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Freitag, 15.12.2017

Ein Ende kann ein Anfang sein

Selten ist die Grenze zwischen

Bildquelle: 889520/pixabay
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Ende und Anfang so fließend wie im Falle einer Unternehmensnachfolge für Ingenieurbüros: Was das Aufhören für den übergebenden Unternehmer darstellt, bedeutet oftmals das Anfangen für den existenzgründenden Nachfolger. Doch auch nirgendwo liegen Chance und Risiko so eng beieinander, handelt es sich doch um einen sehr komplexen und langandauernden Vorgang. Dabei spielen nicht nur die umfangreichen betriebswirtschaftlichen und finanziellen Aspekte eine Rolle. Was für den einen die Finanzierung und damit meistens eine große Hürde der Kaufpreisbeschaffung darstellt, bedeutet für den anderen oftmals die finanzielle Sicherung seines Lebensabends in Form einer Altersvorsorge.

Doch oftmals finden sich die wahren Befindlichkeiten und damit nicht selten die größten Stolpersteine außerhalb der rationalen und monetären Faktoren. Zahlreiche der in Sachsen aktiven Ingenieurbüros sind in den 1990-er Jahren gegründet worden und die damaligen Existenzgründer folglich die heutigen Übergeber bei der Unternehmensnachfolge. Und damit ergibt sich für die freiberuflichen Ingenieure auch schon rein rechnerisch eine Zeitspanne, die teilweise auf mehr als die Hälfte der beruflichen Tätigkeit zurückblicken lässt. Damit stellt das Erreichte nicht nur eine Altersvorsorge dar, sondern darüber hinaus auch ein selbst erschaffenes Lebenswerk. Folglich ist dem Übergeber an einer weiteren guten Entwicklung des Unternehmens gelegen, und das in einem Übergabeprozess so wichtige „Loslassen“ oftmals nicht so einfach möglich. Und doch sind es genau diese Veränderungsprozesse, die sich aus einer gewissen über die Jahre gewachsenen Betriebsblindheit ergeben haben und die für den Erwerber wichtig sind umzusetzen. Demgegenüber steht eine notwendige Unterstützung des Übergebers für den nachfolgenden Inhaber des Ingenieurbüros, der insbesondere auf die Kontakte und den Erfahrungsschatz des Übergebenden angewiesen ist. Ansonsten würde sich nämlich der durch verschiedene Wertermittlungsmethoden berechnete Kaufpreis des Unternehmens als nicht werthaltig erweisen. Oftmals kauft man nicht nur den reinen Substanzwert des Ingenieurbüros - dieser entspricht dem Aktivvermögen abzüglich des Fremdkapitals - sondern man erwirbt quasi erhoffte zukünftige Aufträge mit, die sich aus dem Bekanntheitsgrad und der bisherigen Reputation des Ingenieurbüros ergeben können. Damit ist folglich die Übergabe und Einführung des neuen Inhabers nicht als kurzfristiger Prozess, sondern eher als langfristige Begleitung zu sehen. Genau hier liegt auch die Erfolgsquote für Unternehmensnachfolgen in Sachsen, die langfristig geplant und begleitet immer erfolgreicher dastehen als kurzfristige Schnellschüsse.

Seitens der Volkswirtschaft besteht übrigens großes Interesse an einer Fortführung von Ingenieurbüros. Dieses drückt sich in umfangreichen Förderangeboten für Übergeber und Übernehmer aus, die sich von Beratungsförderungen über attraktive Zinsangebote bei Gründerdarlehen bis hin zu öffentlichen Beteiligungen gestalten. Beispielhafte Programme sind hier die Gründungsberatung der SAB oder die Beratungsförderung des BAFA.

Das Finden eines geeigneten Nachfolgers stellt dabei mit die größte Herausforderung dar. Ein geeigneter Gründer kann sich in Familie, Belegschaft oder über ein Nachfolgeportal finden lassen (bspw. nexxt-change). „Doch auch hier sollte rechtzeitig geplant und „der Neue“ frühzeitig im Unternehmen eingeführt werden“, sagt Heinrich Leuschner von der BERGMEYSTER Unternehmensberatung aus Dresden.

Eine weitere Möglichkeit der Fortführung besteht in der Übernahme des eigenen Büros durch ein bereits bestehendes Ingenieurbüro. Dieser Vorgang bietet letztlich für beide Seiten eine gewaltige Chance: Durch die Übernahme des Personalstammes zur Sicherung des Unternehmens-KnowHows werden Markt- und Wettbewerbsvorteile gewonnen. Das bietet für den Übernehmer die Möglichkeit für ein erfolgreiches Unternehmenswachstum und für den Übergeber ein gutes Gefühl, das Lebenswerk in erfahrenen Händen zu wissen. Für eine Existenzgründung in den Ingenieurberufen grundlegende Informationen bieten die Ingenieurkammer Sachsen und der Verein Existenzgründung Freie Berufe Sachsen e.V.

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