• Einstellungen
Donnerstag, 10.08.2017

Dynamos Fans machen von sich reden

Mit Boykott des Auswärtsspiels gegen St. Pauli protestieren die Ultras gegen die Vereinsspitze. Und sie sammeln Geld für die Fans von Pokalgegner Koblenz.

Von Tino Meyer

9

Gemeinsame Sache. Wenn es um Regelungen für Fußballfans geht, sind sich die Anhänger einig – bei St. Pauli genauso wie in Dresden.
Gemeinsame Sache. Wenn es um Regelungen für Fußballfans geht, sind sich die Anhänger einig – bei St. Pauli genauso wie in Dresden.

© Robert Michael

Dresden. Die Schnittmenge zwischen den Fans von Dynamo Dresden und denen des FC St. Pauli mag nicht die größte sein, in dem einen Punkt waren sie sich am Montagabend jedoch einig: Personalisierte Tickets – das geht gar nicht. Und so kam es noch vor dem Anpfiff zu verbalen Verbrüderungsszenen. „Voucherfreie Tickets“ stand auf einem Plakat im Fanblock der Gastgeber, ergänzt mit der regionale Note („Auch für Sucksen!“) und dem Adressaten für diese Art von Protest („Fußballmafia DFB“).

Dass auch die Dresdner mit der neuen Kartenverteilungsregelung für bestimmte Auswärtsspiele nicht einverstanden sind, war allein schon beim Blick in die Gäste-Block offenkundig. So viel freie Plätze wie im Millerntor-Stadion sind dort gewöhnlich nicht zu sehen. Gerade mal rund 700 Dynamo-Fans waren vor Ort – und davon die wenigsten aus Dresden. Fast 3 000 hätten es insgesamt sein können.

Eine Erklärung ist mit Sicherheit die auswärtsfanunfreundliche Anstoßzeit: Montag, 20.30 Uhr. Eine andere die Entfernung: knapp 500 Kilometer. Das muss man unter der Woche erst mal möglich machen. Den triftigsten Grund nannten die Ultras Dynamo am Tag danach: die neue Voucher-Regelung, mit dem der Verein auf die Vorkommnisse in der vergangenen Saison reagiert hat, insbesondere in Karlsruhe am 14. Mai. Damals marschierte die Football Army Dynamo im Badischen und erklärte dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) den Krieg. Zudem wurde der Einlass zum Stadion gestürmt und ein Catering-Stand geplündert.

Die Antwort des Vereins war daraufhin ein Neun-Punkte-Programm, das zum Beispiel den Verkauf personalisierter Tickets bzw. einer Voucher-Lösung bei bestimmten, sicherheitsrelevanten Auswärtsspielen festlegt – wie am Montag beim Hamburger Kiezklub. Danach schloss sich auch der DFB an, und einige von Dynamos Vereinsspitze getroffenen Maßnahmen flossen explizit in den vom Verband formulierten Auflagenkatalog ein.

Die Ablehnung der aktiven Fanszene, unter anderem der Ultras Dynamo, ließ nicht lange auf sich warten. Bereits bei der turnusmäßigen Zusammenkunft zwischen Fan- und Vereinsvertretern Ende Juli wurde heftig diskutiert - und beim ersten Auswärtsspiel nun auch reagiert. Man boykottierte die Partie, und die Ultras erklärten danach ihre Ablehnung des Voucher-Systems: „Personalisierte Tickets und Voucher sind für uns der absolute Schwachsinn. Die Sicherheit im Stadion wird damit nicht im geringsten erhöht. (…) Darauf haben wir keinen Bock“, heißt es in der Stellungnahme. Wie und in welchem Umfang man auf weitere Voucher-Spiele reagiere, werde situativ entschieden.

Bei der neuen Voucher-Regelung, die mindestens für die aktuelle Saison gilt, können Dynamos Fans für bestimmte Auswärtsspiele lediglich personalisierte Gutscheine erwerben, die dann am Stadion nach einer Vorkontrolle und unter Vorlage eines Lichtbildausweises gegen das Ticket eingetauscht werden müssen. Nur so ist der Eintritt in den Gäste-Fanblock möglich.

Für das nach Zwickau verlegte Pokalspiel am Freitag gegen Koblenz gilt die Regelung nicht. Für Aufmerksamkeit sorgen die Dresdner Fans dennoch. Sie sammelten Geld, um den Koblenzer Fans die Anreise nach Zwickau zu erleichtern. Rund 3 700 Euro kamen bislang zusammen, sodass der Dachverband der Koblenzer Fanclubs die Ticketpreise für alle Mitreisenden deutlich senken wird. Sogar Übernachtungsangebote für die Gäste-Fans, in deren Stadion wegen Bauarbeiten nicht gespielt werden kann, sind inzwischen in Koblenz eingetroffen.

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Seite 1 von 2

Insgesamt 9 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. die Susi

    vielleicht lags ja an den Voucher-Tickets das es ruhig geblieben ist. Wenn das aber der Weg ist den Fußballcaoten den Boden für ihre Auslegung von Fantum zu entziehen. Klare Botschaft, dann weiter so. In Hamburg hats funktioniert. Und wenn ihr Bengalohalter und Böllerwerfer nur noch zu Hause über "Sky" Fußball schauen könnt, Super Aussicht. Bleibt in Zukunft zu Hause oder ändert euch zum positiven. Irgendwann kriegen sie euch, auch ohne Danone...

  2. Tropoja

    @Susi: diesen Weg muss man weitergehen. Den Chaoten die Anonymität nehmen. Ich war am Montag im St. Pauli Block als 701. Dynamo Fan mit meinem Kollegen. Wie von mir Anfang der Woche schon kommentiert unter einem Dynamo Artikel, es war ein tolles Spiel, super Stimmung, ohne einen einzigen Böller oder Bengalos von beiden Fan Seiten. So muss es sein und nicht anders.

  3. Mitglied

    Wenn den Randalierern die Anonymität genommen wird, dann sehen wir, dass es auch mit dem Benehmen besser klappt. Ich bin schwer begeistert! Endlich mal ein taugliches Rezept, den Auswüchsen Herr zu werden. Und wer sich darüber aufregt, hat wohl irgendwas anderes vor als sich im Stadion und drumrum friedlich-stimmungsvoll aufzuführen. Welchen Grund gibt es dnen sonst, einfach mal seinen Ausweis vorzulegen??? Ultras scheinen ja doch die Keimzelle der und der Deckmantel für die Randalierer zu sein! Wenn DAS euer Anspruch istz,d ann bleibt bitte daheim. Es ist riesig schade, wenn damit außergewöhnliche Stimmung verloren geht. Aber es ist 10mal besser, ENDLICH aus den negative Schlagzeilen durch EUCH rauszukommen. Das Prozedere muss so nervig gemacht werden, dass es jedem Gästefan so zu Hals rauskommen, euch Ganoven weiter in der Gruppe zu decken, dass ihre endlich die Deckung verliert!

  4. Mitglied

    Wenn den Randalierern die Anonymität genommen wird, dann sehen wir, dass es auch mit dem Benehmen besser klappt. Ich bin schwer begeistert! Endlich mal ein taugliches Rezept, den Auswüchsen Herr zu werden. Und wer sich darüber aufregt, hat wohl irgendwas anderes vor als sich im Stadion und drumrum friedlich-stimmungsvoll aufzuführen. Welchen Grund gibt es dnen sonst, einfach mal seinen Ausweis vorzulegen??? Ultras scheinen ja doch die Keimzelle der und der Deckmantel für die Randalierer zu sein! Wenn DAS euer Anspruch istz,d ann bleibt bitte daheim. Es ist riesig schade, wenn damit außergewöhnliche Stimmung verloren geht. Aber es ist 10mal besser, ENDLICH aus den negative Schlagzeilen durch EUCH rauszukommen. Das Prozedere muss so nervig gemacht werden, dass es jedem Gästefan so zu Hals rauskommen, euch Ganoven weiter in der Gruppe zu decken, dass ihre endlich die Deckung verliert!

  5. SGD-Fan

    Stimme den Vorschreiben da völlig zu, wen es nur mit so einer Maßnahme geht, dann weiter so! Und das die Spieler "allein" wissen, wofür sie auf dem Platz sind, hat man ja gesehen. Bevor sich die Ultras da mit unkonkreten Äußerungen im Nachhinein abgeben, müssen sie sich die Frage gefallen lassen, warum man immer wieder Idioten im eigenen Block zugelassen, toleriert und gedeckt hat. Vielleicht tut es allen gut, wenn hier einfach mal die Emotionen ein ganzes Stück runtergefahren werden, dies gilt auch und ganz besonders für die Ultras. Und wenn die eine oder andere Choreo beim Heimspiel da jetzt wegfällt, kann ich auch gut mit leben.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 2

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.