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Mittwoch, 16.05.2018

Dorfgaststätte hängt in der Luft

Anfang 2018 ging die Waldblick-Pächterin in Rente. Ein Nachfolger stand bereit – sprang aber ab. Nun drängt die Zeit.

Von Jürgen Müller

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Der Bürgermeister als Kneiper? Nein, natürlich nicht. Doch Hirschsteins Gemeindechef Conrad Seifert sucht einen neuen Pächter für die Gaststätte „Waldblick“ in Neuhirschstein. Diese gehört der Gemeinde.
Der Bürgermeister als Kneiper? Nein, natürlich nicht. Doch Hirschsteins Gemeindechef Conrad Seifert sucht einen neuen Pächter für die Gaststätte „Waldblick“ in Neuhirschstein. Diese gehört der Gemeinde.

© Sebastian Schultz

Idyllisch gelegen, aber derzeit geschlossen: der „Waldblick“ in Neuhirschstein.
Idyllisch gelegen, aber derzeit geschlossen: der „Waldblick“ in Neuhirschstein.

© Sebastian Schultz

Schilder, wie dieses, weisen auf die geschlossene Gaststätte hin.
Schilder, wie dieses, weisen auf die geschlossene Gaststätte hin.

© Sebastian Schultz

Hirschstein. Jeder Tisch ist besetzt an diesem Sonnenscheintag. Während sich die Eltern ein kühles Bier schmecken lassen, toben sich die Kinder auf dem Spielplatz aus. Andere Gäste schwärmen noch von einem Rundgang im nahegelegenen Schloss Hirschstein. Idylle im „Waldblick“ in Neuhirschstein. Doch das war einmal. Seit Februar ist es damit vorbei.

Es hätte alles so schön sein können. Lange war bekannt, dass Elke Jähnigen, die Pächterin der Gaststätte „Waldblick“ in Neuhirschstein, in diesem Jahr im Februar in den Ruhestand geht. Die Gaststätte gehört der Gemeinde Hirschstein. Bürgermeister Conrad Seifert (CDU) kümmerte sich rechtzeitig um einen neuen Pächter, schließlich ist die Gaststätte attraktiv. Durch die Lage mitten im Wald, einen großen Spielplatz in unmittelbarer Nähe, ausreichend Parkmöglichkeiten und insgesamt rund 50 Plätzen in großer und kleiner Gaststube und auf der Terrasse ist sie besonders für Familienfeiern geeignet. Von hier aus sind Schloss- und Parkführungen möglich, hier kann das „Schlossherrendiplom“ erlangt werden. Zahlreiche Reisegruppen, die in der Osterzeit die traditionellen Osterbrunnen besichtigen, machen im „Waldblick“ Rast. Die Gaststätte war ganzjährig geöffnet, auch im Winter vor allem durch Familienfeiern gut besucht. Die Pächterin hat nicht etwa gekündigt, weil sich der Betrieb nicht rechnete, sondern weil sie in den verdienten Ruhestand ging.

Der Bürgermeister war sich mit einem Interessenten handelseinig, der Vertrag wurde zunächst per Handschlag besiegelt. „Es war eine nahtlose Übergabe geplant. Da alle Signale auf Grün standen, waren auch die Bestellbücher voll. Doch plötzlich sprang mein Wunschkandidat ab“, sagt Conrad Seifert. Er ist auch persönlich tief enttäuscht: „Ich hatte mich darauf verlassen, dass ein fest gegebenes Wort auch eingehalten wird“, sagt er. Und war verlassen.

Nun ist er in einem Dilemma, sucht einen neuen Pächter für das Haus, das in den 1980er Jahren als Sportlerheim gebaut wurde. Noch heute nutzen es die Hirschsteiner Sportler in einem Anbau. Deshalb auch wäre ein Verkauf der Immobilie schwierig. Die Buchungen für die Familienfeiern mussten allesamt storniert werden. „Je länger das Objekt leer steht, desto schwieriger wird es mit der Verpachtung“, ist sich der Bürgermeister sicher. Deshalb sucht er jetzt mit Hochdruck nach einem Interessenten, die Saison ist schließlich schon in Gange. Zwei Dinge sind ihm besonders wichtig: Dass es jemand vom Fach ist und jemand, der die Gaststätte lange genug betreiben kann, idealerweise also ein junges Gastronomenpaar.

Nicht das einzige Problem

Der „Waldblick“ ist nicht das einzige Gaststätten-Problem der Gemeinde Hirschstein, die so viele Gaststätten besitzt wie kaum eine andere, vergleichbar große Gemeinde. Neben dem „Waldblick“ gehört der Gemeinde auch das „Goldene Lamm“ in Boritz, das seit einigen Jahren geschlossen ist, weil die Pächter dort ebenfalls in Rente gingen, und der Gasthof „Dorfheimat“ in Prausitz. In Letzterem ist vor gut einem Jahr die Bäckerei Krauße aus Riesa mit einer Filiale eingezogen. Dort werden nicht nur Brot, Brötchen und Kuchen angeboten, sondern auch Obst, Gemüse, andere Lebensmittel und Presseerzeugnisse. Außerdem gibt es eine Postfiliale. Einmal im Monat ist in der „Dorfheimat“ Tanz auf dem Saal. Demnächst soll ein Lesecafé eingerichtet werden. „Ich bin sehr froh, dass es uns gelungen ist, der Dorfheimat wieder Leben einzuhauchen. Aber als Gaststätte wird das Haus wohl nicht mehr genutzt werden“, sagt der Bürgermeister.

Die Ideallösung für den „Waldblick“ wäre, wenn der neue Pächter auch gleich das „Goldene Lamm“ in Boritz übernehmen würde. Bedingung ist das aber natürlich nicht. „Die Gaststätte hatte vor allem durch den Radweg viel Laufkundschaft. Auch Übernachtungsmöglichkeiten könnten dort eingerichtet werden“, sagt er.

Die Gemeinde schreibt das Objekt „Waldblick“ jetzt öffentlich zur Verpachtung aus. Überregional soll es aber nicht angeboten werden. „Ich setze auf Leute aus der Region“, so Conrad Seifert. Leute aus der Region kommen gerade mit dem Auto an, wollen in die Gaststätte. „Ist ja geschlossen“, stellen die drei älteren Herrschaften enttäuscht fest und machen trotzdem einen Spaziergang durch den Park. Der Bürgermeister möchte potenziellen Gästen weitere Enttäuschungen ersparen. Er hofft, dass bald wieder Leben in den „Waldblick“ kommt.

Interessenten können sich in der Gemeindeverwaltung unter der Telefonnummer 035266 8180 melden.

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