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Donnerstag, 10.08.2017

„Dynamo soll sich warm anziehen“

Sagt Petrik Sander, Koblenz’ Trainer. Und der frühere Cottbuser Bundesliga-Coach erklärt, warum ihm das ganze Drumherum nervt.

Cottbus im April 2007. Soeben hat Petrik Sander mit Energie den Bundesliga-Klassenerhalt perfekt gemacht – mindestens eine kleine Überraschung. Ein halbes Jahr später wird der heute 56-Jährige entlassen.
Cottbus im April 2007. Soeben hat Petrik Sander mit Energie den Bundesliga-Klassenerhalt perfekt gemacht – mindestens eine kleine Überraschung. Ein halbes Jahr später wird der heute 56-Jährige entlassen.

© robert michael

Herr Sander, freuen Sie sich auf das Pokalspiel?

Wollen Sie das ernsthaft von mir wissen?

Schon. Es hat ja einige Diskussionen im Vorfeld gegeben und mit dem Umzug nach Zwickau nun auch gänzlich andere Vorzeichen. Dynamo hat ein Heimspiel, Ihre Mannschaft spielt auswärts…

Ich glaube, ich muss dazu nicht mehr sagen. Jeder, der normal denken kann, wird zu denselben Schlüssen kommen wie Sie gerade. Also muss ich das nicht wiederholen. Meine Vorfreude hält sich in Grenzen, bei meinen Spielern sieht das aber ganz anders aus.

Die träumen von der Sensation?

Ja, natürlich. Wir wissen alle, dass es jetzt ungemein schwerer wird als es ohnehin schon hier im eigenen Stadion wäre. Aber für die Spieler ist es ein absolutes Highlight und die große Chance, sich zu zeigen. Und das haben sich die Jungs auch verdient mit ihrem Pokalgewinn. Umso schlimmer sind da die äußeren Umstände.

Werden Sie das Stadionthema noch mal ansprechen direkt vorm Spiel?

Ich werde gar nichts thematisieren, denn hier gab es wochenlang nichts anderes. Deshalb bin ich froh, dass dieses Spiel endlich da ist. Mich nervt die ganze Diskussion.

Zwei Niederlagen, ein Unentschieden- so lautet die Koblenzer Bilanz aus den ersten drei Ligaspielen. Hat die Stadionthematik auch den Saisonstart überlagert?

Könnte man als Ausrede vielleicht so hinstellen. Aber ich lasse das nicht so ganz gelten, doch auszuschließen ist es nicht.

Wie gut kennen Sie denn den Gegner: Dynamo Dresden?

Darüber brauchen wir nicht groß zu reden, auch nicht über die Favoritenrolle oder so. In Dresden wird eine sehr gute Arbeit gemacht, auch wenn die Mannschaft gerade noch mit dem Aderlass der Abgänge zu kämpfen hat. Ich bin aber überzeugt, dass sie eine sehr gute Saison spielen werden. Das hat sich am Montag in St. Pauli schon angedeutet.

Wie gehen Sie das Spiel am Freitag an?

Wir sind keine Voll-Amateure, die zum Spiel fahren und dann gleich auflaufen wie eine Thekenmannschaft. Einen Tag vorher reisen wir an, gehen ins Hotel, bereiten uns ordentlich vor… Ganz normal also.

Und Michael Stahl haben Sie auch dabei. Der trifft bei DFB-Pokalspielen ja besonders gut und auch aus weiten Entfernungen wie zum Beispiel 2010 gegen Hertha BSC aus 58 Metern…

Dynamo soll sich warm anziehen. Micha schießt aus allen Lagen und wird wahrscheinlich auch wieder versuchen, ein Tor aus der eigenen Hälfte zu erzielen.

Wie sehr verfolgen Sie den Ostfußball insgesamt noch?

Immer noch mit einem Auge mehr als den Rest.

Und mit dem einen Auge mehr geht der Blick dann vornehmlich nach Cottbus?

Nein. Mich interessiert schon, was in Zwickau passiert, in Leipzig, Dresden, Halle und Erfurt oder auch jetzt in Jena. Aber es ist nicht so, dass mein gesteigertes Interesse Cottbus gilt.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Koblenz - mal abgesehen vom Bonus Pokal?

Aus wirtschaftlicher Sicht haben wir uns vom Pokal schon ein paar Mehreinnahmen erhofft, das jetzt nicht so der Fall ist. Doch das sind Nebengeräusche. Unser Ziel in der Liga heißt ganz klar Klassenerhalt. Und das ist bei Gegnern wie Saarbrücken, Waldhof Mannheim, Stuttgarter Kickers eine Monsteraufgabe.

Lautet das Fernziel trotzdem Profifußball?

Sagen wir mal so: Es ist ein Traum. Doch ich bin eher der Realist und nicht der Träumer.

Wie geht es Ihnen selbst in Koblenz?

Mir gefällt es hier gut. Ich genieße eine hohe Wertschätzung, kann ruhig arbeiten. Und habe ein Umfeld, das mich arbeiten lässt. Das ist nicht hoch genug zu bewerten für mich.

Reizt Sie der Profifußball noch einmal?

Das ist schwierig zu sagen. Ich vermisse ihn im Augenblick nicht. Aber auch als Trainer will man natürlich immer so hoch wie möglich arbeiten. Anfragen gibt es immer mal wieder.

Das Interview führte Tino Meyer

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