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Freitag, 12.01.2018

Dresdens neuer XXL-Park

Am Südhang erstreckt sich das künftige Naturparadies auf einer Fläche von 45 Hektar. Wälder und Wiesen entstehen, Bachläufe und Spielplätze – sowie ein Herzenswunsch der Anwohner.

Von Annechristin Bonß

Ines Pochert (r.) und Ute Etzien vom Amt für Stadtgrün stehen an der Stelle im neuen Südpark, an der es bald eine neue Verbindung zwischen Kohlen- und Nöthnitzer Straße geben soll.
Ines Pochert (r.) und Ute Etzien vom Amt für Stadtgrün stehen an der Stelle im neuen Südpark, an der es bald eine neue Verbindung zwischen Kohlen- und Nöthnitzer Straße geben soll.

© Sven Ellger

Was wohl ist in einem Park am wichtigsten? Die Bäume? Ausreichend Sitzbänke? Oder genügend Spielplätze? Die Anwohner im Dresdner Süden haben auf diese Frage eine andere Antwort gefunden. Sie wünschen sich als erstes neue Wege. Wenn in diesem Jahr die ersten Arbeiten im neuen Südpark beginnen, soll es erst einmal möglich sein, von Süd nach Nord und von West nach Ost zu kommen. Denn das ist bisher nicht möglich.

Die Fläche an Dresdens Südhang zwischen Nöthnitzer, Berg- und Kohlenstraße ist für den neuen Park vorgesehen. Dabei soll es sich nicht um eine gärtnerisch gestaltete Anlage im herkömmlichen Sinne handeln. „Hier entsteht eine Erholungslandschaft“, sagt Ines Pochert, Abteilungsleiterin im Amt für Stadtgrün. Eine Landschaft, die sich in den kommenden Jahren entwickeln soll.

Die langfristige Planung liegt dabei nicht nur an der großen Fläche. Bis zu 45 Hektar groß soll der neue Park sein. Das wäre die größte kommunale Anlage. Zum Vergleich: Der Waldpark in Blasewitz misst 18 Hektar. Der Große Garten, der in Verwaltung des Landes ist, misst 147 Hektar. Dass Jahre vergehen werden, bis die Landschaft fertig sein wird, liegt auch an den Kosten. Die trägt die Stadt allein. Pro Jahr steht immer nur eine gewisse Summe für den Südpark zur Verfügung. Wie hoch diese ist, entscheidet der Stadtrat.


Die Fläche des Südparks
Visualisierung: Stadt Dresden, Google Maps. Montage: SZ
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Vom Geld für 2018 wollten die Planer eigentlich einen Spielplatz oder eine Sportfläche anlegen lassen. Weil den Anwohnern allerdings die Wege wichtiger sind, wurde umgeplant. Nun ist vorgesehen, eine erste Verbindung von der Nöthnitzer Straße zur Kohlenstraße hinauf anzulegen. Das jedoch ist nicht so einfach. 40 Höhenmeter müssen überwunden werden. Auf der Fläche gibt es derzeit drei Böschungen, an denen es jeweils mehrere Meter tief hinunter geht. Der neue Weg muss also nicht nur freigeräumt werden. Hier sollen auch Treppenanlagen entstehen. Ein zweiter neuer Weg ist von der Kurve der Straßenbahnschienen im Westen nach Osten hin vorgesehen. Er würde die Landschaft einmal queren und soll in den bereits bestehenden Plattenweg entlang der Fernwärmerohre münden.

Die ersten Arbeiten dafür haben bereits stattgefunden. Zunächst wurden im oberen Teil Schneisen in das wilde Dickicht geschnitten. Wer hier einige Meter in Richtung Böschung läuft, kann bereits sehen, was den neuen Park vor allem ausmacht. Der Blick in Richtung Stadt ist einer der schönsten, die es rund um Dresden gibt. Nicht nur die Altstadt mit ihren Türmen ist gut zu erkennen. Auch der Campus der TU Dresden mit seinen historischen Wissenschaftsbauten gehört zum Panorama. Bei guter Sicht können Spaziergänger am Horizont die Hügel der Sächsischen Schweiz erkennen. Entlang der Schneisen sollen in den kommenden Wochen Bodengutachter arbeiten. Sie vermessen auch die Flächen.

Bei der Gestaltungen sollen die Anwohner mitreden können. Eine Interessengemeinschaft hat sich bereits gegründet. Ein Workshop ist für das Frühjahr geplant. Ideen und Wünsche gibt es viele. Unter anderem könnte die Fernwärmeleitung der Drewag mit Graffiti-Kunst verschönert werden. Bisher sind die zugewucherten, dreckig-olivgrünen Rohre kein schöner Anblick. Unter der Erde verschwinden werden diese wohl nicht. Nur an der Kreuzung der Plattenwege sind sie bislang unter die Erde gelegt. Warum also nicht die oberirdischen Flächen entlang der Rohre für öffentliche Kunst nutzen?

Hundehalter wünschen sich eine Extra-Fläche, auf der sie ihre Tiere frei laufen lassen können. Ob dieser Wunsch Realität wird, bleibt offen. Tierschützer sind dagegen daran interessiert, die vorhandenen Tierarten im Gebiet zu schützen. Das Artenschutzgutachten liegt bereits vor. Unter anderem haben die Experten zwei Brutpaare der Feldlerche sowie einen Horst mit einem Greifvogelpaar registriert. Eine eigene Internetseite soll bald aktuelle Informationen über den Südpark zugänglich machen.

Auch über einen weiteren neuen Weg. Perspektivisch könnte ab 2022 der Trampelpfad, der von der Kohlenstraße zur Plattenwegkreuzung führt, ausgebaut werden. Bis dahin läuft der Pachtvertrag der Stadt für die Feldflächen im Gebiet. Wie und ob dieser verlängert wird und welche Rolle die Felder im Südpark künftig spielen, steht ebenfalls noch nicht fest.


Kontakt zur Interessengemeinschaft Südpark unter kontakt@ig-suedpark.de

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