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Mittwoch, 11.10.2017

Drittes Castor-Schiff unterwegs

Ein Spezialschiff mit Atommüll ist auf dem Weg nach Neckarwestheim. Nach wenigen Kilometern versuchen Aktivisten, es zu stoppen. Die Polizei sieht keine Gefahr für die heikle Fracht.

Atomkraftgegner haben sich am 11. Oktober 2017 in Gundelsheim auf einer Neckarbrücke an das Geländer gekettet.
Atomkraftgegner haben sich am 11. Oktober 2017 in Gundelsheim auf einer Neckarbrücke an das Geländer gekettet.

© dpa

Gundelsheim. Mit Störaktionen haben Aktivisten am unteren Neckar ein Spezialschiff mit hoch radioaktivem Atommüll zu blockieren versucht. In Gundelsheim (Baden-Württemberg) ketteten sich fünf AKW-Gegner auf einer Brücke mit Fahrradschlössern und Handschellen an ein Geländer. Der Polizei zufolge bestand keine Gefahr für den Transport. Der sogenannte Schubverband passierte die Neckar-Brücke später. Das Schiff mit ausgedienten Brennelementen wird von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet.

Zuvor waren in der Nähe der Brücke bereits vier Aktivisten der Umweltschutzorganisation Robin Wood in den Neckar gestiegen. Sie trugen gelbe Neoprenanzüge und ein Transparent mit der Aufschrift „Stoppt Castor“. Die Wasserschutzpolizei beendete die Aktion nach kurzer Zeit. „Proteste sind dringend nötig, um darauf aufmerksam zu machen, wie konzept- und verantwortungslos Konzerne und Politik mit dem lebensgefährlichen Müll umgehen“, sagte Julian Smaluhn von Robin Wood. „EnBW lässt die Bevölkerung die Atommüll-Probleme ausbaden.“

Der umstrittene Schubverband mit drei Castor-Behältern hatte am Mittwochmorgen gegen 5.35 Uhr am stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim abgelegt. Sein Ziel ist das Zwischenlager Neckarwestheim etwa 50 Kilometer entfernt. In zwei Fahrten im Juni und im September waren bereits je drei Castoren mit Brennelementen nach Neckarwestheim gebracht worden. Die Polizei begleitet das Schiff unter anderem mit Booten, einem Hubschrauber und Einsatzkräften am Ufer.

Die Termine der Transporte teilt der Energieversorger EnBW nicht vorab mit - mit Verweis auf Sicherheitsbestimmungen. Das Unternehmen plant zwei weitere Transporte mit je drei Behältern. Insgesamt sollen 342 ausgediente Brennelemente nach Neckarwestheim gebracht werden. EnBW umgeht damit den Bau eines Zwischenlagers in Obrigheim.

AKW-Gegner halten die Beförderung des Atommülls per Schiff für höchst riskant. Beim ersten Castor-Transport auf dem Neckar im Juni hatten sich Aktivisten von einer Brücke abgeseilt und den Schubverband eine Stunde lang blockiert. Die Gemeinde Neckarwestheim hatte versucht, die Transporte auf dem Fluss juristisch zu stoppen. Nach einer Niederlage vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg sieht die Kommune jedoch vorerst keine Erfolgschancen mehr für Klagen. (dpa)

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