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Freitag, 08.09.2017 Der SZ-Gerichtsreport

Dynamo-Fans freigesprochen

Mit einer DNA-Spur allein ist nicht zu beweisen, ob sich die Angeklagten an dem Angriff auf den St. Pauli-Spielerbus beteiligt haben.

Von Alexander Schneider

Die Verhandlung fand vorm Dresdner Amtsgericht statt.
Die Verhandlung fand vorm Dresdner Amtsgericht statt.

© Fabian Schröder

Dresden. Das Ergebnis hatte sich bereits am ersten Sitzungstag abgezeichnet. Dreieinhalb Jahre nach dem idiotischen Angriff Dutzender gewalttätiger Anhänger Dynamo Dresdens auf den Spielerbus vom FC St. Pauli war den Angeklagten eine Beteiligung nicht nachzuweisen. Dafür gab es am zweiten Tag im Prozess gegen die 30 und 43 Jahre alten Männer am Amtsgericht Dresden eine andere Überraschung.

Mit 1:2 hatte Dynamo das Heimspiel gegen die Kiezkicker an jenem 23. Februar 2014 verloren. Als der Bus mit der Hamburger Profimannschaft dann am Sonntagnachmittag die Heimfahrt antrat, war die Fahrt nach wenigen Hundert Metern beendet. Als der Bus am Straßburger Platz an einer roten Ampel warten musste, wurde er von mehreren Dutzend Tätern mit Flaschen und Steinen beworfen, die vor Acki’s Sportbar Alkohol getrunken hatten. Mehrere Scheiben gingen zu Bruch.

Der damalige Busfahrer hat nun mit einer Falschinformation aufgeräumt. Nach dem Angriff hieß es, der St. Pauli-Bus habe bewusst keine Polizeibegleitung haben wollen. Der 42-jährige Zeuge berichtete nun jedoch, beim Eintreffen in Dresden sei der Bus von der Polizei begleitet worden – das sollte auch bei der Abreise passieren. Nachdem er erfolglos im Stadion auf die Eskorte gewartet habe, habe er sogar noch versucht, bei der Polizei anzurufen. Als jedoch niemand abgehoben habe, habe er die Route in sein Navi eingegeben und sei losgefahren. Das Navi lotste ihn zum Straßburger Platz – und das Unheil nahm seinen Lauf. Prozessbeobachter berichteten, dass der Zeuge noch heute sichtlich bewegt ist, angesichts des für ihn überraschenden Angriffs. Spieler hätten geschrien, doch er habe aufgrund anderer Autos nicht losfahren können.

Eine Frau, die gerade mit ihren beiden Kindern im Großen Garten spazieren war, stand etwa mit ihrem Familienkleintransporter an der Ampel vor dem Bus. Die Mutter berichtete, dass auch sie sich bedroht gefühlt habe. Auch das belegt die Rücksichtslosigkeit dieser sogenannten Fußballfans. Doch der Mob hält dicht. Keiner der Täter wurde angezeigt.

Die Angeklagten gerieten zufällig ins Visier der Polizei. Auf einer Flasche fand sich die DNA des einen, der andere habe sich mit einer Handy-Nachricht verraten. Da das jedoch die einzigen Indizien blieben und niemand die Männer wiedererkannte, hat das Gericht beide vom Vorwurf Landfriedensbruch und versuchte gefährliche Körperverletzung freigesprochen. Verteidiger Carsten Brunzel sagte, diese Anklage hätte so niemals erhoben werden dürfen.

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