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Mittwoch, 14.02.2018

Die Landarztquote und Niesky

Das Ärzte-Netz Ostsachsen sieht im Ministerpräsidenten aus Görlitz einen Verbündeten. Und will sich selbst stark engagieren.

Von Frank-Uwe Michel

Um Mediziner für die Region zu interessieren, hat das Ärzte-Netz Ostsachsen extra eine Internetseite ins Leben gerufen. Netzwerkmanager Hans-Joachim Tauch (rechts) ist froh, dass sich nun auch der Freistaat stärker engagieren will. Ingo Goschütz (links) von der Eno war für die Erarbeitung der neuen Internetseite zuständig.
Um Mediziner für die Region zu interessieren, hat das Ärzte-Netz Ostsachsen extra eine Internetseite ins Leben gerufen. Netzwerkmanager Hans-Joachim Tauch (rechts) ist froh, dass sich nun auch der Freistaat stärker engagieren will. Ingo Goschütz (links) von der Eno war für die Erarbeitung der neuen Internetseite zuständig.

© André Schulze

Niesky. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer weiß offenbar, wo den Landärzten der Schuh drückt. Und wo der Freistaat den Hebel ansetzen muss, um die Patientenversorgung in den ländlichen Gebieten zu verbessern. Das jedenfalls ist die Auffassung von Hans-Joachim Tauch, nachdem er sich mit den in der Regierungserklärung enthaltenen Punkten zu diesem Thema beschäftigt hat. Der Nieskyer ist Netzwerkmanager der Ärzte-Netz Ostsachsen GbR, einem Zusammenschluss von Haus- und Fachärzten, der sich seit 2014 dafür einsetzt, Gesundheitsdienstleistungen in der Region auf ein höheres Level zu heben und der ärztlichen Unterversorgung wirksam zu begegnen. „Kretschmer stammt aus dieser Region. Er hat mitbekommen, wie die Situation hier ist“, so Tauch.

Äußerst positiv sieht er die angekündigte Schaffung von zusätzlichen Studienplätzen. Bisher sei deren Vergabe im Freistaat nur über den ungeliebten Numerus clausus gelaufen. Einer Warteliste, bei der man von der Benotung der Bewerber ausgegangen sei, nicht aber ihre menschlichen Qualitäten berücksichtigt habe. „Deshalb gibt es schon jetzt eine Gruppe von 20 jungen Leuten aus Sachsen, die im ungarischen Pécs – außerhalb des Numerus clausus – Medizin studieren und sich danach verpflichten, in den ländlichen Raum zu gehen“, erklärt Tauch. Ob nicht nur an den Universitäten von Dresden und Leipzig, sondern auch in diesem Bereich mehr Studienplätze angedacht seien, wisse er nicht, würde es aber befürworten.

Überdies mahnt er an, auch die Kliniken nicht außer Acht zu lassen, in denen die angehenden Ärzte nach fünfjährigem Grundstudium ihre fachspezifische Ausbildung absolvieren. „Bisher war es doch so, dass viele Krankenhäuser nur ihren eigenen Bedarf gedeckt haben. Wenn künftig weit darüber hinaus ausgebildet werden soll, müssen die Einrichtungen dazu auch befähigt werden, damit kein Engpass entsteht.“ Es gehe also neben einer höheren Zahl an Medizinstudenten auch um die Förderung der Weiterbildung an den Kliniken. Er wisse jedoch, so Tauch, dass für manche Fachrichtungen Unterstützungsprogramme schon in Vorbereitung seien. Wenn Kretschmer von einer Landarztquote spreche, dann müsse klar sein, dass die – neben der Hilfe aus der Politik – nur im Zusammenspiel von Studierenden und den Regionen erreicht werden könne, in denen die jungen Mediziner gebraucht würden. „Alle Partner müssen aufeinander zugehen, nur so kann man Erfolge erzielen“, so der Experte.

Als Schritt in die richtige Richtung bezeichnet er die vom sächsischen Ministerpräsidenten angekündigte Forcierung der Digitalisierung in der Patientenversorgung. Auch wenn niedergelassene Ärzte nach den Regelungen des Bundes dazu verpflichtet seien, sich bis Ende 2018 in eine bundesweite IT-Plattform einzuklinken, sei es wichtig, dies nicht nur zu bekunden, sondern intensiv daran zu arbeiten. „Ich hoffe, wir kommen da in Sachsen jetzt ein gutes Stück voran. Der Freistaat könnte zu einem Leuchtturm in Deutschland werden“, begrüßt Tauch Kretschmers Aktivitäten. Bei dieser Plattform geht es um die Patientenstammdatenverwaltung sowie die Erfassung aller durchgeführten Untersuchungen, des Medikationsplanes und weiterer Informationen. „Ärzte vernetzen sich, es entstehen Kooperationen, außerdem werden Mehrfachuntersuchungen vermieden“, erläutert der Experte, der sich ebenso für den Ausbau der Telemedizin ausspricht. Nur so könnten auch im ländlichen Raum Fachleute großer Kliniken mit eingebunden werden.

Als äußerst wichtig empfindet Hans-Joachim Tauch die in der Regierungserklärung angekündigten Regionaldialoge zur Weiterentwicklung von Gesundheit und Pflege. „Es ist der richtige Weg, wenn sich die Politik an der Basis erkundigt, woran das System momentan krankt und was genau in den nächsten Jahren notwendig sein wird. Wir als Ärzte-Netz Ostsachsen werden die Chance ganz bestimmt nutzen mitzuhelfen, die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen.“ Wobei die Landespolitik nur die Rahmenbedingungen verbessern könne. „Umsetzen müssen wir die Dinge selbst“, ist der Nieskyer überzeugt. Deshalb verstehe er Michael Kretschmers Worte auch als Aufforderung anzupacken. Dies werde sicherlich nicht in zwei Jahren erledigt sein. „Wir brauchen einen richtig langen Atem. Gerade auch, weil in der Vergangenheit manches zu lasch gesehen wurde“, sagt Hans-Joachim Tauch.

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