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Dienstag, 19.12.2017

Dürfen nur Schlaue Arzt werden?

Das Bundesverfassungsgericht moniert beim Auswahlverfahren Verstöße gegen das Grundgesetz und fordert Änderungen.

Von Sönke Möhl, Karlsruhe

Bis zur Anatomie-Vorlesung im Medizinstudium ist es für alle, die kein Einser-Abi haben, ein langer Weg. Die Wartezeit liegt derzeit bei zwölf Semestern.
Bis zur Anatomie-Vorlesung im Medizinstudium ist es für alle, die kein Einser-Abi haben, ein langer Weg. Die Wartezeit liegt derzeit bei zwölf Semestern.

© Waltraud Grubitzsch/dpa

Karlsruhe. Der Weg zum Medizinstudium führte bisher nur über ein herausragendes Abitur oder viel Geduld. Auf jeden Fall führt er zunächst über die Stiftung für Hochschulzulassung. Auch nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das Änderungen am Verfahren verlangt, bleiben die Hürden hoch.

Warum ist ein Auswahlverfahren überhaupt nötig?

Auf jeden Studienplatz für Humanmedizin in Deutschland kommen mehrere Bewerber. Allein zum Wintersemester standen im Fach Humanmedizin knapp 9 200 Studienplätzen fast 43 200 Bewerber gegenüber. Zum Sommersemester 2017 war das Verhältnis noch deutlich schlechter. Eine wichtige Rolle bei der Vergabe spielt die Abiturnote. Einen sogenannten Numerus clausus (NC, lateinisch für begrenzte Anzahl) gibt es für zahlreiche Studienfächer. Er gilt entweder regional oder bundesweit, wie bei Human-, Zahn- und Tiermedizin sowie Pharmazie.

Was ist die Stiftung für Hochschulzulassung?

Sie wurde 2008 gegründet und löste die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) ab. Bei ihr müssen sich künftige Studenten bewerben. Grundlage für die bundesweite Vergabe sind Grundsatzurteile des Bundesverfassungsgerichts aus den 70er-Jahren, in denen das Teilhaberecht von Bewerbern an Studienplätzen und das Prinzip gleicher und sachgerechter Kriterien festgeschrieben worden waren.

Welche Wege führen zu einem Studienplatz in Humanmedizin?

Ein sehr gutes Abitur kann Bewerbern einen Studienplatz sichern. Nach den aktuellen Regeln werden 20 Prozent der Plätze nach diesem Kriterium (Bestenquote) vergeben. Derzeit ist ein Schnitt von 1,0 bis 1,2 dafür nötig. Ein weiteres Fünftel wird nach Wartezeit vergeben. Dafür ist aber viel Geduld erforderlich – inzwischen sind es 14 bis 15 Semester. Die übrigen 60 Prozent der Studienplätze können die Hochschulen in einem eigenständigen Auswahlverfahren vergeben. Aber auch dabei spielt die Abiturnote eine wichtige Rolle. Zusätzlich kann es Tests oder Gespräche geben. Bewerber können ihre Chancen durch zusätzliche Qualifikationen verbessern. Dazu gehört etwa eine Ausbildung zum Rettungsassistenten.

Was muss nach dem Urteil des Verfassungsgerichts anders werden?

Grundsätzlich ist die Aufteilung in drei Säulen in Ordnung. Die Verfassungsrichter sehen aber in allen drei Bereichen Verstöße gegen das Grundgesetz. So ist eine verpflichtende Festlegung auf sechs Wunschstudienorte bei der Verteilung nach Abiturnote nicht zulässig. Sie könnte dazu führen, dass ein Bewerber an seiner Wunsch-Uni keinen Studienplatz bekommt, obwohl er anderswo zum Zuge gekommen wäre.

Bei der Wartezeit muss es künftig eine Begrenzung geben, unter anderem weil der Studienerfolg mit der Länge der Wartezeit abnimmt.

Reichen die Studienplätze überhaupt aus?

Nein, sagt der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery. Er plädiert für eine Aufstockung der Medizinstudienplätze um zehn Prozent oder etwa 1000 Plätze. Pro Jahr schließen etwa 10 000 Mediziner ihr Studium ab. (dpa)

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