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Samstag, 30.12.2017

Ein letztes Bier bei Egon

Die alte Schmiede war 22 Jahre Großsedlitz’ kleine Kneipe. Nun wird sie fehlen. Wirt Egon und seine Frau genießen das Alter.

Von Heike Sabel

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Das letzte Bierchen in seiner kleinen Kneipe: Egon Fraulob war 22 Jahre der Wirt der alten Schmiede in Großsedlitz. In der wird es nach vielen Feiern und Stammtischrunden nun still.
Das letzte Bierchen in seiner kleinen Kneipe: Egon Fraulob war 22 Jahre der Wirt der alten Schmiede in Großsedlitz. In der wird es nach vielen Feiern und Stammtischrunden nun still.

© Daniel Schäfer

Zu Pfingsten 1995 eröffneten Ingrid und Egon Fraulob ihre Gaststätte.
Zu Pfingsten 1995 eröffneten Ingrid und Egon Fraulob ihre Gaststätte.

© privat

Heidenau. Der Gast hat sich so zu verhalten, dass der Wirt zufrieden ist.“ Der Spruch hängt über einer Eckbank in der alten Schmiede. Er war mal ein Geschenk eines Gastes, sagt Wirt Egon Fraulob. Er war zufrieden mit seinen Gästen und die wohl mit ihm. Trotzdem ist nun Schluss. Der 30. Dezember ist der letzte Tag. Nach reichlich 22  Jahren.

Pfingsten 1995 haben Ingrid und Egon Fraulob ihre kleine Gaststätte in der alten Großsedlitzer Schmiede eröffnet. Nach der Wende wollten der Autoschlosser und die Köchin noch mal was Neues machen. Die Schmiede stand schon seit den 1950er-Jahren leer. Egon Fraulobs Mutter stammt aus Großsedlitz, er zog 1979 in den Ort, gilt aber trotzdem noch immer als Zugezogener. So ist das eben auf dem Dorf, was Großsedlitz trotz des Schlosses ist.

Eigentlich wollten Fraulobs ein Café eröffnen. Es wurde die kleine Kneipe, die jedes Dorf braucht und von denen es immer weniger gibt. Bei Fraulobs haben sich August der Starke und sein Gefolge gestärkt und die Großsedlitzer Originale mittwochs am Stammtisch über Gott und die Welt gequatscht. Sie haben Spitznamen wie Pinguin und der Stumme. „Der Christian ist der Christian, der hat keinen Spitznamen.“ Egon Fraulob könnte so manche Geschichte über die Großsedlitzer Originale erzählen. Doch er ist diskret, nur sein Lächeln verrät ihn.

Es wurde viel gefeiert bei uns, sagt er. Hochzeiten und Beerdigungen, Geburtstage und Jubiläen. Dazu kamen die Gäste aus dem Barockgarten. Als der im Winter noch offen hatte, hatte auch die Schmiede volles Haus. Auf elf großen Tafeln zeigen Fotos die Höhepunkte aus 22 Jahren. Auf manchen ist auch Egon Fraulob zu sehen. Zum Beispiel am Zapfhahn. „Das ist, als der Fraulob noch Kneiper war“, sagt der Wirt über den Wirt.

Sterne von den Gästen



Die 25 Jahre vollzumachen, war keine Option, sagt Egon Fraulob. Er sei nun Rentner und da sei es gut. „Das ist der Lauf der Dinge“, sagt er und lacht. Es ist ein Lachen, in das sich ein bisschen Nachdenklichkeit mischt. Klar, die Kneipe werde fehlen. Ihm und wohl vor allem Großsedlitz. Die treuen Gäste haben sich schon verabschiedet. Da die Fraulobs in Großsedlitz wohnen, wird die Verabschiedung wohl noch eine Weile weitergehen.

Manch einer hat gefragt, ob er nicht doch weitermachen wolle. Doch ein Jahr mehr oder weniger würde wohl nichts dran ändern, dass niemand die Schmiede übernehmen wolle. Es gab zwar Interessenten, doch es scheiterte an der Wohnung im Objekt. Zwar gibt es über der Gaststube einen Raum, aber der ist zu klein. Zudem sei es zu zweit gut gegangen. Allein wäre es schwer, für mehr als zwei auch. Nicht zuletzt müsste nun nach über zwei Jahrzehnten mal investiert werden.

Die Einrichtung ist wie das Essen: beständig, bürgerlich, gemütlich. Die Gäste haben es so beschrieben: „Hier liegt der Schwerpunkt auf dem Essen, weniger auf die Einrichtung. Gemütliche kleine Gaststätte mit Liebe zum Detail.“ – „Gutbürgerliche Speisen, sehr zu empfehlen.“ – „Eine kleine feine Gaststätte mit ‚Großer Küche‘ und Bestpreisgarantie. Jedem nur wärmstens zu empfehlen.“ – „Sauber, ordentlich und sehr angenehme Wirtsleute.“ Und ein Gast schrieb im Internet: „Ein freundlicher Egon.“ Da freut sich der Wirt und wundert sich. „Obwohl wir gar nicht im Internet sind, haben wir dort 4,7 von fünf möglichen Sternen.“ Für ihn „die Grenze des Machbaren.“

Am Freitag wurde noch mal Geburtstag gefeiert in der Alten Schmiede, die Gorknitzer Fußballer kamen auf ein letztes Bier. Im Schrank hinterm Tresen stehen zehn halbvolle Flaschen Worchester-Soße. Daneben liegen die Speisekarten. Alles wie immer. Nur der Visitenkartenhalter ist leer. Das war’s dann. „Es war schon alles gut“, sagt Egon Fraulob. Das Allerbeste bleibt ihm. „Meine Frau ist die beste Köchin der Welt.“