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Samstag, 17.06.2017

Die Rückkehr des Schiffspokals

Dresden hatte einst einen wertvollen Ratsschatz. Das meiste davon verschwand nach dem Zweiten Weltkrieg.

Von Lars Kühl

In Dresden soll der Schiffspokal wieder ansprechend der Öffentlichkeit gezeigt werden. Wann, steht im Moment noch nicht fest.
In Dresden soll der Schiffspokal wieder ansprechend der Öffentlichkeit gezeigt werden. Wann, steht im Moment noch nicht fest.

© Galerie Neuse

Die gesamte Sammlung dürfte Millionen wert sein. Doch das meiste davon droht nicht mehr aufzutauchen. Die 67 Teile des Dresdner Ratsschatzes verschwanden 1945 in den Wirren nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Rathauskeller. Das, was Bürger seit 1 600 zusammengetragen hatten, schien für immer verloren: qualitätvolle, vergoldete Silberschmiedearbeiten wie Pokale und Becher, dazu venezianische Gläser. Lediglich drei Objekte, zwei Goldbecher und ein Abendmahlskelch, sind inzwischen wieder im Bestand der Stadt. Am Dienstag folgt ein viertes.

Der eindrucksvolle, 37 Zentimeter hohe Schiffspokal, zu Beginn des 17. Jahrhunderts vom Nürnberger Goldschmiedemeister Tobias Wolff gefertigt, ist ein Prunkstück. Seine Rückkehr ermöglichten harte Verhandlungen. 2015 wurde das vergoldete sowie versilberte Segelschiff auf einer Auktion bei Christie’s in London angeboten. Die Bremer Galerie Neuse ersteigerte das Kunstwerk – ohne seine Dresdner Vergangenheit zu kennen – für gut 100 000 Euro von den Erben eines Schweizer Sammlers. Der hatte den Pokal wiederum 1960 in München erworben.

Die Kunsthändler aus der Hansestadt erkannten aber wohl den Wert des Pokals. Vor gut einem Jahr versuchten sie ihn deshalb für 230 000 Euro auf einer Kunstmesse in Maastricht zu verkaufen. Wie üblich, waren auch verdeckte Fahnder des Bundeskriminalamtes vor Ort. Sie hatten eine Liste dabei, die verschwundene Kunstobjekte aufführt. Darin stehen auch Suchmeldungen des Stadtmuseums Dresden bezüglich des Ratsschatzes. Kurzum, Gisbert Porstmann, Direktor der Dresdner Museen, stellte eine Strafanzeige wegen Hehlerei. Ein juristisches Ringen um den Schiffspokal begann, das jetzt in einem Vergleich von knapp 150 000 Euro endete.

Am Dienstag holt Porstmann das Kunstwerk in Bremen ab. Großen Anteil daran hat die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung, die sich für die Rückkehr kriegsbedingter Verluste einsetzt und nicht nur vermittelte, sondern auch die Hälfte der Rückkauf-summe bezahlt. Deren Generalsekretär Martin Hoernes hofft, dass „der Schiffspokal den Auftakt einer ganzen Reihe von Rückführungen aus dem Dresdner Ratsschatz markiert und sich die aktuellen Eigentümer zu ihrer historischen Verantwortung bekennen“.

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