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Dienstag, 21.03.2017

Ein Haus für junge Flüchtlinge

Seit fast einem Jahr betreut die Produktionsschule minderjährige Flüchtlinge. Die können nun bald ihr Ausweichquartier verlassen.

Von Ines Scholze-Luft

Lässt sich alles ordentlich benutzen. David Meis (re), Geschäftsführer der Produktionsschule Moritzburg, begutachtet mit Einrichtungsleiter Frank Köhler eines der Zimmer im fertig sanierten Gebäude auf dem Gelände des Diakonenhauses, in dem die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge untergebracht werden, die jetzt noch auf dem Campus der evangelischen Hochschule wohnen.
Lässt sich alles ordentlich benutzen. David Meis (re), Geschäftsführer der Produktionsschule Moritzburg, begutachtet mit Einrichtungsleiter Frank Köhler eines der Zimmer im fertig sanierten Gebäude auf dem Gelände des Diakonenhauses, in dem die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge untergebracht werden, die jetzt noch auf dem Campus der evangelischen Hochschule wohnen.

© Norbert Millauer

Moritzburg. Nur noch wenige Tage – dann können sie umziehen. Die jungen Flüchtlinge, die bisher in einem Haus auf dem Campus der evangelischen Hochschule in Moritzburg wohnen. Das freut auch David Meis, Geschäftsführer der Moritzburger Produktionsschule gGmbH. Denn die betreut die jungen Leute, die seit Ende April vergangenen Jahres in der Gemeinde leben.

Weil der Platz in der Hochschule für die Studenten gebraucht wird und auf maximal zwölf Personen begrenzt ist, wird ein Haus auf dem Gelände des Diakonenhauses saniert. Das sollte zwar schon zum Jahresende fertig sein, hat sich nun aber noch mal ein Vierteljahr verzögert. Aus rein baulichen Gründen, unter anderem wegen des Brandschutzes, sagt David Meis.

Nun ist er sicher, dass die Vorbereitungen in den letzten Zügen liegen. Das Bauamt muss noch prüfen, ob die Abnahme möglich ist, aber in etwa zwei Wochen könne der Umzug starten in das Gebäude, dessen Ausbau 100-prozentig gefördert wird.

Platz sei dort für 20 Jugendliche, hatte es zu Beginn geheißen. Letztlich zeigte sich, dass die baulichen Voraussetzungen nur 18 Plätze zulassen, so David Meis.

Derzeit kümmern sich die Mitarbeiter der Produktionsschule um zwölf sogenannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, 15 bis 18 Jahre, aus Afghanistan, Syrien und Eritrea. Das Kreisjugendamt – es regelt die Vormundschaft – hat signalisiert, dass der Bedarf weiter da ist.

2015 hatte das Amt in der Produktionsschule angefragt, ob sie eine solche Betreuung übernehmen würde. Für die Einrichtung, einst gegründet, um benachteiligte deutsche Jugendliche zu fördern, eine spannende Aufgabe, sagt David Meis. Auch, weil es da nicht um verhaltensproblematische junge Leute aus der Erziehungshilfe geht, sondern um junge Menschen, die eine gewisse Selbstständigkeit mitbringen und an die Gesellschaft, an die Kultur herangeführt werden müssen.

Eine Herausforderung liegt Meis zufolge bei dem, was sich neben Schule und Freizeitgestaltung ergibt. Da geht es vor allem um Gänge zu den Ämtern wegen bestimmter Verfahren und zum Arzt. Deshalb läuft die Betreuung nachmittags und abends in Doppelbesetzung. Ein Betreuer ist vor Ort, beaufsichtigt die Hausaufgaben, spielt auch mal Fußball mit, der ist auf den Wegen zu Amt und Arzt dabei. Für diese Aufgaben gilt derselbe Rahmen wie bei der Jugendhilfe für die Deutschen, sowohl beim Geld als auch beim Personal.

Für Letzteres sucht David Meis immer noch Verstärkung. Sozialarbeiter, Erzieher, Heilpädagogen. Das sei nicht einfach, das Wort Schichtdienst würde mancher nicht gern hören. Doch nicht nur personelle Unterstützung wird gebraucht. Wer auf irgendeine Art helfen will – vielleicht mit gesponserten Eintrittskarten –, der kann über die Produktionsschule nachfragen.

Natürlich gehen die jungen Flüchtlinge auch in die Schule. Schließlich gibt es die Schulpflicht. Bis zum 18. Lebensjahr. Für die Produktionsschule ist das Thema Bildung aus einem weiteren Grund besonders wichtig. Läuft dort doch ein Schulprojekt für Jugendliche mit Migrationshintergrund. Als Modellvorhaben vom Kultus und in Kooperation mit dem Flüchtlingsrat. Für junge Menschen, die eigentlich keinen Hauptschulabschluss machen könnten, weil sie zu spät nach Deutschland gekommen sind.

In Moritzburg betrifft das 32 Jugendliche in zwei Klassen. Sie werden auf den Hauptschulabschluss vorbereitet, absolvieren die Prüfungen an einer regulären Schule. Haben dafür zwei Jahre Zeit. Sie bringen die Grundalphabetisierung mit, werden in kleinen Klassen – 16 Schüler – unterrichtet, intensiv sozialpädagogisch begleitet. Deutsch als Zweitsprache gilt als Schwerpunkt in allen Fächern. Was nützt es, wenn ein Schüler bestimmte Formeln beherrscht, das Fachvokabular aber nicht versteht, nicht weiß, was gefragt ist beispielsweise beim Wort Volumen, sagt David Meis. Seine Lehrer bringen nicht nur Kenntnisse in Deutsch als Zweitsprache mit, sondern auch in mehreren Fächern.

Wissen und Erfahrungen aus dieser Arbeit würden die Moritzburger gern an andere Flüchtlinge weitergeben, an die über 18-Jährigen. Sie fallen nicht mehr unter die Schulpflicht, haben eigentlich keine Chance auf Bildung. Etwa 4 000 junge Leute, rund ein Viertel von denen, die vermutlich tatsächlich in Sachsen sind, würde das betreffen. Zuständigkeiten und Geld für ein solches Beschulungsprojekt sollten schnell geklärt werden, sagt David Meis. Das hat jüngst eine Konferenz des Flüchtlingsrats deutlich gemacht. Weil die jungen Leute sonst vielleicht wegziehen, quasi irgendwo verschwinden und dann noch mehr Menschen für prekäre Jobs bereitstehen.

Kontakt für Hilfsangebote über Einrichtungsleiter Frank Köhler, koehler@ps-moritzburg.de