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Donnerstag, 15.02.2018

Dynamos missliche Lage

Neues Jahr, altes Problem: Wieder muss der Trainer jede Woche seine Startelf ändern – das bleibt nicht ohne Folgen.

Von Sven Geisler

Sein Ausfall schmerzt Dynamo besonders: Haris Duljevic wurde für seinen Ausraster nach der Gelb-Roten Karte in Sandhausen gleich für drei Spiele gesperrt – und muss am Sonntag noch mal zuschauen.
Sein Ausfall schmerzt Dynamo besonders: Haris Duljevic wurde für seinen Ausraster nach der Gelb-Roten Karte in Sandhausen gleich für drei Spiele gesperrt – und muss am Sonntag noch mal zuschauen.

© Robert Michael

Es wäre eine plausible Erklärung – und sie ist nicht neu. Uwe Neuhaus wehrt trotzdem ab. „Wozu soll ich damit anfangen“, sagt der Dynamo-Trainer. Er kann das Personalproblem sowieso nicht ändern, sondern muss Lösungen finden. Allerdings hatte er vor der Weihnachtspause die permanenten Ausfälle als einen Grund für die Berg- und Talfahrt in dieser Zweitliga-Saison genannt. Nach dem Trainingslager im spanischen Marbella war er auch deshalb zuversichtlich, weil er bis auf die Langzeitverletzten Pascal Testroet und Sören Gonther alle Mann an Deck hatte.

Da galten die Kniebeschwerden von Torwart Marvin Schwäbe noch als harmlos. Doch die erwiesen sich als Meniskuseinriss, und pünktlich zum Punktspielstart verschärfte sich die Lage. Auch Kapitän Marco Hartmann fiel aus: erst wegen einer Muskelverhärtung im Oberschenkel, nun mit einer Innenbanddehnung im Knie. Hinzu kamen Sperren. „Wir sind ja keine Kloppertruppe“, meint Neuhaus, aber es sei normal, dass sich zu dem Zeitpunkt die Gelben Karten summieren. Zuerst sah Florian Ballas in Sandhausen die fünfte, gegen Bochum dann Niklas Kreuzer und Jannik Müller. Zudem hatte Haris Duljevic in Sandhausen Gelb-Rot gesehen, wurde aber nachträglich wegen Schiedsrichter-Beleidigung sogar für drei Spiele gesperrt. Der Bosnier fehlt darum auch noch am Sonntag im Heimspiel gegen Jahn Regensburg.

Neuhaus war also de facto jede Woche gezwungen, seine Startelf zu ändern. Dabei habe die kleine Serie von drei Siegen zum Ende der Hinrunde gezeigt, „dass wir – wenn alle Spieler gesund sind – eine Mannschaft haben, die auf dem Platz harmoniert und jeden schlagen kann“, wie er gesagt hatte. „Vorher mussten wir permanent wechseln, das ist nie gut.“ Die Räder hätten nicht mehr richtig ineinandergegriffen. „Erst hat der eine Fehler gemacht, dann der andere. Das war der Situation geschuldet“, erklärte Neuhaus die Unbeständigkeit vor der Winterpause.

Im neuen Jahr hat er nun die alten Probleme. In Fürth fehlten sieben Spieler, die Niederlage wollte er trotzdem nicht darauf schieben. „Ich hätte sie alle liebend gerne dabei, das geht aber nicht“, meint der Chefcoach. Besonders dünn war die Personaldecke in der Defensive, weshalb mit dem 18 Jahre jungen Toni Stelzer ein Innenverteidiger aus der A-Jugend zum Spieltagsaufgebot gehörte. Neuhaus vermeidet es aus gutem Grund, sich über die Lage zu beklagen, weil er damit die Spieler verunsichern könnte, die diese Lücken schließen sollen. „Ich bin nicht unzufrieden mit dem Personal, das ich habe“, sagt er stattdessen. „Alle, die auf dem Platz stehen, sind gefordert, die Situation zu meistern.“

Allerdings räumt er ein, man sehe an der Tabelle, dass das bisher nicht optimal geklappt hat. Deshalb ist es eine gute Nachricht, dass Schwäbe am Mittwochnachmittag nach fünf Wochen wieder ins Mannschaftstraining einsteigen konnte und für Sonntag außer Duljevic keiner gesperrt ist. Damit entspannt sich die Personalnot vor allem in der hinteren Reihe und Neuhaus hat für die Viererkette Alternativen. Er könnte sogar die gleiche Anfangsformation aufbieten, die gegen Bochum die Nervenprobe bestanden und 2:0 gewonnen hat.

Der „kleine Befreiungsschlag“, als den Neuhaus diesen Sieg eingeordnet hatte, ist schon wieder Makulatur und die Ausgangslage in etwa die gleiche wie davor. Der Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsplatz beträgt nur drei Punkte, zudem schieben sich die Mannschaften im unteren Tabellendrittel immer dichter zusammen. „Wir haben keinen Grund, mit gesenktem Kopf herumzulaufen“, betont Neuhaus nach der Niederlage in Fürth, aber: „Wir müssen uns der Situation bewusst sein – je eher, desto besser. Man kann sich nicht erst am Samstag damit beschäftigen, was am Sonntag auf einen zukommt.“

Wenn der Druck steigt, heißt es erst recht, die Ruhe zu bewahren und nicht hektisch zu werden. „Wir müssen damit umgehen und uns davon befreien“, sagt Neuhaus. „Wir werden den Weg weitergehen, weil er für mich der erfolgversprechende ist.“ Unter einer Bedingung: „Wir müssen unsere Torchancen verwerten.“ Unabhängig davon, wer sie hat.

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