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Samstag, 30.12.2017

Dreidimensional Zeichnen

Technische Produktdesigner konstruieren am Computer – Maschinen, Kaffeekannen oder Möbel. Es gibt zwei Ausbildungsrichtungen.

Von Inga Dreyer

Alles im Blick: Technische Produktdesignerinnen wie Lisa-Marie Schott müssen zwischen eigenen Vorstellungen, Kundenwünschen und den Anforderungen der Technik vermitteln. Auch wenn sie das Zeichnen mit der Hand gelernt hat, arbeitet sie meist am Computer.Foto: dpa/Frank Rumpenhorst
Alles im Blick: Technische Produktdesignerinnen wie Lisa-Marie Schott müssen zwischen eigenen Vorstellungen, Kundenwünschen und den Anforderungen der Technik vermitteln. Auch wenn sie das Zeichnen mit der Hand gelernt hat, arbeitet sie meist am Computer.Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

© dpa-tmn

Der Vater Hobbyschrauber, der ältere Bruder Schlosser: Lisa-Marie Schott war immer von Technik umgeben. „Ich war als Kind schon sehr auf Autos fixiert“, sagt die 22-Jährige, die früh eine Faszination für technische Zeichnungen entwickelte. Trotzdem sah sie sich andere Berufe an, machte Praktika bei der Polizei und beim Anwalt. Nach dem Abitur aber wurde klar, dass sie ihrer Liebe zur Technik folgen wollte. Die Wahl fiel auf eine dreieinhalbjährige duale Ausbildung zur Technischen Produktdesignerin. Die absolviert Schott bei der EDAG in Fulda, einem Ingenieur-Dienstleister für die internationale Automobilindustrie.

Technische Produktdesigner entwerfen und konstruieren kleine Bauteile oder große Anlagen nach Kundenwunsch. Sie wählen passende Normteile und Werkstoffe aus, setzen Änderungsvorschläge um und erstellen Dokumentationen. Die Ausbildung gibt es erst seit 2005. Im Jahr 2011 ging der Technische Zeichner im Technischen Produktdesigner auf. Statt des Zeichenbretts würden bei der modernisierten Ausbildung sogenannte CAD-Verfahren im Mittelpunkt stehen, also das rechnergestützte Konstruieren, sagt Markus Bretschneider vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Trotzdem lernen die Auszubildenden noch das Zeichnen per Hand. In einer sechswöchigen Werkstattphase bekam Lisa-Marie Schott auch Einblick in die handwerklichen Grundlagen, obwohl Technische Produktdesigner vorwiegend im Büro arbeiten. „Das war sehr hilfreich“, sagt sie. Nur so könne man verstehen, was in der Werkstatt gebraucht wird.

Mitbringen sollten Auszubildende Interesse an Technik und räumliches Vorstellungsvermögen. Liesa-Marie Schott hatte schon in der Schule Interesse an Mathematik und Physik. Das dreidimensionale Zeichnen sei ihr deshalb relativ leichtgefallen. Weitere Voraussetzungen seien Kommunikationsfreude, Neugierde, Lernbereitschaft und Flexibilität, so Michael Noll, bei der EDAG verantwortlich für den Ausbildungsbereich der Produktentwicklung. Englischkenntnisse seien wichtig, denn viele Auszubildende wollen später im Ausland arbeiten. Auch wenn die Hälfte der Lehrlinge Hochschulreife habe, sei eine bestimmte Schulbildung nicht vorgeschrieben, sagt Bretschneider.

Laut BIBB entscheiden sich in Deutschland pro Jahr 2 600 bis 2 700 junge Leute für eine Ausbildung zum Technischen Produktdesigner. In Sachsen ist die Anzahl in den letzten zwei Jahren leicht gestiegen. Nach Angaben der Arbeitsagentur erlernen im Freistaat derzeit 146 diesen Beruf. Mehr als 3 800 arbeiten insgesamt als Technischer Produktdesigner. „Die stabilen Ausbildungszahlen deuten darauf hin, dass der Beruf hinsichtlich Konjunkturschwankungen relativ robust ist“, sagt Michael Assenmacher, Referatsleiter beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Der Beruf teilt sich in zwei Fachbereiche: Rund 2 000 Auszubildende starten pro Jahr im Maschinen- und Anlagenbau. Im Mittelpunkt steht die Konstruktion von Maschinen wie für die Autoindustrie und den Schiffsbau. Bei der EDAG entstehen in diesem Bereich Fertigungsanlagen und Fördertechnik. Der zweite, kleinere Fachbereich ist die Produktgestaltung und -konstruktion, vom Fahrzeugbau über Möbel bis zu klassischen Konsumgütern wie einer Kaffeekanne. „In dieser Fachrichtung wird auch auf das Design Wert gelegt“, sagt Assenmacher. Dafür hat sich Lisa-Marie Schott entschieden. Die Abteilung, in der sie lernt, ist auf das Interieur von Autos spezialisiert. Im dritten Lehrjahr arbeitet Schott erstmals an einem eigenen Bauteil: der Verkleidung einer B-Säule als Verbindung zwischen Fahrzeugboden und Dach.

Bei der Gestaltung und Konstruktion solcher Produkte spielt auch das Präsentieren der Entwürfe vor Kunden eine große Rolle. Deswegen sollten Technische Produktdesigner sprachliches Ausdrucksvermögen mitbringen, sagt Bretschneider. Sie müssen sich auch mit den Anforderungen der Ingenieure und anderer Abteilungen bis zur Verpackung beschäftigen. „Eine Herausforderung ist es, das alles zu erfassen und eine eigene Kreativität einzubringen“, sagt Assenmacher. Gerade diese Interdisziplinarität sei aber das Spannende an diesem Beruf. Auszubildende verdienen nach Angaben der Agentur für Arbeit im Handwerk monatlich je nach Lehrjahr von 400 bis 1 000 Euro, in der Industrie von 900 bis 1 200 Euro. Das Gehalt liegt laut Agentur zwischen 2 400 und 3 100 Euro.

Nach der Ausbildung nutzen viele Produktdesigner Weiterbildungsmöglichkeiten – entweder zum Techniker für Karosserie- und Fahrzeugtechnik oder innerhalb eines dualen Studiums im Bereich Maschinenbau. (dpa/gfl)

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