• Einstellungen
Dienstag, 12.09.2017

Edelmetall mit Präzision in Form gebracht

Die Firma Schirrock in Weißwasser arbeitet für Goldschmiede in ganz Deutschland. Als Uhrenwerkstatt fing alles an.

Von Constanze Knappe

Bild 1 von 2

Feingefühl und viel Liebe zum Detail braucht ein Goldschmied. Robert Schirrock, Meister seines Handwerks, könnte sich keinen anderen Beruf vorstellen. Darüber möchte er zum Tag der offenen Tür mit Kunden ins Gespräch kommen.
Feingefühl und viel Liebe zum Detail braucht ein Goldschmied. Robert Schirrock, Meister seines Handwerks, könnte sich keinen anderen Beruf vorstellen. Darüber möchte er zum Tag der offenen Tür mit Kunden ins Gespräch kommen.

© Joachim Rehle

Verkäuferin Christine Bollfraß berät die Kunden, denn schöner Schmuck und eine schöne Uhr ergänzen sich. Sie hilft dabei, den passenden Stil zu finden.
Verkäuferin Christine Bollfraß berät die Kunden, denn schöner Schmuck und eine schöne Uhr ergänzen sich. Sie hilft dabei, den passenden Stil zu finden.

© Joachim Rehle

Seine Lieblinge immer bei sich tragen, eine Fotogravur auf Edelmetall macht es möglich. Wie so etwas entsteht, das kann man sich am 23. September bei Uhren und Schmuck Schirrock in Weißwasser anschauen, wenn die Goldschmiede von 10 bis 15 Uhr einen Einblick in ihre Arbeit geben. Das Unternehmen ist eins von fünf in der Region, die sich an einer gemeinsamen Aktion mit der Sächsischen Zeitung, dem Tag der offenen Türen, beteiligen. Die wenigsten Kunden werden wissen, dass sich in dem Haus an der Bautzener Straße 56 über drei Etagen gleich drei Werkstätten befinden: Uhrmacher-, Goldschmiede- und Gravurwerkstatt. Das Unternehmen aus Weißwasser ist für seine Qualitätsarbeit in der Branche anerkannt, arbeitet für Juweliere und Uhrmacher in ganz Deutschland, die keine eigenen Werkstätten haben, liefert seine Fotogravuren auch nach Österreich. „Mit diesem Einblick in die Arbeit bauen Kunden eine ganz andere Beziehung zu den Firmen vor Ort auf“, ist Hartmut Schirrock überzeugt. Er freut sich auf viele interessante Gespräche.

Im Jahre 1979 hatte sich der Uhrmachermeister selbstständig gemacht. Sein eigenes Unternehmen war zunächst ein reiner Reparaturbetrieb für Uhren mit sechs Arbeitsplätzen. Der Handel mit Uhren wurde ihm seinerzeit verwehrt. Die Warendecke sei zu gering, um einen weiteren Laden eröffnen zu können, so die Begründung. Soll heißen, weil HO und Konsum selber etwas verkaufen wollten, hatte er das Nachsehen. Mit der Wende kam er beinahe über Nacht in die Verlegenheit, selbst Handel zu betreiben. „Reparieren lassen wollte keiner mehr etwas, es gab ja Uhren schon für fünf Mark“, erinnert er sich. Für ihn als Uhrmachermeister eröffneten sich völlig neue Welten. Wer hatte sich hierzulande vorher groß mit Schaufenstergestaltung beschäftigt, um nur ein Beispiel zu nennen. 1992 begrüßte er die ersten Kunden in einer Filiale am Standort des heutigen Toom-Baumarkts in Weißwasser, die es aber nicht mehr gibt, und ein Jahr später in einem weiteren Laden in Cottbus. Die beiden Verkäuferinnen dort inbegriffen, hat das Unternehmen derzeit neun Mitarbeiter.

Seit einiger Zeit, so hat er beobachtet, fängt es an, wieder zu kippen. Das Handwerk wird zunehmend mehr beachtet. Zum einen, weil wieder mehr Menschen die alten mechanischen Uhren zu schätzen wissen, mancher sogar eine vererbt bekommt. Und zum anderen gibt es weniger Uhrmacher, weil Geschäfte schließen, die keine Nachfolger finden. „Das Handwerk erlebt eine Renaissance“, ist sich Hartmut Schirrock sicher. Das gelte ebenso für Goldschmiede. Sie reparieren Schmuck oder fertigen neuen an. Und gar nicht so selten bringt sich jemand aus einem fernen Land einen schönen Stein mit und lässt ihn als Urlaubsandenken in Edelmetall fassen.

Vor vier Jahren übergab Hartmut Schirrock das Unternehmen seinem Sohn Robert, der Goldschmiedemeister ist und in der Meisterprüfungskommission der Handwerkskammer Dresden mitarbeitet. Nicht erst seitdem ist die Lehrausbildung ein Thema. Fachverkäuferinnen und Uhrmacher haben bei Schirrocks die ersten Schritte in ihren Beruf erlernt. Für die nächsten Jahre wäre eine Option, mal einen Goldschmied auszubilden, so Robert Schirrock. Auch wenn es in der Wahrnehmung der Kunden verschwimmt, weil Schmuck und eine schöne Uhr sich ergänzen und in vielen Läden beides angeboten wird, handelt es sich bei Uhrmacher und Goldschmied um zwei grundverschiedene Berufe.

Robert Schirrock plant eine bessere Vernetzung von Online- und Offline-Handel. Es gebe bereits einen Internet-Shop für Kollegen, der für Endverbraucher soll noch ausgebaut werden. Darin werden aber nur bestimmte Produkte erhältlich sein. „Die Kunden informieren sich erst einmal im Internet“, so Hartmut Schirrock. Für viele sei der Kauf von Schmuck aber nach wie vor eine Vertrauenssache. Sie möchten trotz allem nicht auf das Einkaufserlebnis vor Ort verzichten. Nachdem man im Netz nach neuesten Trends Ausschau gehalten hat, geht man lieber in den Laden in der Stadt, um anfassen und probieren zu können.

Anliegen aller Beteiligten ist es, mit der Aktion am 23. September den Standort Weißwasser zu stärken, Kompetenz und Innovation des heimischen Handwerks vorzustellen. Überdies möchte Familie Schirrock auch Kunden aus Niesky und Umgebung neugierig machen. Wegen der politischen Grenzen sei es historisch so gewachsen, dass sie zum Einkaufen nach Görlitz oder Bautzen fahren, besondere Waren oder Dienstleistungen, etwa eine Fotogravur, aber ebenso in Weißwasser erhalten.