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Freitag, 29.12.2017

Dribbling zum Präsidentenpalast

Ex-Fußballstar George Weah wird wahrscheinlich Staatschef in Liberia. Bedenken gibt es wegen seiner belasteten Stellvertreterin.

Von Johannes Dieterich, Johannesburg

George Weah ist fast am Ziel. Doch es gibt Zweifel daran, ob die Popularität des früheren Ballkünstlers genügt, um Liberia gut zu regieren.
George Weah ist fast am Ziel. Doch es gibt Zweifel daran, ob die Popularität des früheren Ballkünstlers genügt, um Liberia gut zu regieren.

© dpa

Einst dribbelte er geschickt durch die gegnerischen Abwehrreihen. Als erster – und bislang einziger – Afrikaner erhielt er den Titel Weltfußballer. Nun steht George Weah kurz vor dem Einzug in Liberias Präsidentenpalast. Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt setzte sich der 51-Jährige nach Auszählung fast aller Stimmen mit 61,5 Prozent gegen den bisherigen Vizepräsidenten Joseph Boakai durch, der auf 38,5 Prozent kam, wie die Wahlkommission am Donnerstag mitteilte. Damit wird er nach vorläufigen Ergebnissen der neue Präsident von Liberia.

Vielen ist schleierhaft, warum in dem westafrikanischen Staat überhaupt jemand Präsident werden will: Schließlich wurden in den vergangenen 50 Jahren zwei Staatschefs im Amt ermordet und zwei außer Landes gejagt. Man muss schon eine Frau sein, um die Herausforderungen des von Militärputschs, Bürgerkriegen und einer Ebola-Seuche geplagten Landes einigermaßen meistern zu können. Weahs Vorgängerin Ellen Johnson Sirleaf steuerte das Land nach ihrem Wahlsieg vor zwölf Jahren an allen Abgründen vorbei. Gegen sie hatte Weah die Stichwahl verloren. Schon damals warf man dem Dribbelkünstler vor, für das Amt keinerlei Erfahrung zu haben. Zu dieser Zeit konnte er nicht einmal auf einen Schulabschluss verweisen.

Weah wuchs in einem Slum in der Hauptstadt Monrovia auf.  Noch vor dem Abitur verließ er die Schule, um für die liberianische Telekom zu arbeiten. Mit 17 gelang dem Fußballer der Sprung nach Europa: Er spielte zunächst in Monaco, später für Paris St. Germain und den AC Mailand.

Dass Ballkünste nicht gefragt sind, um Liberia auf Erfolgskurs zu bringen, ist auch Weah klar: „Ich will meinen Leuten nichts versprechen, was ich nicht halten kann. Und wenn ich nichts zustande bringe, dann müssen sie mich wieder abwählen.“ Jeder zweite Liberianer lebt unter der Armutsgrenze, die Arbeitslosenquote liegt über 50 Prozent. Selbst der resoluten Weltbankfrau Johnson Sirleaf gelang es nicht, der Korruption wirksam zu begegnen. Wie soll es der Ex-Stürmerstar schaffen?

In einer Hinsicht hat sich der neue Präsident bereits ins Abseits gestellt. Ausgerechnet die ehemalige Ehefrau des Ex-Diktators Charles Taylor macht er zu seiner Ko-Kandidatin. Damit sicherte sich Weah die Stimmen aus dem bevölkerungsreichen Bezirk Bong. Auf Belege seiner Führungskraft müssen die Liberianer allerdings noch warten.

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