• Einstellungen
Mittwoch, 14.02.2018

Die neuen Sportarten bei Olympia

Das olympische Programm ist wieder erweitert worden und soll vor allem junge Leute anziehen.

Von Michaela Widder

Mit einem Wisch ist alles weg: Kaitlyn Lawes und John Morris sind die Besten.
Mit einem Wisch ist alles weg: Kaitlyn Lawes und John Morris sind die Besten.

© dpa

Hipper, spektakulärer, spannender – so lautet das neue, abgewandelte olympische Motto. In vier neuen Disziplinen und damit insgesamt bei 102 Entscheidungen werden in Südkorea Medaillen vergeben. Das Internationale Olympische Komitee ist bemüht – zumindest, was die Sportvielfalt angeht – dem Zeitgeist auf der Spur zu bleiben. Aber es gibt auch Kritik. Das sind die „Newcomer“ von Pyeongchang:

Die große Flugshow: Der Big-Air-Wettbewerb im Snowboard

„Es ist Gladiatoren-Snowboardfahren“, sagt die Münchnerin Silvia Mittermüller über ihren Extremsport. Verdammt viel Mut erfordert die Flugshow im Big-Air, bei dem die Snowboard-Akrobaten von einer 50 Meter hohen Rampe sausen und dann spektakuläre Sprünge und Überschläge zeigen. „Es fühlt sich verdammt gut an, wenn es vorbei ist und man den Kampf überlebt“, sagt Mittermüller. Nicht ohne Grund: Sie hatte sich nach einer misslungenen Landung schon dreimal das Kreuzband gerissen und einmal die Achillessehne. Bei der Premiere in der zweiten Olympia-Woche fehlt jetzt die einzige deutsche Starterin, nachdem sie am Montag im Windchaos beim Slopestyle-Training gestürzt war und sich erneut am Knie verletzt hatte. Übrigens wurde für den Big-Air-Wettbewerb der Parallelslalom gestrichen, der bei Olympia 2014 in Sotschi erst ins Programm gerutscht war und in dem das deutsche Team zwei Medaillen gewonnen hatte.

Geteilte Wisch-Arbeit: Mixed-Doppel im Curling

Mal bringt er den Stein auf den Weg, mal sie, wischen müssen beide und sonst niemand. Im Curling gilt die neue Mixed-Variante mit gemischten Zweierteams im Vergleich zu den traditionellen Wettbewerben mit reinen Vierer-Männer- und Frauenteams als die spannendere Disziplin. Es gibt weniger Durchgänge. Damit zieht sich jede Runde der bei Olympia beliebten Fernsehsportart nicht mehr ganz so lange hin. Das gemischte Doppel führt bei den Spielen dazu, dass sogar Familien in einem Wettbewerb antreten: zum Beispiel die US-amerikanischen Geschwister und WM-Zweiten Matt und Becca Hamilton oder das russische Ehepaar Anastassija Brysgalowa und Alexander Kruschelnizki, das Bronze gewann. Gold ging an Kanada. Kaitlyn Lawes und John Morris besiegten am Dienstag im Finale die Schweizer Weltmeister Jenny Perret und Martin Rios. Ein deutsches Team hatte sich für diesen Wettbewerb nicht qualifiziert. Julia Meißner und Andy Büttner aus Geising verpassten bei der WM das Ticket nach Pyeongchang.

Das direkte Duell: Der Eisschnelllauf-Massenstart

Seit drei Jahren ist der Massenstart im WM-Programm und jetzt auch olympisch. In Anlehnung an Sportarten wie Biathlon und Shorttrack ist es kein Wettlauf gegen die Zeit, sondern das direkte Duell. Der Massenstart soll neuen Schwung ins Programm der Immer-im-Kreis-Dreher bringen. Während des Rennens gibt es wie im Radsport Zwischensprints. Oft passieren auch Stürze. Daher tragen die Eisschnellläufer in dieser Disziplin wie die Shorttracker Helm und Schoner. „Mir macht das Spaß, aber die Regeln versteht kein Mensch“, sagt Claudia Pechstein. „Wie soll man es auch erklären, dass am Ende jemand auf Platz vier landet, der als Letzter oder Vorletzter ins Ziel kommt – nur, weil er ein paar Punkte in den Sprintwertungen geholt hat.“ Die 45-Jährige will bei ihren siebenten Spielen noch eine Premiere erleben und am vorletzten Tag im Massenstart starten.

Der Teamgedanke: Mixed-Team-Event im Ski Alpin

Geteilte Freude ist doppelte Freude, und daher kommen Team-Entscheidungen besonders gut an. Die alpinen Ski-Rennfahrer haben nun auch ein Mixed-Event und die Deutschen auch eine Medaillenchance. Der Teamwettbewerb wird im K.-o.-System ausgetragen, und zwar in Form eines Parallel-Riesenslaloms. Eine Runde besteht aus vier Läufen, wobei abwechselnd zwei Frauen und zwei Männer gegeneinander antreten. Für jedes gewonnene Duell gibt es einen Punkt. Steht es am Ende unentschieden, entscheidet die schnellere Zeit. Über die Neuerung in seiner Disziplin freut sich Wolfgang Maier zwar. Der Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes kritisiert aber auch, dass zu viele Trendsportarten olympisch seien: „Wenn man sich das Programm anschaut, verliert sich der Olympiasieger in der Masse der Olympiasieger. Die Wertigkeit wird immer weniger.“

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.