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Freitag, 19.05.2017

Döbelner wählen Rentenberater

Eine Beratungsstelle vom Rententräger fehlt in der Region. Bei der Sozialwahl geht es nun auch um die Helfer.

Von Maria Fricke

Annette Polansky aus Döbeln ist bereits seit 16 Jahren als Versichertenberaterin bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund. Die 62-Jährige arbeitet ehrenamtlich. Sie ist eine von vier Beratern der DRV Bund, die in der Region tätig sind.
Annette Polansky aus Döbeln ist bereits seit 16 Jahren als Versichertenberaterin bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund. Die 62-Jährige arbeitet ehrenamtlich. Sie ist eine von vier Beratern der DRV Bund, die in der Region tätig sind.

© André Braun

Am 17. Januar 2014 hatte sie das letzte Mal geöffnet, die Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland in Döbeln. Seitdem müssen die Döbelner für Beratungen durch Hauptamtliche weite Wege auf sich nehmen. Denn die nächsten Anlaufstellen sind in Riesa, Freiberg oder Grimma, jeweils rund 24 bis 30 Kilometer entfernt. Kein Wunder, dass immer mehr sich Rat bei den ehrenamtlichen Versichertenberatern oder -ältesten holen, die noch vor Ort tätig sind. Eine von ihnen ist Annette Polansky.

Die 62-Jährige berät inzwischen seit 16 Jahren Frauen und Männer, die unter anderem Erwerbsminderungs- oder Hinterbliebenenrente beantragen wollen. „Ich berechne keine Rente“, stellt die Versichertenberaterin fest. „Ich gebe lediglich Hilfe, habe die Hoheit, die Anträge zu beglaubigen und sie an die entsprechende Stelle weiterzuleiten“, erklärt Polansky, die sich zurzeit in Altersteilzeit befindet. Über ihre Tätigkeit als Fachberaterin bei der DAK ist Annette Polansky zu dem Ehrenamt gekommen. Von der Deutschen Rentenversicherung Bund ist die Döbelnerin eine von fünf Beratern im Raum Döbeln. Weitere kommen aus Ostrau, Perba bei Nossen sowie Altleisnig, wie die Beratungsstellensuche bei der Deutschen Rentenversicherung Bund ergibt.

Abgabe der Wahlzettel bis 31. Mai

Wer die Antragsteller in Zukunft vor Ort berät, können die Döbelner am 31. Mai mitentscheiden. An diesem Tag ist Sozialwahl. Mehr als 51 Millionen Versicherte weltweit haben dazu in den vergangenen Tagen in einem roten Brief die Wahlunterlagen erhalten. Denn die Sozialwahl, neben der Bundestags- und Europawahl die drittgrößte in Deutschland, ist eine reine Briefwahl. Die Wähler entscheiden dabei, wer bei der Deutschen Rentenversicherung Bund, der Deutschen Rentenversicherung Saarland sowie bei den Ersatzkassen der gesetzlichen Krankenversicherung in den jeweiligen Parlamenten sitzen.

Diejenigen, die in den Gremien mitwirken, bestimmen am Ende nicht nur über die Rente mit, sondern auch über die Gesundheitsversorgung. Denn die gesetzliche Sozialversicherung ist selbstverwaltet. Das Prinzip: Wer Beiträge einzahlt oder eingezahlt hat, der soll auch mitbestimmen. Die Versichertenberater, die besonders für die Region Döbeln wichtig sind, weil hier eine hauptamtliche Stelle fehlt, werden im Anschluss an die Sozialwahl berufen.

Etwas anders ist es bei der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland (DRVMD): Hier heißt die Sozial- Friedenswahl. Eine Wahlhandlung gibt es dabei nicht, wie Dr. Ursula Wächter, Leiterin Stabsreferat der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland, erklärt. „Die Bewerber für die Vertreterversammlung gelten mit Ablauf des Wahltages am 31. Mai als gewählt“, ergänzt Wächter. Das so bestimmte oberste Gremium der DRVMD wählt anschließend in seiner ersten Sitzung die Versichertenältesten, wie die Berater bei der DRVMD genannt werden.

Hintergrund für die Schließung der Auskunfts- und Beratungsstelle in Döbeln vor mehr als drei Jahren war eine Neukonzeption des Servicenetzes. 2014 erklärte Ursula Wächter, dass der Bundesrechnungshof „bereits mehrfach das bundesweit umfangreichste und damit kostenintensivste Beratungsstellennetz des mitteldeutschen Rentenversicherungsträgers kritisiert, so dass wir inzwischen unter einem massiven Druck von außen stehen, dem wir uns nicht entziehen können.“ Damals wurden in ganz Mitteldeutschland außer Döbeln noch sechs weitere Auskunfts- und Beratungsstellen geschlossen, 2015 kamen noch weitere zwei dazu.

Nächste Beratungsstelle in Riesa

Eine Entfernung von 30 Kilometern zur nächsten Beratungsstelle sei als zumutbar angesehen worden. Im Vorfeld der Schließungen sei zudem geprüft worden, ob die Verkehrsbedingungen zu anderen Beratungsstellen vertretbar sind. „Seit 2015 erfolgten keine Schließungen mehr“, sagt Wächter. Weitere seien nicht geplant.

Die nächste Beratungsstelle für die Döbelner befindet sich im knapp 24 Kilometer entfernten Riesa. Die Mitarbeiter dort sind unter Tel. 0341 55055 sowie per E-Mail an riesa-aub@drv-md.de zu erreichen. Geöffnet ist die Beratungsstelle täglich ab 8 Uhr, montags und donnerstags bis 15, dienstags bis 18 Uhr, mittwochs bis 13 und freitags bis 12 Uhr. Die gleichen Öffnungszeiten hat die Einrichtung im rund 27 Kilometer entfernten Freiberg. Die Berater dort sind unter Tel. 0371 69710 zu erreichen sowie per E-Mail an freiberg-aub@drv-md.de.

Wer sich nicht an Öffnungszeiten halten kann, dem wird auch unter der kostenloses Servicenummer 0800 1000 480 90 geholfen.

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