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Dienstag, 02.01.2018

Diese Räder sollen die Welt erobern

Ein Unternehmen aus dem Müglitztal hat sich mit Motoren einen Namen gemacht. Nun geht es einen Schritt weiter.

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Räder aus Schlottwitz sollen den Markt erobern.
Räder aus Schlottwitz sollen den Markt erobern.

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Das Longtail: Eine Variante in Knallgelb mit robustem Gepäckträger.
Das Longtail: Eine Variante in Knallgelb mit robustem Gepäckträger.

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Für sportliche Radfahrer hat Binova das City High entwickelt. Es richtet sich nicht nur an Herren, sondern auch an sportliche Frauen. Mit Kettenschaltung kostet es 3280 Euro, mit Nabenschaltung 3440 Euro.
Für sportliche Radfahrer hat Binova das City High entwickelt. Es richtet sich nicht nur an Herren, sondern auch an sportliche Frauen. Mit Kettenschaltung kostet es 3 280 Euro, mit Nabenschaltung 3 440 Euro.

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Binova bietet mit dem City Low einen sogenannten Tiefeinsteiger an. Damit wolle man nicht nur Frauen ansprechen, sondern Radler, die es gemütlich angehen, mit Kettenschaltung kostet es 3280 Euro, mit Nabenschaltung 3440 Euro.
Binova bietet mit dem City Low einen sogenannten Tiefeinsteiger an. Damit wolle man nicht nur Frauen ansprechen, sondern Radler, die es gemütlich angehen, mit Kettenschaltung kostet es 3 280 Euro, mit Nabenschaltung 3 440 Euro.

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Schlottwitz. Noch steht das E-Bike mit dem langen Gepäckträger in der Montagehalle in Schlottwitz. Bald schon soll es nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA zum Straßenbild gehören. Das wünscht sich Katja Söhner-Bilo. Die Unternehmerin möchte im kommenden Jahr auf dem Fahrradmarkt mitmischen. Die SZ konnte sich drei ihrer vier Modelle schon mal anschauen, darunter das mit dem langen Gepäckträger, das Longtail. „Das ist unser kleines Lastenrad.“ Es ist für Stadtbewohner gedacht, vor allem für Familien mit Kleinkindern. Daneben gibt es noch drei andere Modelle: ein sogenannter Tiefeinsteiger, ein Herrenrad und ein großes Lastenrad. Letzteres kann erst im Frühjahr vorgestellt werden. „Wir müssen noch einige Dinge mit unserem Lieferanten klären“, sagt die Unternehmerin. Sie ist zuversichtlich, mit ihren Rädern eine Lücke im Markt zu füllen.

Im Blick hat ihr Unternehmen, die Binova GmbH, dabei Firmen. „Mit einem Partnerunternehmen für Leasinggeschäfte bieten wir Firmen ein Konzept zum Mitarbeiterfahrrad an“, sagt Frau Söhner-Bilo. Damit können Mitarbeiter, die sich gerne ein E-Bike zulegen möchten, Kosten sparen. Und ihr Arbeitgeber kann durch seine Unterstützung aktiv zur Gesundheit seiner Angestellten beitragen. Katja Söhner-Bilo sieht auch Privatleute als potenzielle Käufer. Allerdings müssen die auch etwas tiefer in die Tasche greifen. Die Preise schwanken je nach Schaltungssystem zwischen 3 280 und 3 440 Euro.

Longtail – das kleine Lastenrad

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Gepäckträger: Das Longtail verfügt über einen verlängerten Hinterbau. Deshalb kann es auch als Lastenrad genutzt werden. Zugleich dürfte es für Familien interessant sein. Denn durch den Hinterbau können bis zu vier Satteltaschen oder zwei Kinder transportiert werden. Binova plant dazu Kindersitze. Diese werden im Frühling vorgestellt.

Display: Die Binova-Räder verfügen über ein etwa 7,5 mal vier Zentimeter großes Display, auf dem unter anderen die Geschwindigkeit, die Tourenkilometer, das Datum und die Zeit angezeigt werden. Zudem wird über dieses Gerät gesteuert, wie stark der Motor unterstützen soll. Das Display ist mit einer Antiblendschicht überzogen.

Akku: Der Akku wird an das Unterrohr montiert und mit einem Diebstahlschutz ausgerüstet. Letzterer verhindert, dass er leicht abmontiert werden kann. Mit einer Akku-Ladung werden Radfahrer bis zu 180 Kilometer unterstützt. Allerdings sei diese Zahl nur ein Richtwert, erklärt Geschäftsführerin Katja Söhner-Bilo. Wichtige Einflussfaktoren sind das eigene Körpergewicht, die Stärke des Gegenwinds sowie das Streckenprofil.

Motor: Das Herzstück der E-Bikes ist der firmeneigene, etwa sechs Kilogramm schwere Mittelmotor. Im Gegensatz zu herkömmlichen Elektromotoren arbeitet dieser Motor nicht in einem Metallgehäuse, sondern in einer Kunststoffhülle. Binova preist ihn als sehr leise an. Er habe eine hohe Lebensdauer und ist wartungsfrei. Der Motor funktioniert ohne ein Getriebe und treibt die Pedalachse direkt an. Er unterstützt den Fahrradfahrer bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Kilometer pro Stunde. Die E-Bikes von Binova verfügen über einen Freilauf, sodass der Motor schnell entkoppelt und das Rad wie ein normales Fahrrad bewegt werden kann.

Räder: Nicht nur bei den Rädern, sondern auch bei der Schaltung, den Reifen und den Schläuchen setzt Binova auf bekannte Hersteller. „Wir wollen Produkte mit Qualität, aber ohne Schnickschnack“, sagt Frau Söhner-Bilo. Wer Teile auswechseln muss, soll diese auch leicht beschaffen können.

Rahmen: Die Rahmen für die E-Bike-Linie hat Binova selbst entwickelt. Dabei setzt die Firma komplett auf Stahl. Produziert werden die Rahmen in Taiwan und Vietnam, da Binova nach eigenen Angaben in Europa keinen Produzenten fand, der kleine Serien zu vertretbaren Preise produzieren wollte.

Bisher befindet sich die Montage von Binova in Schlottwitz. Hier ging das Unternehmen 2012 auch an den Start. Es war eine Art Ausgründung des in Schlotwitz und Dippoldiswalde tätigen Kunststoffverarbeiters Selectrona. Dessen Entwickler hatten damals einen neuartigen E-Motor konstruiert, den Binova weiterentwickelt hat. 2014 konnte das Unternehmen den Prototypen auf einer Messe vorstellen. „Sowohl bei Herstellern als auch Händlern aus dem In- und Ausland erregte unser Antrieb große Aufmerksamkeit. Wir konnten die Nachfrage zu Probefahrten über den Messeparcours kaum bewältigen“, erinnert sich Frau Söhner-Bilo. Die geplante Serienproduktion verzögerte sich allerdings, weil Binova noch Haftungsfragen für den Motor klären musste. „Aber auch diese harte Nuss haben wir geknackt“, so die Firmenchefin.

2016 hat Binova begonnen, die aufmontierbaren Motoren zu verkaufen. Fahrradhersteller und Kunden entdecken das Antriebssystem. Und es gab Rückmeldungen. Das gute Feedback habe ihr Team ermuntert, selbst Fahrräder zu konstruieren, sagt Frau Söhner-Bilo. Im März 2018 sollen die ersten Räder ausgeliefert werden. Um das zu schaffen, wird das gegenwärtig aus zehn Leuten bestehende Team erweitert.

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