das könnte sich aber deutlich ändern, wenn künftig auch hierzulande jene Konditionen gelten wie fast überall in der Bundesrepublik. Dass dieser Versuch zunächst auf fünf Jahre begrenzt wird, geht in Ordnung. Damit bleibt genug Zeit, um die größten Personallücken im freistaatlichen Bildungssystem zu schließen. Oder den Testlauf doch wieder rechtzeitig abzubrechen, wenn man merken sollte, dass die Lehrer-Verbeamtung nicht hält, was man sich von ihr verspricht.

>>> E-Mail an Gunnar Saft

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