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Donnerstag, 18.05.2017

Die Qual der Wahl: Diese Strategien helfen, Entscheidungen zu treffen

Neuer Job, neue Wohnung oder ein neuer Partner?

Foto: Flickr Day 103- What to Get.... Jinx! CC BY-SA 2.0
Foto: Flickr Day 103- What to Get.... Jinx! CC BY-SA 2.0

Im Leben müssen häufig Entscheidungen getroffen werden, die von heute auf morgen alles verändern können. Dementsprechend groß ist der Druck, sich richtig zu entscheiden. Da das häufig nicht so einfach ist, wird lange hin- und herüberlegt, gezögert oder die Entscheidung aufgeschoben. Dies muss alles nicht sein, sagen Experten.

Wenn man doch bloß in die Zukunft schauen könnte, um zu sehen, ob eine Entscheidung richtig gewesen sein wird – dann wäre das Leben so viel leichter, mag sich manch einer denken. Natürlich kann man das ein Stück weit versuchen mit der Hilfe von kostenlosem Kartenlegen bei Viversum und ähnlichen Lebensberatungs-Plattformen, die das sogar online per Chat, am Telefon oder via E-Mail anbieten. Das würde einem vielleicht eine gewisse Ruhe beim Treffen einer Entscheidung verschaffen, aber die Entscheidung selbst sollte man natürlich nicht gänzlich davon abhängig machen. Viele Menschen sind nun einmal so veranlagt, alle Eventualitäten in Betracht zu ziehen und gegeneinander abzuwägen. Das kann den Entscheidungsprozess jedoch oft enorm erschweren. Was hilft also?

Einer Studie zufolge, die Wissenschaftler der University of California in Berkeley und des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin durchgeführt haben, soll die Strategie der Wiedererkennung dabei helfen, sich leichter zu entscheiden. Das scheint plausibel: Was wir kennen, ist schließlich für uns keine große, angsteinflößende Unbekannte mehr, bei der wir die Konsequenzen nicht wirklich abschätzen können. Um sowohl große als auch kleine, alltägliche Entscheidungen leichter treffen zu können, braucht man einen gewissen Erfahrungsschatz, wie die Studienergebnisse zeigen. Demnach entscheiden Menschen sich mit steigendem Alter – und folglich mit mehr Lebenserfahrung – nicht nur häufiger richtig, sondern auch deutlich schneller. Eine wichtige Rolle beim Entscheidungsprozess sollen aber auch Wissen, Einflüsse aus der Umgebung sowie emotionale Aspekte spielen. Insbesondere in schwierigen Situationen kann das Bauchgefühl für die richtige Entscheidung sorgen – die Macht der eigenen Intuition wurde durch die Forscher ebenfalls wissenschaftlich nachgewiesen.

Wie aber helfen diese Erkenntnisse aus der Wissenschaft dabei, sich leichter und schneller zu entscheiden? Die Psychologie liefert einen wertvollen Tipp: Wer bei seinen Entscheidungen häufiger auf Pro-Contra-Listen setzt, sollte sich nie gleichzeitig Pro- und Contra-Argumente überlegen, sondern eine gewisse Zeit dazwischen verstreichen lassen. Das führt dazu, dass man die jeweiligen Argumente getrennt voneinander betrachtet und sich von keiner der beiden Seiten zu stark beeinflussen lässt. Wer dagegen fast immer auf sein Bauchgefühl vertraut, dem rät Psychologin Nadine Nett von der Fernuniversität Hagen dazu, kurz innezuhalten und sich nicht ausschließlich auf die eigene Intuition zu verlassen. Denn auch im Bauchgefühl können sich negative Dinge wie Vorurteile äußern. Auch Stress kann ein schlechter Ratgeber sein: Er sorgt dafür, dass unser Verhalten sich ändert und wir in bewährte Routinen verfallen, um der zusätzlichen Belastung zu entkommen. Und genau das kann einen großen Einfluss auf die Art und Weise haben, wie wir entscheiden.

Um besser entscheiden zu können, hilft es, sich zu fragen, ob eine Fehlentscheidung unwiderrufliche bzw. überhaupt ernsthafte Konsequenzen hätte. Ist das nicht der Fall, sollte man Mut beweisen. Denn auch Angst – etwa davor, die falsche Entscheidung zu treffen – kann sich negativ auf den Entscheidungsprozess auswirken. Die sichere Variante mag sich im ersten Augenblick vielleicht besser anfühlen, ist aber nicht immer die richtige Wahl. Insbesondere bei wichtigen Lebensentscheidungen kann es helfen, eine Nacht darüber zu schlafen. Was zunächst danach klingt, die Entscheidung lediglich aufzuschieben, trägt dazu bei, dass das Problem richtig in das Bewusstsein vordringen kann und einem die Reichweite der Entscheidung klar wird.

Und wenn die Entscheidung doch einmal falsch war? Dann wird sie im Nachhinein am liebsten schöngeredet – so handhaben es zumindest sehr viele Menschen. Doch ist dies kaum der richtige Weg. Wenn wir nämlich eine Entscheidung bereuen, bauen wir unbewusst eine innere Spannung auf. Durch schlichte Beschönigung wird diese allerdings nicht richtig gelöst, auch wenn es zunächst den Anschein haben mag: Schlechte Nachrichten werden nicht nun mal nicht davon besser, dass man sie in schöne Worte kleidet. Eine Verbesserung kann nur erreichen, wer eine Entscheidung entweder revidiert oder nicht auf ewig bereut. Man sollte also versuchen, auch eine Fehlentscheidung zu akzeptieren und sie im Kopf unter „gemachte Erfahrung“ abspeichern. Man darf schließlich nicht vergessen, dass auch falsche Entscheidungen manchmal zu etwas Gutem führen und zum Leben eines jeden Menschen ganz einfach dazugehören.

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