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Donnerstag, 07.12.2017

Dynamo, der schlafende Riese

Torsten Mattuschka hat bei Union Berlin mit Uwe Neuhaus zusammengearbeitet. Warum er den jetzigen Dynamo-Trainer schätzt und wie der Krisen bewältigt, sagt er im Interview mit der SZ.

Von Sven Geisler

Vereinslegenden unter sich: Torsten Mattuschka (l.) hier für Energie Cottbus und Dynamos Ex-Kapitän Cristian Fiel.
Vereinslegenden unter sich: Torsten Mattuschka (l.) hier für Energie Cottbus und Dynamos Ex-Kapitän Cristian Fiel.

© Lutz Hentschel

Dynamo spielt am Sonnabend bei Union in Berlin, und natürlich ist die Rückkehr von Trainer Uwe Neuhaus an seine alte Wirkungsstätte wieder ein Thema. Er selbst hat dazu schon alles gesagt, als er vor gut einem Jahr zum ersten Mal mit den Schwarz-Gelben an der „Alten Försterei“ zu Gast war: „Es geht nicht um mich, sondern um drei Punkte für beide Klubs.“ Typisch Neuhaus eben.

Einer, der ihn sehr gut einschätzen kann, ist Torsten Mattuschka. Er war 2005 von Energie Cottbus zu den „Eisernen“ gewechselt, zur Saison 2006/07 kommt Neuhaus als Chefcoach. Union spielt damals in der Regionalliga – und der neue Mann versteht es, die Spieler richtig anzupacken. „Er hat schnell mitbekommen, wie ich ticke“, sagt Mattuschka im exklusiven Interview mit der Sächsischen Zeitung, das am Sonnabend sowohl in der gedruckten Ausgabe als auch online erscheint. „Ich brauche Druck, darf nie zu lange in meiner Komfortzone stecken, weil ich dann unbewusst etwas weniger mache.“ Neuhaus habe ihm gleich beim ersten Training klargemacht, dass er sein Talent nicht wegschmeißen soll. „Sonst tritt er mir in den Arsch, und das hat er auch gemacht. Darüber bin ich sehr froh, weil ich durch ihn ein besserer Spieler geworden bin.“

Im ersten Jahr verpasst Union knapp den Sprung in die zweite Liga, dafür steht er 2008/09 schon drei Spieltage vor Schluss fest. Die Köpenicker etablieren sich im Mittelfeld der zweithöchsten Klasse, haben dabei aber auch manche Schwächephase zu überstehen wie zu Beginn der Saison 2011/12, als sie am vierten Spieltag „in Dresden auch mit 0:4 böse auf die Fresse gekriegt“ haben, wie es Mattuschka ausdrückt. „Danach gab es das erste und einzige Mal ein bisschen Stress mit den Union-Fans, sie haben uns bepöbelt. Aber sie waren zu recht sauer auf uns, weil wir uns als Mannschaft ergeben hatten.“ Im Rückspiel drehte Union das Ergebnis um, fertige die Dresdner mit 4:0 ab.

Neuhaus sei aber auch in kritischen Situationen ruhig geblieben, erzählt „Tusche“. Deshalb habe er nicht gezweifelt, dass er das auch jetzt bei Dynamo schafft, als nach fünf sieglosen Spielen Unruhe aufkam. Warum er sich so sicher war, erklärt Mattuschka in dem SZ-Gespräch. Er ist inzwischen 37 und kickt bei der VSG Altglienicke in der Regionalliga. An diesem Mittwoch hat er im Nachholspiel gegen Cottbus vor dem Gegentor zum 0:2-Endstand „einen Drecksball“ gespielt, wie er selber sagt. Er erinnert ich auch an seine Duelle gegen Dynamo, allein mit Union hatte er davon zwölf – und acht davon konnte er gewinnen. „In der 3. Liga, das Stadion wurde gerade umgebaut, habe ich mal kurz vor Schluss das 1:0 erzielt. Aber – auch wenn das nichts mit Union zu tun hat – gab es auch das andere Erlebnis, als ich in der Abstiegssaison mit Energie in Dresden in der letzten Minute einen Elfmeter verschossen habe.“ Patrick Wiegers hielt im Dezember 2014 seinen Schuss vom Punkt, die Schwarz-Gelben gewannen durch ein Tor von Sinan Tekerci mit 1:0.

Dass Union zu Beginn der Woche Trainer Jens Keller gefeuert und Neuhaus´ früheren Assistenten André Hofschneider zum Chef befördert hat, sieht Mattuschka nicht als Vorteil für die Dresdner. „Ein anderer Trainer setzt immer neue Impulse, jeder Spieler will sich anbieten.“ Dynamo sei jedoch ein „ein schlafender Riese, für den es auch mal wieder nach ganz oben gehen müsste“.

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