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Donnerstag, 12.10.2017

Ein Funken Hoffnung

Die Zirkusfamilie Endres hatte in den letzten Wochen viel Pech. Jetzt hofft sie auf ein gutes Gastspiel in Bischofswerda.

Von Nicole Preuß

Der Circus Magic ist nach dem verhängnisvollen Gastspiel in Neukirch, wo ein Wohnwagen abbrannte, wieder in der Region. Die Zirkusfamilie hat ihr Zelt auf dem Festplatz am Goldbacher Weg in Bischofswerda aufgebaut. Dort haben Jeffry und Kamel Ali an diesem Donnerstag 16 Uhr ihren ersten Auftritt.
Der Circus Magic ist nach dem verhängnisvollen Gastspiel in Neukirch, wo ein Wohnwagen abbrannte, wieder in der Region. Die Zirkusfamilie hat ihr Zelt auf dem Festplatz am Goldbacher Weg in Bischofswerda aufgebaut. Dort haben Jeffry und Kamel Ali an diesem Donnerstag 16 Uhr ihren ersten Auftritt.

© Steffen Unger

Bischofswerda. Der Weg war weit, doch die Kilometer waren es Samuel Endres wert. Der Familienvater und Unternehmer hat am Mittwochvormittag einen gebrauchten Wohnwagen aus der Nähe von Potsdam nach Bischofswerda geholt. „Ich war 6,5 Stunden auf der Autobahn, stand in einem langen Stau, doch ich bin glücklich, überhaupt einen bezahlbaren Wohnwagen für die Kinder gefunden zu haben“, sagt er. Das alte Wohnmobil war vor sechs Wochen in Neukirch in Flammen aufgegangen (SZ berichtete). Die Kinder im Alter von zehn bis 20 Jahren schauten damals zum Glück im Wohnwagen der Eltern fern. Die Kostüme für die Vorstellungen und die Wintersachen der Kinder verbrannten aber mit dem Fahrzeug innerhalb von nur wenigen Minuten. Eine Viertel Stunde nachdem das Feuer entdeckt worden war, konnte die Feuerwehr nur noch die Reste ablöschen.

Der Schicksalsschlag bewegte Anfang September viele in der Region. Etliche Neukircher spendeten für die Familie, manche brachten auch Wintersachen. 3 600 Euro kamen innerhalb von wenigen Tagen zusammen. Die Neukircher Kirchgemeinde sammelte allein in zwei Gottesdiensten 820 Euro für den Zirkus. Das Geld konnte allerdings den Verlust nicht ausgleichen. Eine Versicherung sprang nicht ein, weil die Familie nur eine Haftpflichtpolice abgeschlossen hat. 15 000 Euro gingen der Familie durch den Brand verloren, schätzt der Familienvater. Die maßgeschneiderten Kostüme waren allein 5 000 Euro wert.

Der Tierdresseur musste deshalb einige Zeit suchen, um einen geeigneten Wohnwagen zu finden. Die zwei Kinder der Familie, die normalerweise den Wagen nutzten, schliefen in der Zwischenzeit im kleinen Wohnmobil ihrer zwei Geschwister. „Der Wohnwagen ist nicht grad groß. Da blieb nicht viel Platz für jeden“, sagt der 20-jährige Jeffry. Sein Vater stöberte deshalb immer wieder im Internet. „Durch einen Zufall fand ich dann ein Wohnmobil für einen vernünftigen Preis. Der Anhänger ist alt, aber trocken und der Ofen geht. Das war wichtig für mich“, sagt der 48-Jährige. „Schließlich war die Wohnsituation für uns schon eine Katastrophe.“

Zirkus seit Generationen

Samuel Endres und seine Familie blieben nach dem Brand eine Woche länger in Neukirch, um alles zu regeln. Dann brachten sie ihre Wagen nach Kirschau und tourten schließlich weiter durchs Oberland. Jetzt sind sie in die Region zurückgekehrt. Sie haben das Zirkuszelt auf dem Festplatz am Goldbacher Weg in Bischofswerda aufgestellt und ihre Kamele, Ziegen, Hühner, Pferde und schottische Hochlandrinder natürlich mitgebracht. Gerade die Rinder sind der ganze Stolz der Familie. „Die hat nicht jeder Zirkus“, sagt Sohn Jeffry.

Die Endres, die eigentlich südlich von Berlin Zuhause sind, touren schon seit Generationen mit verschiedenen Zirkussen durch das Bundesgebiet. Vor zehn Jahren gründeten Samuel Endres und seine Frau den Circus Magic. Vater Samuel übernimmt vor allem die Tierdressuren, Mutter Isabel und die Kinder haben sich auf die Artistik spezialisiert, sie jonglieren, laufen übers Seil, zeigen kunstvolle Sprünge oder bringen die Leute als Clowns zum Lachen. Sohn Jeffry ist Mister Magic, der mit Zaubernummern und Comedy für Staunen sorgt. Die Familie hatte schon einmal großes Pech, 2015 nicht weit entfernt bei einem Gastspiel in Lübben. Damals brachen Diebe während einer Vorstellung in den größten Wohnwagen ein und stahlen das gesamte Ersparte der Familie. „Die Diebe sind bis heute nicht gefasst, das Verfahren wurde eingestellt“, sagt Samuel Endres. Doch die Zirkusleute machten weiter.

Der Brand in Neukirch reißt wieder ein Loch in die Familienkasse. Die Spenden konnten zwar gut in das Wohnmobil investiert werden, sie reichten dafür aber nicht aus. Die Zirkusfamilie hat ausgeholfen, sie versorgte die Familie auch wieder mit Kostümen. Manches musste auch gekauft werden. „Seit zwei Wochen haben wir nun wieder für alle Nummern Kostüme“, sagt Jeffry Endres. Er allein zieht sich pro Vorstellung fünf mal um. „Die Leute erwarten das auch, sie wollen gute Kostüme sehen, sie haben schließlich dafür bezahlt.“

Familienfreundliches Programm

Das Feuer blieb aber nicht der einzige Zwischenfall in der Region. Ende September hatten die Endres wieder Pech in Sohland. Ein Landwirt war sauer, weil die Familie ihre Zelte in der falschen Ecke aufgebaut hatte und raste angetrunken mit seinem Pick-Up auf den Zirkusdirektor zu. „Wir verlassen die Region irgendwann eher mit gemischten Gefühlen. Einerseits sind wir dankbar, dass uns die Leute so geholfen haben. Andererseits ist uns hier so viel Schlechtes wiederfahren“, sagt Samuel Endres. „Wir hoffen, dass wir jetzt langsam mal das Pech hinter uns haben.“

Die Saison war zudem nicht so gut. Die Einnahmen reichten geradeso, um die Pacht für die Flächen zu zahlen und mit Familie und Tieren über die Runden zu kommen. Die Familie hofft, noch einen Standort über Weihnachten zu bekommen. Das könnte zusätzliche Einnahmen bringen. Darüber hinaus hat sie ein familienfreundliches Programm für Bischofswerda vorbereitet. „Die Leute können uns gern unterstützen, indem sie unsere Vorstellung besuchen“, sagt Samuel Endres. Eines aber schließt die gesamte Familie aus: aufzuhören. „Es muss weitergehen“, sagt der Sohn Jeffry. „Unterkriegen lassen wir uns nicht.“