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Dienstag, 18.04.2017

Diese blöde Medaille

Nach dem Aus gegen Stuttgart bleibt es für Dresdens Volleyball-Frauen bei Bronze. Folgt jetzt wieder ein Umbruch?

Von Michaela Widder, Stuttgart

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Für den Moment am Boden: Katharina Schwabe, die Dienstälteste beim DSC.
Für den Moment am Boden: Katharina Schwabe, die Dienstälteste beim DSC.

© Pressefoto Rudel

Am Ende hat Alexander Waibl den Kopf gesenkt, seine Taktiktafel zur Seite gelegt. Sein Team war diesmal chancenlos.
Am Ende hat Alexander Waibl den Kopf gesenkt, seine Taktiktafel zur Seite gelegt. Sein Team war diesmal chancenlos.

© Pressefoto Rudel

Aufgereiht kämpfenKatharina Schwabe (v.l.), Jennifer Cross, Mareen Apitz und Myrthe Schoot gegen die erste Enttäuschung nach dem vorzeitigen Saisonaus.
Aufgereiht kämpfen Katharina Schwabe (v.l.), Jennifer Cross, Mareen Apitz und Myrthe Schoot gegen die erste Enttäuschung nach dem vorzeitigen Saisonaus.

© Pressefoto Rudel

Um fünf nach neun müssen sie das Ding endgültig rausrücken. Fast unbemerkt hat ein Mitarbeiter des Dresdner Klubs die Meisterschale aus der Kabine geholt und einem Vertreter der Volleyball-Bundesliga auf dem Spielfeld übergeben. Drei Jahre lang hatte der DSC als Deutscher Meister die 14 Kilo schwere Bronzeschale in seiner Obhut. Sie stand für alle gut sichtbar im Besprechungsraum der Geschäftsstelle. Sollte sie vielleicht helfen, das große Ziel zu visualisieren?

Doch der Traum vom vierten Titel in Folge endet vorzeitig im Halbfinale. Am Samstag 20.47 Uhr ist das Saisonaus für die Volleyball-Frauen aus Dresden nach einem 0:3 gegen Stuttgart besiegelt. Selbst wenn Trainer Alexander Waibl anschließend im Kreis mit seinen aufmunternden Worten die erste große Enttäuschung abfangen möchte, es gelingt ihm nur bedingt. US-Top-Angreiferin Liz McMahon kämpft wie Mareen Apitz mit den Tränen, andere Spielerinnen starren minutenlang ins Leere.

„Die Enttäuschung ist groß. Wir müssen wieder dahin kommen“, sagt Apitz, „dass wir nicht so eine blöde Bronzemedaille um den Hals haben, sondern im Finale stehen.“ Ihre Medaille, die sie kurz zuvor unter warmem Applaus der Stuttgarter Zuschauer bekommen hatte, lag da schon in der Kabine. „Wir hatten vorigen Samstag unsere große Chance, so eine musst Du nutzen“, findet die Zuspielerin.

Nichts und niemand zündete

Der DSC hatte nach dem ersten Halbfinalsieg in Stuttgart zu Hause trotz deutlicher Führung verloren – und musste nun im entscheidenden Spiel noch einmal beim Pokalsieger antreten. Doch die Mannschaft hatte von Anfang an „Mühe, den Ball auf den Boden zu kriegen“, wie Waibl analysierte. Der Trainer konnte reden, wie er wollte, bringen, wen er wollte – nichts und niemand zündete an diesem Tag.

Zum ersten Mal nach sechs Jahren verpasst die Mannschaft die Endspiele um die deutsche Meisterschaft, die nun zwischen Stuttgart und Schwerin entschieden wird. „Es ist schon lange her, dass ich mit dem DSC Bronze hatte“, meint Apitz. Eine Medaille hat ja bekanntlich zwei Seiten. Im Moment der Niederlage auch die positive zu erkennen und zu nennen, dafür sind Trainer oder der Vorstandschef besser geeignet. „Viele andere hätten auch gern Bronze. Wir sind erfolgsverwöhnt und orientieren uns an Größerem“, sagt Jörg Ditt-rich – und ermutigt: „Wir dürfen jetzt nicht alles verteufeln. Wir müssen zusehen, dass wir nächstes Jahr wieder das Finale erreichen.“ Mit dem Fanschal ums Handgelenk ging er nach dem Spiel zu Guillermo Naranjo Hernández, umarmte den Trainer des Finalisten. „Respekt, was Stuttgart geleistet hat, vor allem sportlich.“

Der DSC, Doublesieger von 2016, erlebte im Sommer einen großen Umbruch, nur drei Spielerinnen waren geblieben. Personell gab es immer wieder Rückschläge, wozu auch der plötzliche Weggang von Co-Trainer Michal Masek zählt. „Dass wir es fast ins Finale geschafft hätten, damit war vor Monaten nicht zu rechnen. Dann waren wir da“, erklärte Waibl, „dann kommen die nächsten Verletzungen. Ich glaube, mehr als Platz drei war für uns einfach nicht drin.“

Der Rang sichert dem DSC auch nächste Saison eine Teilnahme auf internationaler Bühne. „Nach meinem Wissen sind wir jetzt für den CEV-Cup qualifiziert, und natürlich spielen wir da – keine Frage“, sagt Dittrich. Auch finanziell gibt der Vorstandschef Entwarnung. „Der Etat ist so gut wie gedeckt. Die fehlenden 10 000 bis 15 000 Euro bekommen wir auch noch zusammen“, meint er. Erstmals seit Jahren hatte der DSC ohne Finaleinzug geplant. „Vielleicht hätten wir das nicht tun sollen.“

Die Saison ist vorbei, ob das auch für das Kapitel DSC gilt, ist für einen Großteil der Mannschaft noch offen. Verträge für die nächste Saison haben nur vier Spielerinnen: Mareen Apitz, Katharina Schwabe, Myrthe Schoot sowie die Tschechin Eva Hodanova, die sich im ersten Heimspiel verletzt hatte und mit einem Kreuzbandriss die komplette Saison ausfiel. Zudem haben einige Optionsverträge. „Dass ein Großteil der Mannschaft zusammenbleibt, fällt uns aufgrund der Finanzen schwer. Es gibt schon die eine oder andere Spielerin, die wir gern halten würden“, erklärt Dittrich. Für Waibl, der selbst noch einen Vertrag bis 2018 hat, steht fest: „Wir müssen uns individuell besser aufstellen und jetzt analysieren, welches Potenzial in welcher Spielerin steckt.“ In den nächsten Tagen und Wochen werde es intensive Gespräche geben.

Bis zum Fanfest am Donnerstag im Elbegarten wird die Mannschaft noch in Dresden sein, bevor Urlaub und Auswahlpflichten rufen. Mareen Apitz lehnte eine Einladung zur Nationalmannschaft aus persönlichen Gründen ab. „Es ist für mich kein Thema. Punkt.“ Für die 30-Jährige steht erst mal Erholung an. In der Teamleitung geht die Arbeit weiter. Nach der Saison ist vor der Saison „Wir kommen wieder“, verspricht Dittrich fast ein bisschen trotzig. „So bin ich halt.“

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