• Einstellungen
Montag, 20.03.2017

Die Hühner leiden jeden Tag mehr

Sachsen hebt die landesweite Stallpflicht auf. Die Züchter im Rödertal haben davon aber erst einmal nichts.

Von Jana Ulbrich Und Thomas Drendel

Der Wallrodaer Geflügelzüchter Arndt Trepte hofft für seine Hühner auf ein Ende der Stallpflicht. Er hält diese Maßnahme sowieso für übertrieben, sagt er. Und ist mit dieser Meinung im Landkreis Bautzen nicht allein. Foto:
Der Wallrodaer Geflügelzüchter Arndt Trepte hofft für seine Hühner auf ein Ende der Stallpflicht. Er hält diese Maßnahme sowieso für übertrieben, sagt er. Und ist mit dieser Meinung im Landkreis Bautzen nicht allein. Foto:

© Thorsten Eckert

Radeberg. Der Wallrodaer Arndt Trepte hat die Nase voll von der Vogelgrippe. Ein augenzwinkerndes Wortspiel, das ihn aber nicht wirklich zum Schmunzeln bringt. Denn Arndt Trepte ist einer der bekanntesten Geflügelzüchter des Rödertals – seit frühester Kindheit hält er Rassegeflügel, war Preisrichter und mehr als 20 Jahre Vorsitzender des Kreisverbandes der Dresdner Rassegeflügelzüchter. Zudem ist er noch immer als ehrenamtlicher Zuchtwart aktiv. Und er weiß, dass die durch die Geflügelpest ausgerufene Stallpflicht für die Enten und Gänse sozusagen die Hölle ist. Das bestätigen dem Wallrodaer auch seine Kunden, denn sein Geld verdient Arndt Trepte mit seinem Groß- und Einzelhandel für Futtermittel und Tierzuchtbedarf. Und die Stallpflicht ist für Rassegeflügel besonders hart. „Bei diesen Tieren ist der angeborene Wildtrieb noch stärker als beim Industriegeflügel in den Großanlagen“, sagt er.

Seine jungen Rouen-Enten aus dem Jahr 2016 hat der Wallrodaer wegen der Stallpflicht schon schlachten müssen. „Sie hätten die Wochen im Stall nicht überstanden.“ Einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung für seine Tiere lehnte das Landratsamt in Bautzen ab. Doch nicht nur Arndt Trepte hofft auf ein Ende der Stallpflicht. Die hält er im übrigen sowieso für übertrieben. „Die vielen Wildtiere, die jetzt gefunden wurden, sterben aufgrund der Nahrungsknappheit im Winter mit wochenlanger geschlossener Schneedecke. 80 Prozent der Jungvögel überstehen das erste Lebensjahr nicht. Das ist bekannt“, sagt der Züchter. Früher wurden die toten Vögel von Raubwild und Aaskrähen gefressen, jetzt wird so ein Fund schnell an die Behörden gemeldet.“

Ähnlich sieht das Marco Käsler. Der Putzkauer ist Vorsitzender des Rassegeflügelzüchtervereins im Landkreis Bautzen. Und damit weiß er natürlich um die Sorgen der Züchter. Sie alle haben eine Petition an die Landesregierung unterschrieben mit der Bitte, die landesweite Stallpflicht wenigstens in Ausnahmen aufzuheben. Denn selbst diejenigen, die ihre Zuchttiere nicht geschlachtet haben, können zu großen Teilen nicht mehr auf Nachwuchs hoffen. Sie finden dieser Tage in den Ställen oft nur unbefruchtete Eier vor, erklärt Marco Käsler. „Wir werden in diesem Jahr einen enormen Einbruch in den Rassegeflügelbeständen erleben“, ahnt er. Wenn die Stallpflicht nicht bald aufgehoben wird, sagt er, hat sich die Zucht erledigt. Ein zweites Mal würden die Tiere nicht ansetzen.

Doch ein Ende der Stallpflicht ist abzusehen. Das Sozialministerium hat am Freitag in Abstimmung mit der zuständigen Landesdirektion festgelegt, dass die allgemeine Stallpflicht für Geflügel aufgehoben wird. Das bringt dem Landkreis allerdings erst einmal wenig. Denn im Kreis gibt es noch immer sechs Sperr- und Beobachtungsbezirke, in denen die Vögel weiterhin im Stall bleiben müssen. Radeberg und Umgebung sind nach dem Fund eines toten Graureihers in Seifersdorf weiterhin von den Restriktionen betroffen. Erst in der vergangenen Woche wurde ein neuer Sperrbezirk um Lohsa eingerichtet. In der Woche zuvor gab es neue Fälle im Seifersdorfer Tal und in Großdubrau. Und fast täglich, sagt Steffen Rüger, der zuständige Sachgebietsleiter im Landratsamt, werden neue Totfunde gemeldet, die erst noch untersucht werden müssen.

In die Haus- und Nutztierbestände im Kreis konnte die Geflügelpest bisher aber nicht eindringen – eben auch dank der strengen Einhaltung der Stallpflicht, ist Rüger überzeugt. Die Stallpflicht hatte die Landesregierung Mitte November erstmals für den gesamten Freistaat verordnet. In Sachsen habe es aber in den vergangenen beiden Wochen einen deutlichen Rückgang der Geflügelpestfälle bei Wildvögeln gegeben, bestätigt Ingolf Ullrich von der Landesdirektion. Deshalb wurde die Stallpflicht jetzt gelockert. Solange Sperr- und Beobachtungsgebiete bestehen, gelten die strengen Regeln weiterhin. Ingolf Ullrich von der Landesdirektion weist aber auf die Möglichkeit hin, dass die Landratsämter in bestimmten Fällen und unter bestimmten Bedingungen Ausnahmen erteilen dürfen.

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Ihr Kommentar zum Artikel

    Bitte füllen Sie alle Felder aus.

    Verbleibende Zeichen: 1000
    Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein