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Mittwoch, 06.09.2017 Kommentar

Die Kinder zahlen den Preis

Der Stundenausfall an Sachsens Schulen steigt drastisch. Das hat Folgen. Leidtragende sind die Kinder. Jetzt muss das Kultusministerium handeln, fordert SZ-Redakteurin Andrea Schawe.

SZ-Redakteurin Andrea Schawe
SZ-Redakteurin Andrea Schawe

© Robert Michael

Der Lehrermangel ist bei den Kindern angekommen. Im vergangenen Schuljahr sind an Sachsens Schulen genau 210 792 Unterrichtsstunden mehr ausgefallen als 2015/16. Dazu kommen noch Stunden, die in einem anderen Fach vertreten wurden, und solche, in denen die Schüler still beschäftigt sind. Zwar fiel auch mehr Unterricht aus, weil Lehrer wegen Krankheit oder Weiterbildung fehlten; ein wesentlicher Teil ergibt sich aber aus Kürzungen der Stundentafel, weil es dafür keinen Lehrer gibt.

Die Kinder zahlen einen hohen Preis. Wenn in der Grundschule gerade beim Anfangsunterricht gekürzt wird, haben Kinder mit Migrationshintergrund, Lernschwierigkeiten oder sonderpädagogischem Förderbedarf schlechte Karten. Für Viertklässler steht eine Bildungsempfehlung an, obwohl sie im ersten Halbjahr hinterherhinken. In den Oberschulen fallen nicht nur etliche Stunden im Wahlpflichtbereich, sondern auch in Biologie, Geschichte, Deutsch und Englisch aus.

Was tun? Ja, Sachsen findet nicht genügend ausgebildete Lehrer für die offenen Stellen. Ja, der Arbeitsmarkt ist leer gefegt. Und ja, diese Situation war vor Jahren absehbar, die Regierung hat viel zu spät reagiert. Doch jetzt muss das Kultusministerium handeln. Ruheständler, die als Honorarkräfte aushelfen, Hunderte Lehrer, die freiwillig mehr arbeiten und schulscharfe Ausschreibungen sind ein Anfang. Die Einstiegsqualifikation für Seiteneinsteiger vorzuziehen, ist dringend nötig. Klar müssen die eingestellten Neu-Lehrer geschult werden, bevor sie vor der Klasse stehen. In der jetzigen Situation brauchen die Schulen sie aber am Schuljahresanfang, um den Unterricht abzusichern.

Wichtig ist, dass das Kultusministerium künftig vorausschauender plant. Die Bildungsagenturen brauchen eine Prioritätenliste – mit den Schulen, an denen es sehr, sehr eng wird, etwa, weil mehrere Lehrer langzeitkrank sind. Dort muss schneller Verstärkung organisiert werden, etwa über das Programm Unterrichtsversorgung. Es kann nicht sein, dass erst etwas passiert, wenn sich Eltern verzweifelt an die Presse wenden – wie im Fall der 90. Grundschule in Dresden.

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