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Samstag, 05.05.2018

Die neue Generation Banker

Das Image der Branche ist nach wie vor nicht gut. Die Ausbildung zum Bankkaufmann bietet aber gute Chancen für einen späteren Aufstieg.

Von Inga Dreyer

Florian Schürmann am Apparat: Was kann ich für Sie tun? Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann ist er jetzt Jungangestellter bei der Sparkasse. | Foto: dpa/Jens Flachmann
Florian Schürmann am Apparat: Was kann ich für Sie tun? Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann ist er jetzt Jungangestellter bei der Sparkasse. | Foto: dpa/Jens Flachmann

Mit „Wall Street“ fing alles an. Filme wie der Klassiker von 1987 hätten sein Interesse an der Finanzwelt geweckt, sagt Florian Schürmann. Alles, was mit Zahlen und Geld zu tun hat, habe ihn ohnehin schon früh interessiert. Da lag die Ausbildung zum Bankkaufmann nahe. Die absolvierte der 21-Jährige aber nicht in New York, sondern bei der Sparkasse Bielefeld. „In einer regional tätigen Bank sieht die Welt ganz anders aus“, sagt Schürmann.

Seinem Erfolg tat das aber keinen Abbruch: Die Ausbildung hat er inzwischen beendet. Seit Januar ist er Jungangestellter bei der Sparkasse. Und auch in die Wertpapierabteilung durfte er schon hineinschnuppern. „Aber zum alltäglichen Bankgeschäft gehört viel mehr dazu“, sagt er. Von der Eröffnung eines Girokontos über Privat- und Firmenkredite, Bausparverträge und Lebensversicherungen bis hin zu Kapitalanlagen müssen Kundenberater einen Überblick haben und schwierige Themen einfach erklären können. „Wichtig ist Kontaktfreudigkeit und eine offene und kommunikative Art“, sagt Schürmann, der nun für 950 Kunden einer Filiale zuständig ist. „Man muss keine Eins in Mathe haben, aber ein Gespür für Zahlen.“ Neugier und Selbstständigkeit sind für Stephan Glatthor, Ausbildungsleiter bei der Sparkasse Bielefeld, wichtige Voraussetzungen. „Wir wünschen uns, dass die Auszubildenden ein großes Maß an Lernbereitschaft mitbringen.“ Das sei wichtig, weil sich das Berufsbild im Wandel befindet: Während einfache Prozesse zunehmend automatisiert werden, sind Bankkaufleute vor allem für komplexere Fragen zuständig. Auch in den Bereichen Datenschutz und IT-Sicherheit würden Experten gesucht.

Im ersten Jahr lernen die Auszubildenden zwei Sparkassenfilialen kennen und haben Blockunterricht an der Berufsschule. Im zweiten Jahr geht es in die Fachabteilungen – beispielsweise Kreditabteilung oder Vorstandssekretariat. „Das Highlight war, als wir mit der Berufsschule an der Börse in Frankfurt waren“, erzählt Schürmann. Die Ausbildung ist beliebt: Bei der Sparkasse Bielefeld kommen pro Jahr etwa 300 Interessenten auf 25 Plätze. Sie bewerben sich online, dann folgen persönliche Gespräche. Gute Vorbereitung und Motivation seien dafür wichtig, sagt Glatthor.

In Sachsen hatten sich für das aktuelle Ausbildungsjahr 160 junge Leute für den Beruf beworben. Laut Arbeitsagentur Sachsen meldeten die Unternehmen gleichzeitig 148 freie Lehrstellen. 116 davon seien nicht besetzt worden. Ein Jahr zuvor seien von 209 Ausbildungsstellen nur sieben unbesetzt geblieben. „Bewerber und Anforderungen der Banken passen zunehmend weniger zusammen“, sieht Sachsens Arbeitsagentursprecher Frank Vollgold einen Grund für das Ungleichgewicht. Trotz der hohen Bewerberzahlen werde es immer schwieriger, qualifizierten Nachwuchs zu finden. Die Banken- und Finanzmarktkrise sowie schließende Filialen wirken sich laut Ausbildungsleiter Glatthor auch negativ auf das Image der Branche aus. Während 1997 deutschlandweit rund 18 000 neue Ausbildungsverträge für angehende Bankkaufleute abgeschlossen wurden, waren es 2016 nur noch knapp 9 300, so Gabriele Jordanski vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Sie vermutet mehrere Gründe – unter anderem das anhaltende Niedrigzinsniveau, das zu geringeren Einnahmen führe. Zunehmende Digitalisierung, Zentralisierung von Tätigkeiten und Fusionen von Banken seien weitere Faktoren, sagt Jordanski. Ein weiterer Grund für geringere Ausbildungszahlen könnte sein, dass mehr junge Leute den Weg über ein Studium wählen.

„Der Beruf des Bankkaufmanns hat aber nach wie vor einen hohen Stellenwert in der Branche“, schätzt Jordanski ein. Und auch Glatthor betont, dass die Ausbildung eine ausgezeichnete Grundlage sei. „Wir stellen so gut wie nicht von außen ein, so dass interne Karrierechancen sehr gut sind.“ Wer sich bewähre und spezialisieren will, könne in der Branche noch gut landen, sagt Oliver Popp, Pressesprecher der DBV – Gewerkschaft der Finanzdienstleister. „Die Banken müssen sich verjüngen.“

Besonders gute Chancen hätten junge Leute mit Englischkenntnissen und Interesse für Technik. Denn die Digitalisierung ist auch für die Finanzbranche ein wichtiges Thema. Noch sei zwar kein Neuordnungsverfahren der Ausbildungsverordnung von 1997 in Gang gesetzt, sagt Jordanski. Aber Verbände und Gewerkschaften beobachteten die Entwicklungen und seien dabei, künftige Anforderungen zu analysieren. Die Ausbildungsvergütung liegt laut Arbeitsagentur Sachsen bei etwa 970 Euro im ersten, 1 000 Euro im zweiten und knapp 1 100 Euro im dritten Jahr, das Einstiegsgehalt für Bankkaufleute um die 2 500 Euro.

Schürmann darf dank seines sehr guten Abschlusses inzwischen an einem hausinternen Assessment-Center teilnehmen, um eigene Stärken zu finden. So könnte er sich Richtung Controlling oder Management orientieren. Auch Studium oder Weiterbildung zum Sparkassenfachwirt und zum Sparkassenbetriebswirt kommen infrage. Erst einmal will er jedoch noch Erfahrungen in der Filiale sammeln. (dpa/rnw)

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