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Donnerstag, 14.09.2017

Dresdner Neustadt wird grüner

100 Bäume sollen bis zum Frühjahr gepflanzt werden. Die Hechtstraße ist das Sorgenkind der Stadt. Doch auch dort ist eine Lösung in Sicht.

Von Sarah Grundmann

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Auf der Hechtstraße haben Anwohner mit Hochbeeten für mehr Grün gesorgt. Doch das schadet den Bäumen.
Auf der Hechtstraße haben Anwohner mit Hochbeeten für mehr Grün gesorgt. Doch das schadet den Bäumen.

© Sven Ellger

Dresden. Wenn die Stadt nicht für genug Grün sorgt, müssen die Anwohner selber ran. Das haben sich wohl zumindest einige Dresdner gedacht, die entlang der Hechtstraße wohnen. In regelmäßigen Abständen tauchen dort liebevoll bepflanzte Hochbeete auf. Sie wurden von den Neustädtern dort angelegt, wo keine Bäume mehr stehen. Aber auch manche Weißdorn-Stämme wurden mit Beeten verziert. Doch was von den Anwohnern wohl gut gemeint war, richtet Schaden an: Durch die angeschüttete Erde kommt kaum noch Sauerstoff an die Stämme, auch Pilze können sich schneller bilden. Dabei sind die Pflanzen entlang der Hechtstraße auch ohne Zutun der Neustädter schon Sorgenkinder der Stadt.

Denn dort hat sich der sogenannte Birnenprachtkäfer angesiedelt. Der Name klingt schön. Doch das Insekt dahinter richtet erheblichen Schaden an. Er frisst sich in die Rinde der Bäume und entzieht den Pflanzen Wasser. Zudem werden in der Borke Eier abgelegt. Die geschlüpften Larven zerfressen die Bäume dann von innen. Auf der Hechtstraße sind derzeit 31 Bäume befallen, neun weitere wurden bereits gefällt, lediglich sechs sind derzeit noch gesund. Der Birnenprachtkäfer taucht erst seit Kurzem in Dresden auf und befällt vor allem Weißdorn. Auch an anderen Orten gibt es Probleme mit dem Insekt. Wie viele der mehr als 53 000 Straßenbäume betroffen sind, soll noch ermittelt werden.

Zumindest an der Hechtstraße ist nun aber eine Lösung in Sicht. Im kommenden Frühjahr sollen die kranken Bäume ersetzt werden. Zwischen Erlen- und Seitenstraße sollen kleinkronige Blumeneschen einen Platz bekommen, auf dem angrenzenden Abschnitt bis zur Buchenstraße ist die Pflanzung des etwas größeren Schneeballahorns geplant. Auf Ersatz hatten die Anwohner lange gewartet. Denn die ersten Bäume wurden bereits vor sechs Jahren gefällt. Mehrfach hatte das Grünflächenamt Nachpflanzungen versucht – erfolglos. Deshalb haben sich die Mitarbeiter diesmal etwas Besonderes einfallen lassen.

An den Standorten soll ein kompletter Bodenaustausch vorgenommen werden. Zwölf Kubikmeter eines speziellen Baumsubstrates sollen dafür sorgen, dass die neuen Pflanzen nicht wieder absterben. Außerdem sollen die Stämme mit einem Gitter geschützt werden – nicht nur vor neuen Hochbeeten, sondern auch vor dem Abstellen von Mülltonnen oder Fahrrädern am Baum. Die Gitter sind Spezialanfertigungen, die gleichzeitig als Fahrradparker dienen. Doch die Luxus-Variante hat seinen Preis: Rund 134 000 Euro müssen investiert werden. Die Stadt hat deshalb einen Fördermittelantrag beim Land eingereicht und hofft noch diesen Monat auf den Bescheid. Sollte es keine Zuschüsse geben, soll weniger Baumsubstrat verwendet werden. Gepflanzt wird aber in jedem Fall im kommenden Frühjahr.

Noch in diesem Jahr soll es auch an zwei weiteren Standorten in der Neustadt grüner werden. Ab November pflanzt die Stadt auf der Zittauer Straße 22 Linden. Dafür müssen allerdings auch neun Robinien gefällt werden. Sie sind nicht nur krank. Die Wurzeln haben sich auch zur Stolperfalle auf dem schmalen Gehweg entwickelt. Der ist mittlerweile so beschädigt, dass er erneuert werden muss.

Auch auf der Bettina-, Judeich- sowie der Böhnertstraße sind noch in diesem Jahr Neupflanzungen geplant. So wird die Neustadt bis zum kommenden Frühjahr um 100 Bäume reicher und das Viertel auch ohne Zutun der Anwohner grüner. Die sind unterdessen aufgefordert, ihre Hochbeete von der Hechtstraße zu entfernen. Andernfalls werden diese vom Grünflächenamt entsorgt. Wer etwas pflanzen möchte, kann dies ebenerdig tun – und nur nach vorheriger Absprache mit der Stadt.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Wilfried Hensel

    Die richtige Fragestellung lautet wohl eher: Wer war eher da? Der "Birnen-Pracht-Käfer" oder die liebevoll gestalteten Hochbeete. Warum finden sich um die zu nahezu 80% erbärmlich eingegangenen Weißdornbäume herum so gut wie keine Blumenkästen der Bewohner. Kann es eher sein, dass diese Sorte Bäume bei diesen Lichtverhältnissen gar nicht gedeiht, oder ist gar beim Pflanzen der jungen Stämme im Erdreich seitens der ausführenden Firma das Erdreich nicht ausreichend untersucht und ausgetauscht worden? Wie erklärt es sich sonst, dass seitens des Amtes solche Bodenproben vor ein paar Wochen erfolgten. Man könnte in diese Richtung der Verantwortlichen noch weitere kritische Fragen stellen. Z.B. die, weshalb mit den unmittelbar betroffenen Bewohnern das alles nicht im Vorfeld einmal besprochen wird.......

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