• Einstellungen
Montag, 06.11.2017

Dynamo fällt in sich zusammen

Die Dresdner werden in Kiel nassgemacht und sind mit dem 0:3 noch gut bedient. Neuhaus kündigt Veränderungen an.

Optimismus sieht anders aus. Manuel Konrad, Paul Seguin und Erich Berko (v.l.) spülen die Niederlage in Kiel mit Elektrolytgetränken runter.
Optimismus sieht anders aus. Manuel Konrad, Paul Seguin und Erich Berko (v.l.) spülen die Niederlage in Kiel mit Elektrolytgetränken runter.

© dpa

Kiel. So verdient hat Dynamo selten verloren, dabei fällt die Niederlage mit dem 0:3 bei Holstein Kiel am Ende doch noch recht deutlich aus. Die Dresdner hätten sich über eine höhere Niederlage beim überraschend starken Aufsteiger nicht beschweren dürfen. Darin sind sich hinterher auch alle einig. „Wir hatten nicht viel dagegenzusetzen“, meint Torwart Marvin Schwäbe, und Andreas Lambertz sagt mit anderen Worten genau dasselbe: „Wir haben nicht viel zustande bekommen.“

Am deutlichsten aber analysiert der Trainer ein Spiel, dass er „besser gar nicht gesehen“ hätte, wie Uwe Neuhaus sein Statement bei der Pressekonferenz einleitet. Sein Fazit: „Wir waren irgendwie tot, hatten keinen Esprit, keine Gedanken, keine Form.“ Das hat weniger mit seiner taktischen Umstellung zu tun, auch wenn der Versuch, mit einer flexiblen Dreier-Fünferkette zu agieren, nicht aufgeht. Seine Mannschaft – und das hat er schon vorher geahnt – ist nach den jüngsten Negativerlebnissen hochgradig verunsichert. Die vergangenen Wochen hätten „deutlich Wirkung hinterlassen“, sagt er. Die Fehler, die zu teils unglücklichen Niederlagen führten, steckten im Kopf. Als wieder welche passierten, ging das Selbstvertrauen endgültig flöten.

Dabei fängt es noch recht vielversprechend an. Es sind erst 50 Sekunden gespielt, als Niklas Kreuzer die erste Flanke in den Strafraum bringt. Peniel Mlapa verfehlt den Ball knapp, danach taucht der Stürmer für den Rest seiner Einsatzzeit nahezu komplett ab. Kiel braucht einige Minuten, um sich auf das neue Dresdner System einzustellen, aber wirklich wirkungsvoll ist die Variante gegen die beste Offensive der zweiten Liga nicht. Schon vor dem Führungstreffer hebeln die Gastgeber Dynamos Defensive mit schnellen Pässen zweimal aus, der dritte Versuch sitzt. Es ist ein perfektes Zusammenspiel der Holstein-Angreifer: Dominick Drexler bringt die Flanke von links, den Schuss von Steven Lewerenz kann Schwäbe abwehren, aber im Rückraum steht Marvin Ducksch frei.

Nach 24 Minuten ist die Partie entschieden, auch wenn sich die Dresdner in der Pause vornehmen, „noch mal die Ärmel hochzukrempeln“, wie Florian Ballas von der Kabinenansprache berichtet. „Wenn man das Spiel danach sieht, auch die Entstehung der Tore, kann man nur das Kotzen bekommen“, meint der Verteidiger. Doch es sind nicht nur die zwei weiteren Gegentreffer durch Lewerenz und Kingsley Schindler in der Schlussphase, an denen an diesem Sonntag ein Klassenunterschied deutlich wird.

Das Dynamo-Zeugnis: Im roten Bereich

1 von 15

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Marvin Schwäbe: Note 2: Mit Abstand bester Dresdner. Hält seine Mannschaft lange im Spiel und ist bei den späten Gegentreffern chancenlos.

Jannik Müller: Note 5: Diesmal ein Unsicherheitsfaktor. Kommt nicht in die Zweikämpfe und lässt sich schon vor dem ersten Gegentor mehrfach überlaufen.

Manuel Konrad: Note 4: Versucht Ordnung ins Spiel zu bringen, ist aber oft zu spät am Gegenspieler und hat Glück, dass daraus lange kein Gegentor resultiert.

Florian Ballas: Note 4: Die Kieler Offensive stellt auch ihn vor fast unlösbare Aufgaben. Nach dem Spiel als Erster bei den enttäuschten Fans.

Fabian Müller: Note 5: Auf der linken Außenbahn gelingt ihm kaum etwas. Selbst einfache Ballmitnahmen verspringen ihm oder landen gleich im Aus.

Paul Seguin: Note 4: Spielt diesmal in der Zentrale, braucht aber einige Zeit, um sich zurechtzufinden. Nach der Pause einer der Kampfstärksten.

Niklas Hauptmann: Note 4: Wenn man über einen technisch Begabten wie ihn urteilt, er hat sich bemüht, sagt das alles. Noch nicht in Bestform.

Niklas Kreuzer: Note 3: Zeigt als einer der wenigen Normalform, wandelt dann aber haarscharf am Platzverweis, als er den Elfmeter verursacht.

Andreas Lambertz: Note 4: Der Routinier läuft vorn und hinten die Gegenspieler an. Doch wirklich ertragreich ist sein intensives Spiel nicht. Muss nach einer Stunde runter.

Haris Duljevic: Note 4: Zeigt sich zwar schon früh im Kieler Stafraum (1.), hat auch in der zweiten Hälfte die erste Dresdner Gelegenheit (54.), ist insgesamt aber zu ungefährlich.

Peniel Mlapa: Note 6: Findet noch immer keine Bindung zum Spiel, müsste dafür physisch mehr investieren. Sein Anlaufen des Gegners gleicht einem Traben.

Lucas Röser: Note 3: Mit ihm kommt so etwas wie Offensive ins Dresdner Spiel, legt für Mlapa auf, der vorbei schießt (78.).

Erich Berko: Note 4: Kann in seiner kurzen Zeit nichts mehr bewegen.

Nicht zu bewerten: Eero Markkanen. (SZ/cdh)

Kiel erspielt sich Möglichkeiten beinahe im Minutentakt – und lässt doch Dynamos Hoffnung leben. „Wir sind schon glücklich in die Pause gekommen mit dem Ergebnis“, sagt Schwäbe. In der zweiten Hälfte verhindert der Schlussmann gegen Lewerenz und Patrick Herrmann das 0:2. Das sind nur zwei von sieben dicken Dingern, die Holstein liegen lässt, inklusive eines Elfmeters. Drexler, von Kreuzer gefoult, schießt selbst und an die Latte.

Links zum Thema

Es hätte also auch noch eines dieser Fußballspiele werden können, bei denen das Ergebnis nicht zum Kräfteverhältnis passt. Denn in der 78. und 80. Minute bekommt Dynamo tatsächlich zwei Möglichkeiten zum Ausgleich. Mlapa schießt nach Eingabe von Lucas Röser vorbei, und den Kopfball von Fabian Müller pariert Kenneth Kronholm. Es ist die einzige Herausforderung für den Holstein-Torwart. „Das war sonst alles mehr Krampf“, sagt Neuhaus. „Die Mannschaft ist immer mehr innerlich zusammengefallen, hatte Angst vor Fehlern“, erklärt Neuhaus.

Zwei Punkte bis zum Relegationsplatz

Den Schwarz-Gelben fehlt es vorn an Durchschlagskraft, im Mittefeld an Ideen und in der Defensive an Sicherheit. „Kiel war agiler, spritziger, spielfreudiger. Wir wussten nicht, wie wir nach vorne kommen sollen“, sagt Lambertz desillusioniert. „Dass die Niederlage in Ordnung geht – keine Frage.“ Dynamo rutscht auf Platz 15 ab, hat nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. „Wir sind im Abstiegskampf angekommen. Das braucht man nicht schönzureden“, sagt der Trainer – und das Beste an diesem tristen Nachmittag ist, dass das auch keiner macht.

Nach einigen Sekunden der Schockstarre führt Ballas die Mannschaft in die Kurve. Während die Mannschaft von Kiel nassgemacht wird, stehen die etwa 1 500 Fans im strömenden Regen. „Es ist völlig nachvollziehbar, dass sie – auf Deutsch gesagt – die Schnauze voll haben“, meint der Vorangeher. „Ich denke, wir müssen auch langsam mal die Schnauze voll haben und merken, dass es nur mit Schönspielerei nicht funktioniert.“ Die Diskussion um die Spielweise geht weiter, auch wenn das zu kurz greift.

„Das ist natürlich ein herber Rückschlag, aber ich glaube nicht, dass wir uns davon unterkriegen lassen“, meint Lambertz, und der Erfahrenste im Team fordert: „Wir müssen trotzdem an uns glauben.“ Das ist leichter gesagt als getan, und auch Neuhaus kündigt Veränderungen an. „Die Mannschaft braucht irgendetwas, woran sie sich klammern kann.“ Was das sein kann, bleibt offen.

Benoten Sie die Leistungen der Dynamo-Spieler in Kiel:

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Seite 1 von 5

Insgesamt 22 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. putzke

    Es hätte schlimmer werden können. Auf dem Boden der tatsächlichen Leistungsfähigkeit angekommen. F.P.

  2. SGD Bodensee

    Leider ein sehr ernüchterndes Spiel mit mehr Fragen als Antworten. Warum gelingt es einem Spieler nach 10 (?) wöchentlichen Trainingseinheiten nicht, sowohl einen bewegten als auch einen ruhenden Ball als Flanke zumindest in die Nähe seines Mitspielers zu schlagen? Warum spielt weiterhin ein Mittelstürmer, der nicht ein Kopfballduell gewinnt, geschweige denn einen Ball beim langen Spiel festmacht. Warum strahlen die Jungs nach einer gelungen Aktion eine Selbstherrlichkeit aus, die anschließend gleichzeitig die Basis des nächsten Fehlpasses bildet? Warum sind nicht 11 Freunde auf dem Platz zu sehen sondern eher Selbstdarsteller?

  3. manders

    arme auswärtsfahrer,lasst euch das geld vom verein zurück geben!! der fisch stinkt am kopf und der kopf ist neuhaus! er kann unseren spielern nicht mal die basics vermitteln! kampfgeist ,wllle,leidenschaft. nicht mal ein verschossener und zweifelhafter elfer hat ein bissel adrenalin bei unseren spielern rausgekitzelt!! immerhin sah der trainer keinen wechselbedarf zur halbzeit!! die frechheit schlechthin markkanen in der 84 min für mlapa zubringen! warum nicht zur halbzeit? her neuhaus!! schwäbe ist gewiss nicht mein lieblingsspieler, nur hat er uns heute vorm 0:5 oder höher bewahrt, respekt! in der jetzigen verfassung überstehen wir keinen abstiegskampf ,warum möschl nach gutem spiel letzte woche ,heute nicht gespielt hat sollte neuhaus mal erklären!! er hat einfach keinen plan mehr . vor wochen sagte er,er schaue nicht auf die tabelle!! es sind ja auch nur 4 punkte bis platz 6.! bei 90min und 2 echten chancen sollte neuhaus mal ein licht aufgehen bevors zuspät ist!!

  4. mitglied

    Der Heiligenschein von Neuhaus und Minge steht auf Bewährung... mindestens. Fußball ist ein Ergebnissport ohne Haltungsnote. Wobei heute nicht mal die gestimmt hat. Die Ampel zeigt orange. Und das Argument mit fehlendem Geld etc. zieht nicht. Wir sind der größte Verein im Osten mit den meisten Mitgliedseinnahmen und besseren Sponsorenmöglichkeiten als beispielsweise die Schachter mit einem Autohaus. Es wird Zeit sich was einfallen zu lassen. Nur beschwichtigen und hoffen reicht nicht.

  5. Oliver

    Wann wacht man endlich auf!! Mannschaft und Trainer sollten sich hinterfragen wo es jetzt langgeht und ob Platz 15 das Ziel ist? Wie lange soll das noch weitergehen? Laut Statistik wieder mehr Ballbesitz aber keine Ausbäute. Wann kommt Mlapa und Ballas endlich raus aus der Mannschaft? Will man wieder zurück in die 3.Liga? Man ist auf dem besten Weg!

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 5

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.