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Freitag, 11.08.2017

Dynamos spätes Glück

Der Zweitligist hat große Mühe gegen TuS Koblenz, gewinnt aber 3:2 – weil der Außenseiter einen Elfmeter verschießt.

Ausgleich für Dynamo: Erich Berko (2.v.r.) reagiert am schnellsten und erzielt das Tor zum zwischenzeitlichen 1:1 im Zwickauer Stadion.
Ausgleich für Dynamo: Erich Berko (2.v.r.) reagiert am schnellsten und erzielt das Tor zum zwischenzeitlichen 1:1 im Zwickauer Stadion.

© Robert Michael

Am Ende ging ja doch noch alles gut in diesem so viel diskutierten DFB-Pokalspiel, zumindest für Dynamo Dresden. Ein Ausweichstadion wurde im nahen Zwickau gefunden, weil bei Gegner TuS Koblenz gebaut wird. Und nach frühem Rückstand und spätem Ausgleich setzte sich der große Favorit am Freitagabend durch.

Die Pokalbegegnung Dresden-Koblenz

3:2 gewannen die Dresdner diese Auswärtspartie bei Heimspielatmosphäre und zogen in die zweite Runde ein. Und natürlich machte sich die vergleichsweise kurze Anreise auch bezahlt: Rund 320 000 Euro spült das Weiterkommen in die Kasse. Dafür kann man schon mal nach Zwickau fahren und einen Regionalligisten weitgehend souverän besiegen.

Anders als die Koblenzer, die bereits am Donnerstag zum Heimspiel nach Zwickau aufbrachen, startete Dynamo erst am Spieltagsvormittag. Statt weit über hundert Kilometer bis ins Rheinland-Pfälzische mussten schließlich nur 125 Kilometer zurückgelegt werden. Mit Sicherheit ein Vorteil. Und es dürfte auch kein Nachteil gewesen sein, dass sich die Unterstützung von den Tribünen wie ein Heimspiel anfühlte. Gut 5 000 der insgesamt 6 300 Zuschauer im Stadion waren als Schwarz-Gelbe zu identifizieren – und damit deutlich in der Überzahl gegenüber den rund 300 aus Koblenz.

Für deren kostengünstige Anreise hatten wiederum die Dresdner Fans gesammelt. Über 4 000 Euro von rund 200 Spendern sind am Ende zusammengekommen. Und mancher hat darüber hinaus sogar das heimische Sofa als Schlafplatz angeboten.

Auf dem Spielfeld machte sich der Unterschied natürlich auch bemerkbar, wenn der Vorjahresfünfte der zweiten Liga auf den Regionalliga-Achten trifft. 80 Prozent Ballbesitz hatte der Favorit, dazu 90 Prozent erfolgreicher Pässe. Lediglich bei den Zweikämpfen konnte Koblenz mit rund 46 Prozent gewonnener Duelle einigermaßen mithalten. Nur waren einzig diese Zahlen aus Dynamo-Sicht zufriedenstellend – jedenfalls bis zur Pause. Schlimmer noch: Diesen 1:1-Zwischenstand hatten sich die Außenseiter durchaus verdient. Und das nicht nur, weil es auch nach Pfostentreffern 1:1 stand (Lucas Röser für Dynamo/36. sowie Dejan Bozic/42.).

Das Dynamo-Zeugnis: Torwart steht im Fokus

1 von 13

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Markus Schubert: Note 2: Kassiert ein frühes Gegentor, an dem er nicht schuld ist. Das zweite leitet er durch einen schlechten Abschlag ein. Hält den Elfmeter überragend.

Fabian Müller: Note 3: Erledigt mit großer Routine unaufgeregt seine Aufgabe. Fällt nicht ab, aber auch nicht auf. Eine solide Partie des Kreuzer-Ersatzes.

Sören Gonther: Note 3: Hält sich aus vielen Zweikämpfen raus, weil er die Situation schon vorher klärt. Trotz der beiden Gegentreffer nicht wirklich gefordert.

Florian Ballas: Note 5: Macht beim 0:1 eine unglückliche Figur. Lässt sich auch vor dem 2:2 vernaschen und verursacht noch dazu den Strafstoß.

Philip Heise: Note 2: Schaltet er sich in die Offensive ein, wird es fast immer gefährlich. Sein direkter verwandelter Freistoß ist mehr als sehenswert.

Manuel Konrad: Note 4: Hat seine liebe Mühe mit den bissig kämpfenden Koblenzern. Sieht nicht immer glücklich aus. Sein Schuss geht drüber (70.).

Sascha Horvath: Note 2: Quirlig und nur schwer vom Ball zu trennen, weil er ihn ganz eng am Fuß führt. Bereitet den Ausgleich vor. Auffälligster bei Dynamo.

Aias Aosman: Note 3: Vergibt bei einem Konter eine Großchance kläglich (62.). Macht es kurz vor dem Ende besser, sein Schuss zum 3:2 sitzt.

Patrick Möschl: Note 4: Wieder viel unterwegs, aber nicht so effektiv wie zuletzt. Dribbelt sich mitunter fest. Pech bei seinem Schlenzer (75.).

Erich Berko: Note 3: Versucht viel, riskiert manches – und wird dafür mit dem Treffer zum 1:1 belohnt. Hätte sogar ein zweites Tor erzielen können.

Lucas Röser: Note 3: Hat Pech bei seinem abgefälschten Pfostentreffer (36.). Bleibt in seinem dritten Spiel zum ersten Mal ohne Treffer.

Nicht zu bewerten: Eero Markkanen, Marco Hartmann und Rico Benatelli. (SZ/dk)

Ob das auch an den Umstellungen lag?

Trainer Uwe Neuhaus hatte wie angekündigt einige Veränderungen in der Startformation vorgenommen, unter anderem im Tor. Markus Schubert, Dynamos gerade erst 19-jähriges Torwarttalent, bekam seine zweite Einsatzchance bei den Profis. Bei der Drittliga-Nullnummer am 28. November 2015 gegen Münster feierte er sein Punktspiel-Debüt, nun also im Pokal. Sein erstes Gegentor überhaupt im Profifußball kassierte Schubert schließlich ebenfalls, und das bereits in der sechsten Minute.

Nach einem weiten Einwurf herrschte Durcheinander im Dresdner Strafraum, und plötzlich stand Bozic allein vorm Tor. Gekonnt sorgte er für die unerwartete, vielumjubelte Führung. Schubert war ebenso überrascht wie chancenlos.

Ein kleines Debüt erlebten außer dem Torwart auch Fabian Müller, Aias Aosman, Florian Ballas sowie Sascha Horvath – alle zum ersten Mal in der Anfangself. Für sie auf der Bank im Vergleich zum Liga-2:2 am Montag bei St. Pauli: Niklas Kreuzer, Rico Benatelli, Jannik Müller und Marco Hartmann. Der Kapitän hatte seine Wadenprobleme noch nicht gänzlich überwunden.

Oder anders formuliert: Neuhaus wollte kein unnötiges Risiko eingehen, gegen Viertligist Koblenz sollte es auch so gehen. Gewarnt hatte er seine Mannschaft sicherheitshalber trotzdem: „Wenn wir die Aufgabe nicht ernst nehmen, wird es sehr schwer für uns.“

Der Außenseiter macht mobil

Der schnelle Ausgleich durch Erich Berko, der in der elften Minute einen Pass von Horvath nur noch ins leere Tor einzuschieben brauchte, ließ solche Befürchtungen aber gar nicht erst aufkommen. Denn danach waren die Dresdner die spielbestimmende Mannschaft – doch torgefährliche Aktionen rar. Koblenz versuchte dagegen zu kontern, und oft genug blieb es beim Versuch. In der Defensive stand der Außenseiter jedoch weitgehend stabil. Petrik Sander, der TuS-Coach und langjähriger Spieler, Co- sowie Cheftrainer von Energie Cottbus, hatte seine Mannschaft exzellent eingestellt.

So war das auch in der zweiten Hälfte, mit zwei Unterschieden: Das schnelle Tor erzielte diesmal Dynamo mit dem direkt verwandelten Freistoß von Philip Heise (49.), dagegen blieb Koblenz ohne nennenswerte Szene – bis zur 80. Minute. Dann war Dimitrios Popovits zur Stelle und traf zum 2:2. Das kam überraschend und war doch nur die Konsequenz aus Dresdens schlechter Chancenverwertung. Aosman, Röser und Möschl verpassten die Entscheidung.

Für die sorgte ausgerechnet Aosman, der am Montag noch öffentlich seinen Unmut über seine Nicht-Einwechslung zeigte. In der 84. Minute zirkelte er den Ball zum 3:2 ins Tor. Und dann war da noch Torwart Schubert, der nur eine Minute später einen Foulelfmeter von Andreas Glockner spektakulär mit dem Fuß abwehrte.

Wie haben Ihnen die Dynamo-Spieler gegen die TuS Koblenz gefallen?

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