• Einstellungen
Samstag, 18.03.2017

Die Lausitz-Rallye muss umziehen

Das Fahrerlager wechselt vom Tagebau Reichwalde zum Sternencamp am Bärwalder See – gezwungenermaßen.

Von Maik Schwert

Auch im Jubiläumsjahr der Lausitz-Rallye hat Wolfgang Rasper bereits im Vorfeld der Großveranstaltung alle Hände voll zu tun. In diesem Jahr müssen die Rennfahrer umziehen. Das bietet bei aller Wehmut aber auch neue Möglichkeiten.
Auch im Jubiläumsjahr der Lausitz-Rallye hat Wolfgang Rasper bereits im Vorfeld der Großveranstaltung alle Hände voll zu tun. In diesem Jahr müssen die Rennfahrer umziehen. Das bietet bei aller Wehmut aber auch neue Möglichkeiten.

© André Schulze

Niesky. Die Piloten lernen die Lausitz beim Jubiläum der gleichnamigen Rallye wieder mal von einer anderen Seite kennen. „Wir müssen leider umziehen“, sagt Wolfgang Rasper am Freitag. Der Medientermin zur 20. Auflage dauert schon eine Weile. Da rückt er mit der Neuigkeit raus. „Das Fahrerlager bauen wir dieses Mal im Sternencamp am Bärwalder See auf“, sagt der Vereinsvorsitzende vom Rallyerenn- und Wassersportclub Lausitz. Die Rennzentrale entsteht im Boxberger Touristeninformationszentrum. Beides liegt an der Strandpromenade. Das garantiert kurze Wege.

Dennoch trauert er dem alten Standort im Tagebau Reichwalde ein bisschen nach: „Diese Anlagen waren ideal mit ihren tollen Straßen, der ehemaligen Zentralküche und den Verwaltungsgebäuden, die ausreichend Platz für Büro- und Sitzungsräume boten.“ Doch die Lausitz Energie AG baut alles zurück, und zwar ziemlich schnell. Einige Betriebe verlassen das Gelände im Ortsteil Kringelsdorf bereits zum 31. März. Andere Firmen folgen bis zum 30. Juni. Rasper spricht von Komplikationen mit Energie- und Wasserversorgern. Nur wenige Unternehmen bleiben, beispielsweise die SKM-Gruppe, sowie Forstbetrieb, Schützenverein „und wir“, sagt er und meint das Vereinsgebäude samt Lagerhalle.

Rasper kennt auch die Vorteile des neuen Standortes für Fahrerlager und Rallye-Zentrale: „Sternencamp und Touristeninformationszentrum bieten hervorragende Bedingungen.“ Ordentliche Park- und Stellflächen für die Trucks, Duschen, Toiletten, Imbiss – das sei alles reichlich vorhanden, und zwar auf engstem Raum. „Auch die Wertungsprüfungen sind alle in der Nähe.“ Eigentlich sei es wie im Tagebau. Da klingt er schon nicht mehr so traurig.

Vielmehr steigt die Vorfreude auf das 20. Mal vom 2. bis zum 4. November. „Das ist ein Meilenstein für uns“, sagt Raspers Stellvertreter Christian Doerr. Dann geht es so international wie noch nie zu. Erstmals richtet der Klub einen Lauf zur Europameisterschaft für historische Rallye-Fahrzeuge der internationalen Automobil-Föderation aus – und dann gleich das Finale der neun Rennen umfassenden Serie, die am nächsten Freitag in Spanien anfängt. Doerr nennt auch schon einige mögliche, namhafte Starter. Jari-Matti Latvala gehört dazu. Er fährt in der Weltmeisterschaft für Toyota und belegt nach drei von 13 Wettbewerben den zweiten Platz hinter Ford-Pilot Sebastien Ogier aus Frankreich. Der Finne zählt seit einem Jahrzehnt zu den drei besten Rallye-Fahrern der Welt. „Er war schon 2015 bei uns. Damals kamen so viele Zuschauer nur seinetwegen zu uns, sogar aus Polen und Tschechien“, sagt Rasper.

Auch Albert von Thurn und Taxis gehört inzwischen zu den Stammgästen in der Lausitz. „Er ist ein bodenständiger, freundlicher Typ““, sagt Rasper. Schließlich fährt auch Doerr mit – als Copilot an der Seite von Matthias Kahle. „Dieses Heimspiel steht immer in unserem Terminkalender. Das ist gesetzt“, sagt Doerr. Die eigentlichen Stars dürften die Fahrzeuge aus den 1970er- und 1980er-Jahren sein. Die Organisatoren erwähnen Porsche 911, Audi quattro und Lancia 037. Vielleicht fahren auch Lada und Wartburg mit.

Fest steht, dass die Organisatoren bei der 20. Auflage ein Trackingsystem einführen. „Die Piloten sind erstmals GPS-überwacht unterwegs“, sagt Rasper. Das hängt mit der Sicherheit zusammen. Die Rennkommissare können dadurch schneller reagieren, falls ein Unfall passiert, und außerdem besser kontrollieren, ob sich beim Abfahren der Strecke zum Kennenlernen alle an die Verkehrsregeln halten und ihre Geschwindigkeit bei Ortsdurchfahrten anpassen. „Das zählt im Ausland schon zum Standard und befindet sich in Deutschland noch in der Startphase“, sagt Doerr.

Klar ist auch, dass es dieses Mal wieder mehr Schotter gibt als im vergangenen Jahr. Damals waren es 75 Prozent anstelle der üblichen 95 bis 98 Prozent. Dieses Mal rechnen die Veranstalter mit 85 Prozent. Der exakte Anteil ergibt sich aus dem genauen Streckenverlauf, der noch nicht feststeht. Das Rennen in der Lausitz ist neben der historischen Rallye in Finnland das einzige Schotter-Rennen in der EM.

Offen bleibt, ob die Ausrichter wieder zum Showstart zurückkehren, auf den sie 2016 verzichtet haben. Sie denken darüber nach, ihn mit dem normalen Start zu verbinden – entweder wie bis 2015 auf dem Boulevard in Weißwasser oder in Bad Muskau. Doch egal, ob mit oder ohne Showstart: „Wir sind recht stolz darauf, so lange durchgehalten zu haben“, sagt Rasper.

Desktopversion des Artikels