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Dienstag, 17.04.2018

Die Unlust beim Mülltrennen

Benutzte Windeln im gelben Sack, Plastiktüten in der Biotonne - falsche Mülltrennung macht der Branche der Entsorger und Verwerter zu schaffen. Gibt es eine neue Umweltschutz-Unlust?

Von Leander Löwe

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In der Gelben Tonne landet oft Müll, der dort gar nicht hingehört. Die Quote der sogenannten Fehlwürfe liegt nach Schätzung von Branchenexperten zwischen 40 und 60 Prozent.
In der Gelben Tonne landet oft Müll, der dort gar nicht hingehört. Die Quote der sogenannten Fehlwürfe liegt nach Schätzung von Branchenexperten zwischen 40 und 60 Prozent.

© Julian Stratenschulte/dpa

Bremen. Ob Altpapier, Glas, Verpackungsmaterial oder Gartenabfälle - das System der Mülltrennung hat sich in Deutschland durchgesetzt. Doch vor dem Wegwerfen steht die Frage: Was kommt wo rein? Ob aus Bequemlichkeit oder Unkenntnis landen viele Abfälle in der falschen Tonne, wie Unternehmen besorgt feststellen.

Für das vergangene Jahr 2017 liegt die Quote sogenannter Fehlwürfe allein beim Verpackungsmüll nach Schätzung von Branchenexperten zwischen 40 und 60 Prozent. Darauf weist der Bundesverband Sekundärrohstoffe (BVSE) hin. Weniger Fehlwürfe gibt es bei Papiermüll und Alttextilabfällen. „Hier liegen die Quoten bei rund 2 und zwischen 1 und 10 Prozent“, sagt BVSE-Sprecherin Michaela Ziss.

Es gibt Unterschiede im Fehlverhalten. Landet die Verpackung mit leicht verschimmeltem Quark oder Gartenabfall mitsamt Plastiksack in der Biotonne, spricht die Branche von einem „regulären Fehlwurf“. Das ist schlecht.

Ein intelligenter Fehlwurf

Nicht viel besser aber ist, wer zum Beispiel eine Plastikklobürste in die Gelbe Tonne stopft. Nachgedacht, aber falsch entschieden - ein sogenannter intelligenter Fehlwurf. Die gelbe Tonne oder der gelbe Sack sind ausschließlich für Verpackungsmüll bestimmt. Eine Klobürste oder aber Spielzeug, auch wenn es auch aus Plastik ist, gehört definitiv nicht dazu.

Gerade anonymere Großstädte haben Probleme mit Fehlwürfen bei Bio- und Verpackungsabfällen. Das bestätigt zum Beispiel die Bremer Stadtreinigung und auch die RMG Rohstoffmanagement GmbH, die ihre Zentrale in Eltville am Rhein hat. Oft fehle ein Grundverständnis des deutschen Trennsystems und eine einheitliche Aufklärung.

Auch die zunehmende Migration könnte ein Grund für mangelnde Mülltrennung sein, erklärt ein Sprecher des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU) in Berlin. Das schwer zugängliche deutsche System sei auch für Ausländer nicht einfach zu verstehen und müsse auch ihnen erstmal erklärt werden. Ein weiterer Grund könne ein grundlegender gesellschaftlicher Trend sein, dass andere Umweltschutzmaßnahmen die Mülltrennung aus dem Bewusstsein der Bürger verdrängten.

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Ist die Fehlwurfquote zu hoch, kann es passieren, dass die Mülltonne stehen bleibt. Der Verbraucher wird dann über den Grund per Etikett informiert. Ein richtig großes Problem haben die Verwertungsfirmen, wenn der Müll kontaminiert ist, wenn etwa dreckige Windeln im Verpackungsmüll landen. „Dann wird der ganze gelbe Sack unrecycelbar“, erklärt ein Sprecher der Rohstoffmanagement GmbH.

Bessere Mülltrenner auf dem Land

Beim Auftraggeber „Der Grüne Punkt“ sieht man eher keine neue Unlust beim Mülltrennen: „Ein Anstieg von Fehlwürfen ist von uns nicht beobachtet worden“, sagt der Sprecher des Grünen Punktes, Norbert Völl, in Köln.

Die Haushalte müssen die Kosten für eine nachträgliche Trennung ihres Abfalls nicht tragen, aber den betroffenen privaten und kommunalen Unternehmen entstehen dann höhere Sortierkosten.

„Die Sortieranlagen haben große Probleme mit Fehlwürfen, wie beispielsweise bei Biomüll, in dem eine Plastiktüte steckt“, erklärt Jens Rösler, Sprecher der Bremer Stadtreinigung. Die Folgen: Die Tüte wird zunächst aufwendig entfernt - erst dann kann der Müll verwertet werden. Andernfalls sinke die Qualität des Komposts, der in der Landwirtschaft verwendet wird.

Die Bürger ländlicherer Regionen und kleinerer Städte sind den Experten zufolge übrigens größeren Städten im Punkt „Mülltrennung“ oft voraus. Sie trennen meist deutlich besser. (dpa)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Oberlausitzer

    Die mangelhafte Mülltrennung hat mehrere Ursachen: 1. Die allgemeine "Geiz ist geil" - Mentalität: Die Restmülltonne kostet pro Entleerung, die gelbe nicht, also schmeißt man alles da rein. 2. Das unsinnige System der Mülltrennung: Ein Kleiderbügel, der mit einem Kleidungsstück gekauft wurde, zählt als Verpackung und gehört in die Gelbe Tonne, ein einzeln gekaufter zählt als Restmüll - wer soll diesen Unsinn verstehen. Sinnvoller ist das österreichische Modell, wo nach Material getrennt wird und wo bei Fehleinwurf die komplette Tonne als Restmüll zählt und er ist dort richtig teuer. Über Geld kann man Leute schon erziehen!

  2. Aufwachen

    Es landet eh fast alles ist in der lauter Verbrennung, also was soll die überflüssige Diskussion!!! Wir haben wohl größere Probleme im Land.

  3. pretextat tach

    Nach etlichen Kommentaren des Senfabsonders "Aufwachen" bin ich mir sicher, daß eher tiefster Tagschlaf vorliegt. Er zählt gleichsam zu jener geltungsorientierten Relativierer-Sekte, mit welcher wir alle schnurstracks der Umweltkatastrophe sowie einem horrenden Absterben der menschlichen Spezies entgegenirrlichtern. Wer Umweltschutz ernst nimmt und den permanenten "menschlichen Makel" einpreist, kommt zur einzigen Lösung: Es muß richtig teuer werden und es muß richtig weh tun! Ansonsten ist da nichts zu machen und irgendwann machen dann die Kindsgenerationen, welchen es laut Geplapper "mal besser gehen sollte", den Sargdeckel zu - und zwar verfrüht und ungewollt, und nicht am eigentlich biologischen Lebensende. Also: Aufwachen! - ihr ganzen "Aufgeweckten" da draussen! Sonst ist Feierabend mit euch!

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