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Dienstag, 10.10.2017

Dynamos Sternemacher

Christian Knoll organisiert die Nachwuchsarbeit – und erhält jetzt eine besondere Förderung.

Von Sven Geisler

Christian Knoll ist als stellvertretender Leiter in Dynamos Nachwuchsakademie auch dafür verantwortlich, dass es im Januar wieder Sterne gibt.
Christian Knoll ist als stellvertretender Leiter in Dynamos Nachwuchsakademie auch dafür verantwortlich, dass es im Januar wieder Sterne gibt.

© Christian Juppe

Wo und wie er seine Wochenenden verbringt, darüber muss Christian Knoll vorerst nicht nachdenken. Er studiert. Sportmanagement an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Dabei wird der 28-Jährige finanziell von höchster Stelle unterstützt: mit einem Stipendium vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Höhe von 13 000 Euro für die zwei Jahre. In einem anspruchsvollen Auswahlverfahren hat er sich gegen zehn Bewerber durchgesetzt, wobei ihm sicher auch seine praktischen Erfahrungen geholfen haben.

Seit fünf Jahren arbeitet der in Niederbayern aufgewachsene Knoll bei Dynamo in Dresden, anfangs als Praktikant in der Pressestelle, jetzt als Koordinator in der Nachwuchsakademie. „Ich hatte Bayern ein bisschen satt“, erklärt er seinen Umzug nach Sachsen. Bereut hat er ihn noch keine Sekunde. „Die Stadt ist unglaublich, eine der schönsten überhaupt. Viele Touristen kommen hierher, um Urlaub zu machen, und ich wohne hier.“

Nun ist er jedoch nicht allein wegen der Sehenswürdigkeiten in Dresden, sondern vor allem wegen der beruflichen Aufgabe. Knoll hat es bei Dynamo weit gebracht, sein Verantwortungsbereich umfasst die gesamte Organisation der Talenteförderung von der U11 bis zur U19 sowie strategische Themen wie die Einführung einer Software. Durch die werden alle Daten der Nachwuchsspieler gespeichert – sowohl die trainingsspezifischen als auch die schulischen. Die Jungs wollen zwar Fußball-Profis werden, aber nicht alle können das schaffen. Deshalb ist die Entwicklung der Persönlichkeit mindestens genauso wichtig wie das Passspiel mit dem Ball.

Dynamo ist seit ein paar Jahren dabei, zu alter Stärke zurückzufinden. Die Dresdner Fußballschule brachte einst fast jedes Jahr Nationalspieler hervor. Doch nach der politischen Wende hatten im Verein erst Leute das Sagen, die lieber an Transfers verdienen wollten, dann fehlte tatsächlich das Geld. Inzwischen investiert der Klub jährlich mehr als 1,8 Millionen Euro in seine Zukunft. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) überwies in den vergangenen drei Jahren zudem insgesamt 375 000 Euro – für drei Sterne. Die hatte Dynamo bei der Überprüfung 2015 erhalten. Knoll soll als Projektleiter für die Zertifizierung mit dafür sorgen, diesen Status im Januar zu behaupten.

Ein hoher Anspruch, wie er sagt. „Die Anforderungen wurden extrem aufgestockt.“ Eines von knapp 800 Kriterien ist beispielsweise eine eigene Spielstätte für den Nachwuchs mit 2 000 Plätzen. Das Heinz-Steyer-Stadion kommt zwar infrage, wird aber auch von anderen genutzt. Ein weiterer Knackpunkt ist die Durchlässigkeit, besser müsste es Nachhaltigkeit heißen. Denn dafür zählen Spieler, die in der ersten und zweiten Liga spielen. In diesem Punkt hat Dynamo erheblichen Aufholbedarf. Während beispielsweise Bayer Leverkusen mehr als 50 Profis nachweisen kann, kommen die Dresdner kaum auf zehn, wobei sogar Bayern-Oldie Tom Starke noch dazu zählt, der den Verein 1999 verlassen hat.

„Das ist ein Prozess“, sagt Knoll, selbst Hobby-Fußballer, -Tennisspieler und -Skifahrer. „Man darf nicht vergessen, dass der Nachwuchs lange Zeit nicht den nötigen Stellenwert hatte.“ Das hat sich mit Sportvorstand Ralf Minge und Jan Seifert, seit März 2014 Leiter der Nachwuchsakademie, geändert. Zurück zu den Wurzeln. Dynamo hält Ausschau nach begabten Kindern in der Region. „Es bringt nichts, für die jüngsten Jahrgänge schon Spieler von außerhalb zu holen“, betont Knoll.

Er hat in München Sportwissenschaft studiert und macht nun berufsbegleitend den Master in Jena. Minge hat ihm dafür sofort die Freigabe erteilt, zumal es ein Studiengang für Führungskräfte ist. Von Betriebswirtschaftslehre über Marketing bis zu Budgetplanung wird für den Verein nützliches Wissen vermittelt. Christian Knoll wird nun mehr Fachbücher lesen als Krimis und Thriller, mit denen er gut abschalten kann. „Man kann ja nicht 24 Stunden am Tag nur über Fußball nachdenken“, sagt er. Nur noch selten kommt er dazu, selber zu spielen in der Soccerarena.

Was er nach den zwei Studienjahren macht, davon hat er eine Idee, ohne dass er darüber bereits redet. Nur so viel: Knoll sieht für sich eine Zukunft bei Dynamo. Einzige Bedingung: „Ich muss immer mit Spaß und Freude zur Arbeit gehen können und wissen, man kann etwas bewegen.“ Das Potenzial dafür ist bei der SGD jedenfalls noch lange nicht ausgeschöpft.

Benoten Sie die Leistungen der Dynamo-Spieler in Heidenheim:

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