• Einstellungen
Freitag, 29.12.2017

Diese Menschen haben Dresden 2017 bewegt

Die Landeshauptstadt macht Schlagzeilen, ihr Image hat gelitten. Wir stellen sieben Personen vor, die dieses Jahr Vorbilder waren oder für Aufsehen gesorgt haben.

Von Christoph Springer

3

Wegen ihres Muts, ihres Engagements für und in Dresden, weil sie der Stadt und ihren Menschen trotz internationaler Chancen die Treue halten und weil uns ihr Schicksal bewegt hat, bleiben diese Menschen in Erinnerung. Sie haben sich 2017 ins Gedächtnis eingeprägt.


Schülerin Emilia S.
Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Dazu gehört Emilia S. Die 15-Jährige wurde im Herbst mit dem Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus des Förderkreises „Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V.“ und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ausgezeichnet. Weil sie nicht hinnehmen wollte, dass in ihrer Schulklasse Nazisymbole kursieren, dass der Nazigruß als Spaß verstanden wird und der Begriff Jude als Beleidigung.
Schließlich zeigte sie einen Mitschüler an, der ein Handyfoto mit einer Rauchwolke und der Bildunterschrift „jüdisches Familienfoto?“ verschickt hatte und musste sich daraufhin selbst Beleidigungen gefallen lassen.
Für diese aufrechte Haltung bekam Emilia S. den Zivilcourage-Preis und ist damit eine Dresdnerin, die 2017 in besonderem Maße geprägt hat.


Dirigent Christian Thielemann
Foto: Matthias Creutziger

Eine Unterschrift und ein Wasser statt Sekt von der Kunstministerin Eva-Maria Stange zum Anstoßen – dann ab zur Probe: So unspektakulär hat Christian Thielemann Ende November seinen Vertrag als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle um weitere fünf Jahre bis Juli 2024 verlängert.
Der Maestro, der Berliner mit sächsischen Wurzeln und seit 2012 Chef an der Elbe ist, setzt weiterhin auf das Kernrepertoire der Kapelle, „aus dem sich bis heute die unverwechselbare Klang- und Spielkultur speist. Ebenso wenden wir uns Neuem und weniger Bekanntem zu, denn nur so bleibt ein Orchester jung und lebendig“, so der 58-Jährige. Der wohnt stets im Taschenberg-Hotel. Das sei komfortabler und spare Zeit gegenüber einer Wohnung.
Vereinbart wurde eine Mindestzahl von 40 Dirigaten in Konzerten und Opernaufführungen pro Saison. Der Vertrag verbietet ihm zudem, woanders eine Position anzunehmen. Interessant ist auch folgende Vereinbarung: „Zwischen Mitte September 2021 und Ende Januar 2022 kann der Unterzeichnende eine unbezahlte Auszeit nehmen.“ Was macht Thielemann da? „Ich werde endlich die Bibliothek in meinem Potsdamer Haus einräumen“, sagt er. (SZ/bkl)


Mediziner Gerhard Ehninger
Foto: Sven Ellger

Er bringt zusammen, was zusammen gehören sollte: Dresdner und ihre Gäste, Zugezogene und Fremde, die heimisch werden wollen. Im Juni hat der Medizinprofessor Gerhard Ehninger zusammen mit dem Bündnis Dresden.Respekt zum Picknick „Dresden isst bunt“ eingeladen. Vor der Frauenkirche nahmen Tausende Besucher an einer sternförmigen Tafel Platz und lernten sich kennen.
Es ist nur ein Projekt, das der emsige Professor initiiert hat. Unentwegt engagiert er sich für das Miteinander in der Stadt und gegen Fremdenhass. Auch dafür bekam er im Oktober den Erich-Kästner-Preis. (SZ/acs)


Dynamo-Capo Lehmi
Foto: Worbser-Sportfotografie

Er dirigierte, sang vor und animierte zu Sprechchören: Dynamo-Capo Stefan Lehmann. Am 3. Dezember war sein letzter Auftritt, Lehmi nahm seinen Hut. Mehr als 18 Jahre lang war er Capo der Ultras. Derjenige, der im Fanclub den Ton angibt. „Wir werden dich auf dem Turm in unserem Wohnzimmer und auswärts auf den Zäunen vermissen“, schreibt sein Verein, die SG Dynamo Dresden, zu seinem Abschied.
Der Capo selbst erklärt: „Die Zeiten ... bei mir müssen ein bisschen ruhiger werden.“ Am Ende durfte er mit einer Hand voll Fans in die Dynamo-Kabine, um die Mannschaft für sein letztes Spiel zu motivieren. (SZ/csp)


Schlagerstar Roland Kaiser
Foto: Sven Ellger

Idol zu sein und die Chance zu haben, besonders viele Menschen zu erreichen, das nutzt Roland Kaiser für sein soziales und politisches Engagement. Trotz Anfeindungen steht er zu seiner Kritik der Pegida-Bewegung und dem Fremdenhass ihrer Anhänger.
Diese deutlichen Worte hatte er einst auf einer Gegendemonstration an die Dresdner gerichtet. Außerdem setzt er sich stark für kranke und benachteiligte Kinder ein. Dafür und für die Gabe, Tausende Fans mit seiner Kaisermania am Elbufer zu begeistern und damit positive Bilder in die Welt zu senden, erhielt der Schlagerstar die Ehrenmedaille der Stadt Dresden. (SZ/nl)


Unternehmerin Viola Klein
Foto: André Wirsig

Frauen-Power, die staunen lässt: Viola Klein kennt kein Pardon, wenn es darum geht, etwas Gutes zu erreichen. Sobald die Gäste der Hope-Gala den Abend feiern, zieht die Unternehmerin mit ihrem verbalen Klingelbeutel unermüdlich über die After-Show-Party und überzeugt noch mehr Menschen davon, für die Aids-Hilfe in Südafrika zu spenden.
Das tut sie übrigens das ganze Jahr über und hat inzwischen schon fast eineinhalb Millionen Euro gesammelt. In diesem Jahr machte sie mit ihrem Hope-Kinderfest im Zentrum sogar Pegida den Platz streitig. Außerdem unterstützt sie Frauen in der IT-Branche. (SZ/nl)


Schuldirektor und Ex-Minister Frank Haubitz
Foto: Monika Skolimowska/dpa

Nach nicht einmal acht Wochen war alles schon wieder vorbei. Sachsens neuer Kultusminister, Frank Haubitz, von Ex-Ministerpräsident Stanislav Tillich geholt, wurde abgelöst. Der frisch gekürte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ernannte seinen CDU-Fraktionsgeschäftsführer, den Juristen Christian Piwarz, zum neuen Mann für Bildung.
Am Gymnasium Klotzsche, wo Haubitz zuvor 27 Jahre als Schulleiter arbeitete, herrschte am 18. Dezember, dem Tag der Bekanntgabe, Entsetzen – besonders beim neuen Direktor. „Das ist ein Skandal“, sagte Jens Rieth. Er hatte die Nachfolge von Haubitz übernommen, als dieser zum Minister ernannt wurde.
Rieth ist selber seit 17 Jahren an der Schule, hat dort sein Referendariat gemacht und arbeitete dann als Stellvertreter von Schulleiter Frank Haubitz. Er ist sich sicher, dass sein ehemaliger Chef als „Mann vom Fach“ der Richtige für den Posten gewesen wäre.
Zu den Gründen der Absetzung mutmaßte der derzeitige Gymnasiumsleiter: „Haubitz hat nicht in das Schema gepasst. Schüler, Lehrer und Eltern hoffen jetzt, dass Frank Haubitz wieder an seine alte Schule zurückkehrt. Bislang ist er jedoch abgetaucht und nicht zu erreichen. (SZ/sh, jv)

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Sven L.

    Sehr einseitiges politisches Spektrum, wie jeder Leser schnell feststellen wird.

  2. Frage

    @1: Nicht motzen, Gegenvorschläge machen. Bin gespannt....

  3. Mielke Schatten

    @ 1 Genau. @ 2 LUTZ BACHMANN, EGON KRENZ (für seine wahren Worte in Heidenau ) und meinen ABV ãhm,Bürgerpolizisten

Alle Kommentare anzeigen

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.