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Donnerstag, 12.10.2017

Dresden blitzt jetzt digital

Bisher sind viele Sünder unbestraft davongekommen. Die Bilder waren zu schlecht. Nun wurde umgerüstet.

Von Annechristin Bonß

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Schon digital: der Blitzer auf der Waldschlößchenbrücke.
Schon digital: der Blitzer auf der Waldschlößchenbrücke.

© Sven Ellger

Dresdens Rotlichtsünder und Raser haben der Stadt in den ersten neun Monaten des Jahres Einnahmen in Höhe von 1,42 Millionen Euro eingebracht. Über 57 700 Mal waren sie mit mehr als der erlaubten Geschwindigkeit unterwegs, 56 Mal verwechselten sie die rote mit der grünen Ampelphase. Jede Menge Sünden, jede Menge Geld. Doch das reicht der Stadtverwaltung offenbar nicht. Mit neuer, digitaler Technik sollen nun noch mehr Schnell- und Rotlichtfahrer überführt werden. Alle 17 Messanlagen zur Überwachung der Geschwindigkeit und des Fahrens bei Rot sind jetzt umgerüstet worden. „Zum einen steigt damit die Qualität der Bilder, und zum anderen sind die Fotos schneller zur Bearbeitung im Amt“, sagt Jutta Gerschner, Abteilungsleiterin im Ordnungsamt.

Vor allem die Qualität der Bilder hatte den Mitarbeitern im Ordnungsamt Probleme gemacht. Und manchen Sünder noch einmal davonkommen lassen. Denn insgesamt lösten die stationären Blitzer in der Landeshauptstadt im vergangenen Jahr zwar 76 731 Mal aus. Verschickt wurden allerdings nur 54 511 Verwarn- und Bußgeldbescheide. Besonders der Blitzer am sogenannten Margon-Haus am Dippoldiswalder Platz hat lange Zeit die Geblitzten hoffen lassen. Von den über 1 400 fotografierten Autofahrern, die bei Rot über die Haltelinie rollten, erhielten 2016 lediglich drei Prozent Post.

Von den 1000 Fahrern, die zu schnell über diese Kreuzung düsten, mussten sich nur 71 Prozent verantworten.

Mit der digitalen Technik soll eine solche Negativ-Statistik künftig der Vergangenheit angehören. Dabei musste die Stadtverwaltung zunächst Geduld haben, um die neuen Blitzer aufzustellen. Denn ausgenommen der beiden Blitzer auf der Waldschlößchenbrücke hat die Verwaltung alle anderen 15 Messanlagen gemietet.

Mit dem Auslaufen der einzelnen Mietverträge konnte das Ordnungsamt neue Anlagen anmieten. Und damit die digitale Fototechnik einführen. Die neuen Verträge haben eine Laufzeit von vier Jahren. Bis zu 1500 Euro kostet die Miete für eine digitale Messanlage im Monat. Hochgerechnet auf ein Jahr und die 15 Miet-Blitzer in der Stadt sind das 270000 Euro. Ein Preis, der sich durchaus lohnt. 2016 kamen rund 1,58 Millionen Euro durch Raser und Rotlichtsünder zusammen. Im Jahr zuvor waren es noch 2,4Millionen Euro.

An drei der 17 Messstellen in der Stadt werden übrigens sowohl Raser als auch Rotlichtfahrer überführt. Das ist an der Bautzner Landstraße Am Weißen Adler, auf der Meißner Landstraße Am Urnenfeld sowie an der Bautzner Straße Höhe Löwenstraße der Fall. Vier Anlagen messen zudem die Geschwindigkeit von Autofahrern aus beiden Richtungen. Die Blitzer müssen dafür einfach gedreht werden.

Diese Anlagen stehen an der Marienberger Straße in Höhe 33. Grundschule, an der Königsbrücker Landstraße 342 in Höhe Am Zollhaus, an der Gottfried-Keller-Straße sowie an der Würzburger Straße 61. Neben den stationären Anlagen verfügt das Ordnungsamt über drei mobile Messanlagen. „Bei der Auswahl der Standorte stehen immer die Sicherheit vor Schulen, Kindergärten oder auch Krankenhäusern sowie Unfallschwerpunkte im Vordergrund“, sagt Gerschner. Die mobile Messtechnik ist bereits seit 2013 digital.

Dabei lassen sich auch durch die Blitzerzahlen Schwerpunkte für Raser erkennen. Absoluter Spitzenreiter bei der Anzahl der ausgelösten Blitzer ist die Anlage auf der Südseite der Waldschlößchenbrücke. Hier werden Autofahrer, die von der Neustädter auf die Altstädter Seite fahren, kontrolliert. Über 17000 Mal hat diese Kamera 2016 ausgelöst. Und eine Erfolgsquote von 82 Prozent erreicht. Das allein bescherte der Stadt über 409000 Euro. Ebenfalls extrem erfolgreich ist mit knapp 8000 Blitzen im vergangenen Jahr die Messanlage an der Radeburger Straße. Den dritten Platz bei den meisten erwischten Rasern bekommt der Blitzer an der Bautzner Straße in Höhe der Elbschlösser. Hier wurden 2016 knapp 5000 Autofahrer erwischt, die zu schnell unterwegs waren. (mit SZ/sr)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Adrian

    Der Blitzer auf der WSB ist deswegen so erfolgreich, da Unkundige nicht wissen wie schnell / langsam man auf der Brücke fahren darf. Das betifft die Fahrer, welche von der Bautzner runterfahren und dann auf die WSB einfädeln müssen. Während sie aber noch mit dem Einfädeln beschäftigt sind, fliegt über ihren Kopf das Zeichen 274 zur Geschwindigkeitsbegrenzung hinweg. Ich vermute daher, dass die meisten Autrofahrer das Zeichen schlicht nicht sehen, weil sie anderweitig mit dem Verkehr beschäftigt sind und das Zeichen an einer ungünstigen Position steht. Als Radfahrer und WSB-Gegner (und noch nie Geblitzter) prangere ich das an.

  2. Thomas

    Es gibt nichts widerwärtigeres als geblitzte Leute, die sich krampfhaft mit irgendwelchen Tricks ("ich bin's doch gar nicht auf dem Foto, da muss eine fremde, mir unbekannte Person mit meinem Auto gefahren sein") versuchen herauszureden. Ich hoffe das wird bald vorbei sein.

  3. Ralf K.

    Was für eine Doppelmoral: Unter Vorwand der Verkehrssicherheit wird abkassiert. Selbige interessiert die Stadtverwaltung wohl kaum. Im Gegenteil, Hauptsache Kohle...

  4. Volker W.

    @Ralf K.: Ein Vorschlag: Was halten Sie davon eine Initiative gegen den Irrsinn des Abkassierens ins Leben zu rufen? Name der Initiative "Wir halten uns an die StVO".

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