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Donnerstag, 12.04.2018

Diess wird neuer VW-Konzernchef

Der weltgrößte Autobauer Volkswagen bekommt mit dem bisherigen VW-Markenchef Diess einen neuen Konzernlenker. Aber die Wolfsburger drehen auch noch an anderen Schrauben. Und was wird aus dem bisherigen Konzernchef Müller?

Herbert Diess wird neuer Volkswagen-Konzernchef.
Herbert Diess wird neuer Volkswagen-Konzernchef.

© dpa

Wolfsburg.Der bisherige VW-Markenchef Herbert Diess wird neuer Volkswagen-Konzernchef. Damit löst er seinen Amtsvorgänger Matthias Müller ab, wie der VW-Aufsichtsrat am Donnerstagabend in Wolfsburg beschloss. Müller scheide im gegenseitigen Einvernehmen mit sofortiger Wirkung als Vorstandsvorsitzender, aber nicht aus dem Unternehmen aus. Demnach wird er seinen Vertrag bis 2020 erfüllen. Außerdem führt Volkswagen im Zuge eines massiven Konzernumbaus neue Markengruppen ein. Damit soll der Autokonzern künftig weniger zentral geführt werden.

Dem seit Herbst 2015 – also seit „Dieselgate“ mit Millionen manipulierter Dieselfahrzeuge – amtierenden bisherigen Konzernchef Müller soll intern Entscheidungsschwäche vorgeworfen worden sein. Erst am Dienstag hatte VW überraschend angekündigt, die Führungsetage umbauen zu wollen.

Daneben beschlossen die Aufseher weitere Personalien: Gunnar Kilian, bisher Generalsekretär im Betriebsrat, wird Personalvorstand und damit Nachfolger von Karlheinz Blessing. Der langjährige Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch, seine Aufgaben wird der Beschaffungsvorstand der Marke, Ralf Brandstätter, kommissarisch übernehmen.

Sanz ist seit 2001 Vorstand bei VW und auch Aufsichtsratschef beim Bundesligisten VfL Wolfsburg. Zugleich rückt der Porsche-Chef Oliver Blume in den Konzernvorstand auf.

Auch die Neuorganisation der Marken des Zwölf-Marken-Konzerns soll kommen: Eingeführt werden die Markengruppen „Volumen“, „Premium“ und „Super Premium“, wie das Unternehmen mitteilte. Für die Nutzfahrzeugeinheit Truck & Bus sollen die Voraussetzung geschaffen werden, diese an die Börse zu bringen. Laut Spiegel sollen die einzelnen Marken in den vier Gruppen aufgeteilt werden – für die Volumenmodelle VW, Skoda und Seat, die Premiumfahrzeuge mit Audi, die Sportwagen mit Porsche, Bentley, Bugatti und Lamborghini und die Nutzfahrzeuge mit MAN, Scania und den leichten Nutzfahrzeugen.

Zusätzliche Führungsaufgaben

Die für die Markengruppen verantwortlichen Vorstandsvorsitzenden übernehmen zusätzlich Konzernführungsaufgaben. Der neue Konzernchef Diess verantwortet demnach die Konzernentwicklung- und Forschung, Audi-Chef Rupert Stadler den Konzernvertrieb und Porsche-Chef Blume die Konzernproduktion.

Der 59-jährige Diess galt bereits länger als „Kronprinz“. In seiner Zeit als Chef der Kernmarke VW mit Modellen wie Golf, Tiguan oder Passat hat er die Effizienz der lange Zeit ertragsschwachen Wolfsburger verbessert. Er scheut auch Konflikte mit dem Betriebsrat nicht und lag mit Betriebsratsboss Bernd Osterloh wegen des „Zukunftspakt“ genannten Sparprogramms im Clinch. Diess gilt in Teilen der Belegschaft aber auch als umstritten.

Der Volkswagen-Konzern beschäftigt in Sachsen direkt rund 15 000 Menschen, über 10 000 arbeiten in den drei Standorten der Marke Volkswagen in Dresden, Zwickau und Dresden. Porsche, eine Premiummarke im VW-Markenorchester, zählt rund 4 100 Mitarbeiter in seinem Leipziger Werk. Indirekt hängen noch tausende von Arbeitsplätzen bei sächsischen Autozulieferern von Aufträgen des weltgrößten Autobauers ab.

Die Marke VW will das Zwickauer Werk, wo derzeit noch die Volumenmodelle Golf und Passat produziert werden, schon in absehbarer Zeit zu einem reinen Elektromobilitätswerk umbauen. Dort sollen ab Ende 2019 neben den Fahrzeugen der neuen elektrischen VW-Modellfamilie I.D. auch E-Modelle der Marke Seat vom Band laufen. Eine Milliarden Euro sollen bis 2022 in Zwickau investiert werden, um den Standort zum Elektromobilitätszentrum des Konzerns zu machen.

Nach dem Verkaufsstart des I.D. ist auch geplant, das erste Elektrofahrzeug neuen Typs von VW auch in der Gläsernen Manufaktur in Dresden zu montieren. Die Fabrik mitten im Zentrum der sächsischen Landeshauptstadt wandelt sich damit zu einem Innovationszentrum für die Mobilität der Zukunft – und das sehr zum Wohlwollen des neuen Konzernchefs Herbert Diess. (dpa/SZ)

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