• Einstellungen
Freitag, 19.05.2017

Ein Hauch von Tour de France

Von kurz bis lang, durch den Wald oder in die Berge: Beim Radfahrtag in Kurort Hartha kann jeder mitmachen.

Von Annett Heyse

Der Radfahrtag am 20. Mai

Frisch gesprüht: Bernd Militzer organisiert das Fahrrad-Event am Wochenende. Wie jedes Jahr darf natürlich die traditionelle Markierung des Radteams Tharandter Wald vor der Grundschule in Kurort Hartha nicht fehlen.
Frisch gesprüht: Bernd Militzer organisiert das Fahrrad-Event am Wochenende. Wie jedes Jahr darf natürlich die traditionelle Markierung des Radteams Tharandter Wald vor der Grundschule in Kurort Hartha nicht fehlen.

© Karl-Ludwig Oberthür

Tharandter Wald. Akribisch legt Bernd Militzer die Schablone genau dorthin, wo noch die Farbreste vom vergangenen Jahr zu sehen sind. Dann greift er nach einer Sprühdose und kurze Zeit später leuchtet auf der Straße vor der Grundschule im Kurort Hartha der Schriftzug „Radteam Tharandter Wald“. Dazwischen ist ein Radfahrer zu sehen, der sich sportlich in die Kurve legt. Militzer nimmt die Schablone weg. „Zum ersten Mal haben wir die bei einer Tour de France am Alpe d’Huez benutzt“, erzählt er.

Um den legendären Berggipfel, der schon Etappenankunft etlicher Frankreich-Rundfahrten war, wird es am Sonnabend nicht gehen, dafür hat das Radteam Tharandter Wald für Hobbyradler bis Amateursportler acht Strecken ausgeschildert, für die es sich lohnt, auf den Sattel zu steigen. Die kürzeste Variante führt 20 Kilometer durch den Tharandter Wald, die längste Strecke über den Erzgebirgskamm bis nach Tschechien – und heißt Erztaler Marathon. Erwartet werden zwischen 600 und 800 Teilnehmer. Die Strecken sind allerdings nicht extra abgesperrt, sondern die Teilnehmer rollen im normalen Verkehr mit. Sechs Verpflegungsstellen sind eingerichtet, mindestens eine pro Strecke. Da soll es natürlich auch wieder die legendären Nutella-Bananenbrötchen geben.

Der Radfahrtag am 20. Mai

1 von 4

Start und Ziel aller Touren ist an der Grundschule im Kurort Hartha. Die zwei längsten Touren starten 7Uhr, die anderen zeitversetzt ab 9Uhr.

Anmeldungen für Kurzentschlossene sind noch am 20.Mai ab 7Uhr am Start möglich.

Alle Touren sind für jedermann. Jeder Teilnehmer erhält eine Startnummer, es besteht Helmpflicht.

Für die Kleinsten findet ab 15Uhr wieder die Friedensfahrt statt.

www.radteam-tharandterwald.de

Seit einem halben Jahr planen Bernd Militzer und seine Mitstreiter den Radfahrtag. Die 80 Mitglieder, die Hälfte davon Kinder und Jugendliche, zählende Abteilung der Sportgemeinschaft Kurort Hartha ist im Umkreis fast die einzige Initiative, die sich noch in vollem Umfang dem Radsport widmet. „Als wir uns 1999 gründeten, gab es noch weitere Vereine, zum Beispiel in Klingenberg. Aber nur wir sind übriggeblieben“, sagt Militzer.

Er selbst ist von Anfang an mit dabei und so ein typisch Radsportbegeisterter. Im Keller hat der 47-Jährige gleich vier Räder für verschiedene Einsatzbereiche stehen: zwei Rennräder, ein Mountainbike sowie ein Trekkingrad. Natürlich ist er zur Vorbereitung einige Strecken abgefahren, auch die 220-Kilometer-Strecke. Was ist für Bernd Militzer das Faszinierende am Radfahren? „Die Gedanken sind frei“, sagt er. Dazu komme, dass man körperlich aktiv an der frischen Luft sei.

Und Radfahren wird immer beliebter. 2,6 Milliarden Euro setzte die Industrie im vergangenen Jahr mit dem Verkauf von Rädern und Zubehör um, mehr als in den Jahren zuvor. In deutschen Haushalten gibt es mehr Fahrräder als Autos – 73 Millionen Stück, Tendenz steigend. Einen Schub gab es mit der Einführung der E-Bikes. „Jetzt steigen auch wieder Leute aufs Rad, denen es bisher zu anstrengend war“, freut sich Militzer. Extra für die E-Biker – und für alle anderen – gibt es am Sonnabend auch eine eigene Strecke, 40 Kilometer lang.

Dass das Radfahren immer mehr Zuspruch findet, hat für den Tharandter zwei Hauptgründe. „Die Leute sind gesundheitsbewusster geworden, und viele fahren auch im Alltag mehr Rad, weil die Unzufriedenheit über den vielen Autoverkehr steigt.“ Deshalb wünscht sich Bernd Militzer eine bessere Infrastruktur. Es müsse bei Straßenbauprojekten viel mehr auf das Thema Fahrrad geachtet werden. Im Freitaler Poisental zum Beispiel zeige sich derzeit, wie es nicht gehen solle. „Da wird die Straße saniert, neue Fußwege werden rechts und links gebaut, aber an einen Radweg hat keiner gedacht.“ Mehr Investitionen in Radwege würden sich lohnen.

Desktopversion des Artikels