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Donnerstag, 12.10.2017

Ein Leben mit Alexa

Digitale Sprachassistenten sind aus dem Alltag bald nicht mehr wegzudenken. Doch die Technik hat Schwächen.

Von Tanja Tricarico

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Amazons Sprachassistent Alexa weiß auf fast alles eine Antwort. Vorausgesetzt, ihre Nutzer nuscheln nicht.
Amazons Sprachassistent Alexa weiß auf fast alles eine Antwort. Vorausgesetzt, ihre Nutzer nuscheln nicht.

© imago/zuma press

Wer eine Wohnung sucht, braucht gute Nerven, viel Geduld – und Alexa. Das glauben zumindest die Anbieter von Immobilienportalen. In welcher Stadt wollen wir wohnen? Wie viel darf die Wohnung kosten? Wie groß soll sie sein? Gefüttert mit diesen Informationen macht sich der digitale Sprachassistent von Amazon auf die Suche nach den besten Angeboten. Alexa legt ein Suchprofil für den Nutzer an und stellt die Liste zur Verfügung.

Im Laufe des Oktobers soll die Anwendung über das Immobilienportal Immowelt möglich sein. Das Unternehmen will damit einen neuen Kanal für die Wohnungssuche anbieten, aber auch auf einen Trend aufspringen. „Smart Home ist längst keine Zukunftsmusik mehr und die Sprachassistenten sind Teil davon“, sagt Jan-Carl Mehles von Immowelt. Der intelligente Computer, der die Technik steuert, war vor einigen Jahren noch Science-Fiction – und ist heute selbstverständlich. „Welche Anwendungen und Geräte sich am Massenmarkt durchsetzen, wird sich zeigen“, so Mehles.

In den USA sind Alexa, Siri oder der Google Assistent längst fester Bestandteil im Alltag. In Deutschland hinken die Nutzer noch hinterher. Doch auch hierzulande werden sie keine Spielerei für Technik-Fans bleiben. „Sprache ist die natürliche Kommunikationsform des Menschen. Jeder nimmt digitale Unterstützung gerne an“, sagt Robert Spanheimer vom Branchenverband Bitkom.

Die Technologie soll uns das Leben erleichtern, zum Beispiel bei der Steuerung der Haustechnik, beim Kochen, bei der Urlaubsplanung, bei der Freizeitgestaltung. „Überall dort, wo wir einen kurzen Befehl oder eine Frage loswerden wollen und die Antwort unmittelbar brauchen, springen die Assistenten ein“, sagt der Experte für Smart-Home-Anwendungen. Es geht aber nicht nur um die Lösung für ein Problem, die dann aus dem Off im Raum präsentiert wird. Zutaten für das Sushi-Rezept werden automatisch auf dem Tablet angezeigt. Die Liste der Kinos für den Film am Samstagabend kann sich der Nutzer auf dem Smartphone speichern.

Jetzt kommt es auf die Qualität der Anwendungen an, darauf, was die digitalen Sprachassistenten eigentlich können. „Je besser die Anwendungen sind und je weniger man lernen muss, desto stärker werden sie auch im Alltag angenommen.“ Spanheimer vergleicht die Entwicklung der digitalen Sprachassistenten mit dem Smartphone. Ohne kommen die meisten heute nicht mehr aus. Es geht längst nicht mehr nur ums Telefonieren oder darum, Nachrichten zu versenden oder Fotos zu machen. Termine werden über das Smartphone verwaltet, die Gesundheit mit Apps gefördert, das Auto durch den Stadtverkehr geleitet. Die Geräte sind im Alltag angekommen.

Alexa ist keine Wundermaschine und versteht auch nur das, was sie kann. Derzeit kursiert im Netz ein Video, in dem ein kleines Kind verzweifelt versucht, Alexa dazu zu bringen, ihr Lieblings-Kinderlied zu spielen. Doch so sehr sich das Mädchen abmüht – Alexa erfüllt ihren Wunsch nicht. „Unfälle“ wie diese gibt es etliche. Undeutliche Aussprache oder unklare Anweisungen lassen auch die digitalen Assistenten scheitern.

Server stehen in den USA

Mit konkreten Marktdaten hält sich Amazon bedeckt. Weder zu Verkaufszahlen noch zur Umsatzentwicklung macht das Unternehmen Angaben. Aber dass die Geschäfte vermutlich gut laufen, daraus machen Experten keinen Hehl. Das zeigen nicht zuletzt die vielen technischen Verbesserungen und die neuen Anwendungen, die Amazon auf den Markt wirft. Erst vor Kurzem wurden mehrere neue Alexa-fähige Geräte vorgestellt. So wurden etwa die vernetzten Echo-Lautsprecher überarbeitet. Zudem kommt in wenigen Wochen der Echo-Show auf den deutschen Markt. Mit dem Gerät kann man per Video telefonieren, sich Fotos anzeigen lassen und die Haustechnik steuern. Zudem sollen Nutzer künftig per Sprachbefehl an Alexa Telefonanrufe führen können. Eine Neuerung sind auch sogenannte Routinen-Schaltungen. Über den Befehl „Gute Nacht“ können Nutzer das Licht löschen, den Fernseher abschalten oder die Tür verriegeln.

Um die Anforderungen der Nutzer zu erfüllen, brauchen Alexa, Siri und Co. jede Menge Daten. Die holen sie sich aus dem Netz. Datenschutz ist vor allem auch für die deutschen Nutzer ein Thema. Die Sorge vor dem Missbrauch der Informationen, von der Weitergabe persönlicher Daten an Dritte ist groß. Die Geräte sind mit Servern in den USA verbunden. Welche Daten abgegriffen werden könnten und wo diese landen, kann keiner genau sagen. Amazon beteuert, dass niemals Kundendaten freigeben würden, ohne dass eine gültige, rechtlich verbindliche Anforderung erlassen und an das Unternehmen übermittelt wurde. Auch ungewollte Überwachung ist kaum möglich. Die Echo-Geräte verwenden eine sogenannte Keyword-Spotting-Technologie. Damit wird das Aktivierungswort für das Gerät erkannt. Sobald dies geschieht, leuchtet der Lichtring am Gerät blau. Er zeigt dem Kunden, dass das Gerät nun Audioaufnahmen in die Cloud sendet. „Der Nutzer hat also einen klaren visuellen Indikator, wann aufgezeichnet wird. Wir geben Kunden die volle Kontrolle über Äußerungen“, heißt es aus dem Unternehmen. Zudem kann man jede Äußerung, die mit dem Kundenkonto verknüpft ist, einsehen und löschen.

Verbraucherschützer verfolgen die Entwicklung der digitalen Sprachassistenten kritisch. Vor allem den Umgang mit sensiblen Daten. Die Informationen kommen nicht nur dem Nutzer zugute, sondern sind auch für Gesundheitsunternehmen, für Versicherungen, für Banken, für etliche andere Dienstleister interessant. „Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Daten auch an Dritte weitergegeben werden könnten“, sagt Julian Graf von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Umso heikler ist die Frage: Wann dürfen Alexa und Co. zuhören und sich einmischen? Die Assistenten haben eine Standby-Funktion und schalten sich nicht automatisch ab. „Sie warten auf ein bestimmtes Schlüsselwort und starten dann die Aufzeichnung“, sagt Graf. Das kann auch ohne direkte Aufforderung geschehen. Zum Beispiel, wenn der Fernseher läuft. Oder, wenn Freunde zu Besuch sind und mitten im Gespräch meldet sich Alexa zu Wort. „Das Gerät unterscheidet nicht nach Stimme, sondern nur nach bestimmten Worten“, sagt Graf. Über die „mute“-Taste lässt sich die Aufzeichnung verhindern. „Der Verbraucher hat eine hohe Eigenverantwortung bei der Nutzung der Geräte.“

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Leser-Kommentare

Insgesamt 10 Kommentare

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  1. Aleister Crowley

    "Über die mute-Taste lässt sich die Aufzeichnung verhindern." - Der war echt gut!

  2. E.Benheiter

    Wer braucht solchen Elektronikschrott? ...oder Kühlschränke, die automatisch Lebensmittel bestellen -oder mit dem Inteternet vernetzte Backröhren -oder, oder, oder...?

  3. Traditionalist

    Das brauchen die Leute, die sich von ihrer smartwatch, also Spinneruhr, sagen lassen müssen, dass sie jetzt - also genau jetzt - Sport machen müssen.

  4. Leser

    Ich gebe meinen Vor-Kommentatoren recht und trotzdem geht die Entwicklung weiter und wir haben irgendwann alle das Equipment im Haus stehen.

  5. Wiseman

    @1 Man kann den Netzwerkverkehr, der über den Router läuft wunderbar mitschneiden (Stichwort WireShark). Dabei kann man sehr leicht feststellen, dass die Echo-Geräte nur das Kommando, das unmittelbar nach dem Codewort gesagt wird übertragen. Was auch logisch ist, denn das Kommando muss ja ausgewertet werden, um die entsprechende, vom Nutzer gewünschte Reaktion zu erzeugen. Diese Auswertung kann aber nur in neuronalen Netzwerken erfolgen, deren Umfang ganze Serverfarmen umfasst. Also nix, was man sich einfach ins Wohnzimmer stellen kann. Im übrigen, sollten Sie oder die anderen Kritiker ein Smartphone oder Laptop besitzen, sollten Sie diese Geräte ganz schnell wegwerfen, denn auch diese sind mit Mikrophonen und sogar Kameras ausgestattet, die einfach per Softwarezugriff aktiviert werden können. Außerdem können die Geräte per GPS jederzeit den Standort des Nutzers erfassen. Das Smartphone ist deshalb sogar besser als Wanze geeignet als die Echo-Geräte, da der Nutzer es ständig dabei hat.

  6. ronny

    Die Daten die mit diesen Gadgets gesammelt werden werden irgendwann genutzt. Und dann mit Sicherheit nicht zum Vorteil der User. Kein Unternehmen gibt riesige Summen für die Forschung und Entwicklung aus um die anfallenden Datenmengen später nicht zu verscherbeln. Wenn der Gesetzgeber verbindliche Gesetze zum Schutz der Kunden vor den negativen Folgen der Datensammelwut erlässt und diese mit entsprechend empfindlichen Strafandrohungen bei Mißbrauch hinterlegt dann können wir darüber reden das wir alle irgendwann das Equipment im Haus stehen haben. Ich gehe davon aus die diejenigen, die sich heute mit all diesen Wanzen eindecken weil sie ja so technikaffin und hip sind, die erstens sein werden die nach dem Gesetzgeber schreien wenn die Daten zu ihrem Nachteil eingesetzt werden oder durch Datenlecks und Fehlfunktionen ein Schaden entsteht.

  7. Wiseman

    @6: Dann hoffe ich, Sie sind so konsequent und nutzen auch kein Smartphone, denn dieses ist die perfekte Wanze, und nach Möglichkeit auch kein modernes Notebook, und bei modernen Autos müssen Sie ebenfalls deren Nutzung ablehnen. Überall sind Mikrophone und teils Kameras sowie GPS-Sender verbaut, die von den Herstellern per Fernzugriff angesteuert werden können und bei denen der Nutzer nie sicher sein kann, ob das softwareseitige Abschalten (per lustiger Animation auf dem Bildschirm in Form eines Schiebereglers oder Aus-Knopfes) tatsächlich auch funktioniert und dauerhaft ist. Technisch ist es überhaupt kein Problem, diese Gerätebestandteile per Fernzugriff jederzeit ohne Wissen des Nutzers zu aktivieren. Die von Ihnen angeprangerte Sammelwut ist natürlich ein schwerwiegendes Problem, aber das fing doch nicht erst bei den jetzt in Mode kommenden smarten Lautsprechern an. Daher finde ich die damit verbundene Hysterie der Leute lächerlich.

  8. ronny

    @7: Mit den Notebooks und Smartphones gebe ich ihnen recht und bin mir der Problematik durchaus bewusst. Ja, ich habe ein Android-Smartphone. Facebookaccount habe ich nicht, Whatsapp, Twitter, Snapchat und wie sie alle heißen mögen auch nicht. Googlekonto läuft auch keins darauf und die Ortungsfunktion bzw. GPS ist gesperrt. Wlan und mobile Daten werden nur eingeschalten wenn ich sie brauche. Ich weiß das ist kein 100%iger Schutz, aber ich bin damit relativ auf der sicheren Seite. Und ein kleines bisschen im Rahmen der Möglichkeiten auf seine persönlichen Daten zu achten hat nichts mit Hysterie zu tun. Das Problem was ich sehe sind die Leute die sich darüber keinen Gedanken machen und natürlich "nichts zu verbergen haben". Diese Leute sind mit dran Schuld wenn die Datensammelwut immer weiter um sich greift und letztendlich zum Standart wird. Das geht bei Whatsapp los. Keiner meiner Bekannten, Freunde, Kollegen hat gefragt ob er meine Daten übertragen darf. Abgenickt habens alle.

  9. Aleister Crowley

    @Wisemann: Keine Angst, ich kenne die Funktionalitäten. Ich wollte einfach nur sagen, dass der Mute-Button natürlich kein Schalter ist, sondern softwaregesteuert ist und damit "manipulierbar". Auch ich besitze keine "Wanze" Smartphone.

  10. E.Benheiter

    Besitze nichts von diesem 1984-Überwachungs-NSA-Datensammel-"Equipment", # 7 & bin nicht der Meinung, daß mir irgend etwas fehlt. Mein Auto stammt aus Zeiten, als man noch mehr selbst reparieren konnte, als unter akrobatischsten Übungen nur mal den Ölstand kontrollieren zu können & selbst zum Glühlampenwechsel eine Werkstatt aufsuchen muß, die Laptpop-Cam ist abgeklebt, WLAN wird nur wenn benötigt zugeschaltet. Ansonsten bin ich bei @ ronny: "Smart"phone: never; Fratzenbuch, Twitter e.t.c: never; usw., usf. Die Gefahr stellt tatsächlich das Klientel dar, welches sich darum keine Gedanken macht & "öffentlich lebt".

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