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Freitag, 12.01.2018

Dynamos Kronprinz

Markus Schubert hat beide Testspiele im Trainingslager gehalten, bleibt aber Torwart Nummer zwei – vorerst.

Von Sven Geisler, Marbella

Hoch hinaus will Markus Schubert. Dynamos derzeit größtes Torwart-Talent könnte schon im Sommer zur Nummer eins aufsteigen.
Hoch hinaus will Markus Schubert. Dynamos derzeit größtes Torwart-Talent könnte schon im Sommer zur Nummer eins aufsteigen.

© Lutz Hentschel

Auf einmal rennt er weg, dabei hat das Training gerade erst begonnen. Doch Markus Schubert hat es am Donnerstagvormittag besonders eilig. Er hatte sich wohl mit einem Hähnchenspieß beim Abendessen den Magen verdorben. Ein Infekt, wie er gleich acht Spieler von Borussia Dortmund in Spanien erwischt hat, ist es aber nicht. Am Nachmittag war Schubert schon wieder dabei – und Dynamos Torhüter damit vollzählig. Auch Marvin Schwäbe kann nach einer Kniereizung wieder trainieren, als Vertreter fürs Training war der 17 Jahre junge Mika Schneider eingeflogen worden.

In der Torwart-Hierarchie dürfte es bei der bisherigen Rangfolge bleiben, in der Schubert so etwas ist wie der Kronprinz. Gefühlt ist er eine halbe Ewigkeit dabei, sein Profi-Debüt hat er bereits im November 2015 gegeben und in der 3. Liga gegen Preußen Münster zu Null gehalten. Damals war er 17 und so jung wie kein anderer Torwart in der Vereinsgeschichte zuvor. Jetzt ist er 19, Zeit für den nächsten Schritt, denn ohne Spielpraxis kann er sich nur bedingt weiterentwickeln.

Im Sommer steht bei Dynamo jedenfalls ein Torwartwechsel an. Schwäbe soll nach zwei Jahren zurück nach Hoffenheim und sich als Konkurrent von Oliver Baumann anbieten – oder verkauft werden. In dem Fall könnten die Dresdner wohl kaum mitbieten. Die Ausleihe war – das hat Sportchef Ralf Minge jetzt noch mal betont – nur durch das finanzielle Entgegenkommen seines Stammvereins möglich.

Es war der langfristige Plan, Schubert als künftigen Stammkeeper aufzubauen. Mit dieser Perspektive hat er als Jugendlicher ein lukratives Angebot von RB Leipzig ausgeschlagen. „Na klar muss ich Druck machen, das ist meine Aufgabe als Nummer zwei. Irgendwann möchte ich die Nummer eins sein“, sagt er. Irgendwann ist nicht ewig weit weg. In den bisherigen zwei Testspielen in Marbella hat Schubert gehalten, allerdings ausgerechnet gegen Wolfsburg weniger aufs Tor bekommen als gedacht. „Ich war in den Spielaufbau einbezogen“, meint er. Tatsächlich ist sein gutes Passspiel besonders auffällig, auch wenn er selber einschätzt: „Ich muss ab und zu schärfer auf die Außenverteidiger spielen.“ Gegen Bremens U 23 zeigte er eine herausragende Parade, ermöglichte aber mit seinem Stellungsfehler das Gegentor.

Licht und Schatten muss man jedem jungen Spieler zugestehen, erst recht einem Torwart. „Wenn Fehler passieren, passieren sie halt. Ich versuche, mein Ding zu machen.“ Wie groß das Vertrauen in seine Fähigkeiten ist, beweist die Tatsache, dass er bereits als Ersatzmann auf der Bank sitzt und nicht der acht Jahre ältere und um zehn Zweitligaspiele erfahrenere Patrick Wiegers. Es könnte also sein, dass Schubert plötzlich einsatzbereit sein muss. „Ich setze mich unter Druck, bleibe trotzdem entspannt“, sagt er – und fügt hinzu: „Für mich sind die wichtigsten Spiele die geilsten, und bis jetzt war ich dann immer voll da. Wenn es eine Herausforderung gibt, nehme ich die an.“

Mit dem Selbstbewusstsein strahlt er Ruhe aus, eine seiner Stärken. Die liegen in der Familie. Vater Tino stand beim Dorfhainer SV zwischen den Pfosten und war sein erster Trainer, Mutter Silvia war Torfrau im Handball, Tante Berit und der ältere Bruder Anthony auch im Fußball. Für Markus Schubert steht fest, dass er keinen Umweg gehen will, an einen Wechsel verschwendet er keinen Gedanken. „Das macht für mich keinen Sinn, ich sehe meinen Weg bei Dynamo.“

Und seine Chancen stehen gut, im Sommer den nächsten Schritt zu machen.

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